Signa-Pleite
Gusenbauer: Benko nicht "Genussmensch", sondern "Workaholic"
Die Signa-Development-Insolvenzverwalterin Andrea Fruhstorfer fordert die Vergütung der Aufsichtsräte für die Jahre 2022 und 2023 zurück.
Von dieser Forderung ist unter anderem Ex-SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer betroffen. Er soll 488.000 Euro zurückzahlen. Schon im Frühjahr 2022 soll erkennbar gewesen sein, dass die Gruppe zahlungsunfähig war, unternommen wurde aber nichts.
"Zahlungsmoral der Signa war immer schlecht"
"Abgesehen davon, dass ich sie nicht zahlen könnte, halte ich die Klage für abenteuerlich", sagt Gusenbauer in einem "Falter"-Interview.
Die Anschuldigungen seien "absurd", die Beiträge würden sich nach dem Streitwert richten. Wenn testierte Bilanzen nicht mehr verlässlich wären, gäbe es bald keine Aufsichtsräte mehr in Österreich, meint Gusenbauer.
Noch im Oktober 2023 hätten Berater gesagt, es gebe eine "gute Chance" einen Massekredit von 500 Millionen Euro aufzustellen. "Hätte ich das Unternehmen dennoch in den Konkurs schicken sollen? Das wäre absurd gewesen", so der Ex-Kanzler.
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Dass es zu Ende sei, sei Gusenbauer erst kurz nach den gescheiterten Verhandlungen über den Massenkredit klar geworden. Dabei seien seine Beraterhonorare davor schon Monate nicht bezahlt worden. Das habe ihn jedoch nicht überrascht, denn "die Zahlungsmoral der Signa war immer schlecht".
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Beratervertrag bei Signa
Gusenbauer diente knapp zwei Jahre als Bundeskanzler. Nach seinem Rückzug aus der Politik wurde er Berater von René Benko und der Signa, ohne vorherige Immobilien-Expertise.
Seine Aufgabenbereiche bei der Signa waren unterschiedlich. "Ich habe Investoren an die Signa herangeführt, den Due-Diligence-Prozess begleitet und die Strategien erläutert – genau wie es Investmentbanker tun", erklärt er.
"Getriebener Workaholic"
Seit fast einem Monat sitzt Benko mittlerweile in U-Haft. Ihm werden Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr vorgeworfen.
Gusenbauer selbst hatte das letzte Mal knapp vor Weihnachten mit Benko in Innsbruck Kontakt, erzählt er dem "Falter".
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Er zeichnet ein etwas anderes Bild von Benko als in den Medien bisher üblich: "Es ist für niemanden angenehm, im Grauen Haus zu sitzen. Das gängige Bild von René Benko als superreichem Genussmenschen ist etwas verzerrt." Benko sei in Wahrheit "ein getriebener Workaholic" gewesen.
Von seinen Statussymbolen war Gusenbauer aber nicht sonderlich begeistert. "Aber das gehörte wohl zu einem Image als anstrebender junger Unternehmer", mutmaßte er.
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Auf die Frage nach seiner Beziehung zu Benko erklärte Gusenbauer, dass sie gut zusammengearbeitet und offen über gemeinsame Themen gesprochen hätten. Gemeinsame Freizeit hätte es jedoch kaum gegeben, da Benko dafür keine Zeit gehabt habe. "Während er auf die Jacht ging, saß ich in der Oper", so Gusenbauer.
Zusammenfassung
- Zuletzt wurde bekannt, dass bei der Signa Developement weiterhin versucht wird, Geld zu beschaffen.
- Ex-SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer wurde dafür zu Kasse gebeten.
- Jetzt spricht er über die Vergütung der Aufsichtsräte sowie seine Zeit mit René Benko.