AFP

Handelskrieg

Der Plan hinter Trumps Zöllen: Kann das gut gehen?

Heute, 15:44 · Lesedauer 5 min

Auf den ersten Blick wirkt Trumps Zoll-Rundumschlag erratisch, irrational und hochriskant. Ein Blick auf die tiefroten Börsenkurse bestätigen das. Doch er scheint dabei dem Plan seines Beraters zu folgen, zumindest in Teilen. Welche Idee dahintersteckt und welche Gefahren sie birgt.

Zölle hier, Zölle da, Zölle für beinahe die ganze Welt. Donald Trumps selbsternanntes Lieblingswort, das die USA wieder reich machen werde, schockte in den vergangenen Tagen die ganze Weltwirtschaft. 

An den Börsen wurden Billionen von Euro an Marktwert vernichtet, Ökonomen mussten ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum zurücknehmen (auch in Österreich), mit China verkündete die erste Wirtschaftsmacht harte Gegenmaßnahmen. Der Handelskrieg ist eingeläutet. 

USA trifft es am härtesten

Fest steht: Ein Großteil der Ökonomen betrachtet großflächige Handelsbarrieren wie Zölle als grundsätzlich schlecht, insbesondere, wenn sie sich nicht auf spezielle Sektoren oder Warengruppen beziehen. 

Zudem zahlen aller Voraussicht nach US-Konsumenten die Zölle, sofern die Unternehmen nicht sinkende Gewinne in Kauf nehmen, um die Preise stabil zu halten. Das führt zu teuren Produkten und damit Inflation. Einzelne Schätzungen befürchten schon einen Inflationsschock von mehreren Prozentpunkten in den USA. 

"Die USA treffen sich selbst am härtesten", sagte Julian Hinz, Ökonom beim Kiel Institut für Weltwirtschaft, dem "Handelsblatt". 

Masterplan von Trumps Berater?

Bei genauerer Betrachtung könnte dahinter jedoch mehr Kalkül stecken als zunächst angekommen. Hier kommt der Ökonom Stephen Miran ins Spiel, einer der wichtigsten Trump-Berater. Schon im November schrieb er ein Strategiepapier, das die mögliche Zoll-Politik einer zweiten Trump-Amtszeit skizzierte: "Ein Leitfaden für die Umstrukturierung des globalen Handelssystems".

Das über 40-seitige Papier schließt er mit dem großen Versprechen: "Es gibt einen Weg, auf dem die Trump-Administration das globale Handels- und Finanzsystem zum Vorteil Amerikas umgestalten kann", dafür brauche es aber sorgfältige Planung. 

Darin entwirft er ein Konzept, das Zölle einführt, den US-Dollar abwertet und damit Reindustrialisierung im Land erzeugt. Viele Ökonomen widersprechen seinen Thesen und kritisieren sie als einseitig, doch beim US-Präsidenten scheint er damit auf offene Ohren zu stoßen. 

Video: Trump verhängt weltweit Zölle

Zentral ist in dem Papier die Rolle des US-Dollar. Der gilt weltweit als Leitwährung und erfreut sich deshalb international großer Nachfrage. Das bedeutet aber auch, dass der Wert im Vergleich zu anderen Währungen steigt – in den Augen Mirans zu teuer ist. Das macht US-Betriebe am Weltmarkt weniger konkurrenzfähig.

Diese Überbewertung hält Miran für einen der Hauptgründe, warum große Teile der Industrie aus den USA weggezogen sind. 

Erpressung zur Dollar-Abwertung?

Der Ökonom, der bis zu dem Strategiepapier eine recht unauffällige akademische Vita aufzuweisen hat, bietet eine Lösung für zwei Probleme Trumps auf: Die massiven Staatsschulden und zu viele Importe aus dem Ausland. 

Einerseits gibt es da die Zölle, die nun schon mal in Realität umgesetzt wurden, wenn auch deutlich aggressiver als angedacht. Miran empfahl nämlich einen "schrittweisen Ansatz, der mit niedrigen Zöllen beginnt und erst im Laufe der Zeit den Höchstsatz von 10 Prozent erreicht". Für Trump ist Mirans Höchstgrenze allerdings das Mindestmaß. 

Diese Zölle könne man dann als Druckmittel verwenden, entweder um Investitionen oder Industrie zurückzuholen – oder eben den "Mar-a-Lago-Akkord" umzusetzen. Der will gezielt den US-Dollar abwerten und die Zinszahlungen für die schwindelerregenden Schulden minimieren.

Im Grunde sollen andere Länder, die Abermilliarden in US-Staatsanleihen halten, diese eintauschen: Gegen neue Papiere mit 100 Jahren Laufzeit, dafür ohne Zinsen. Warum sollte irgendjemand auf diesen Deal eingehen und auf Zinsen verzichten? Entweder, weil die USA sonst die Zoll-Keule schwingen oder weil sie militärische Sicherheitsgarantien zurückziehen, so Mirans Idee. 

Das würde aber auch das Image des US-Dollars als "sicheren Hafen" gefährden. Die "Financial Times" ging in einer Analyse sogar so weit, dass die USA ihr "exorbitantes Privileg aus Versehen aufs Spiel setzen".

Zudem wäre zwar die US-Industrie beim Export konkurrenzfähiger, in einer Welt von globalen Lieferketten wäre es aber teurer, im Ausland Teile, Rohstoffe oder ganze Waren einzukaufen. Damit hätte man erst recht wieder Inflation im Land – das kann Trump nicht wollen. 

Ausgang ungewiss

Ob Trump nun wirklich Mirans Skizze folgt, ist nicht gewiss. Erst kürzlich sagte der Ökonom, sein Papier sei "so ähnlich wie ein Kochbuch", aber kochen würde Trump. Fest steht: In Mirans Rezept sind viele Aspekte ausgeklammert.

Etwa geht es nicht von Gegenmaßnahmen wie Zöllen von anderen Ländern aus. China belehrte die Welt erst am Freitag eines besseren. Und auch sonst steht der mögliche "Masterplan" auf wackligen Beinen. Auch aufgrund der Sprunghaftigkeit in den Entscheidungen von Donald Trump.

So wäre es auch nicht völlig ausgeschlossen, dass Zölle in wenigen Monaten gar kein Thema mehr sind, wenn der US-Präsident bis dahin den ein oder anderen "phänomenalen" Deal gemacht hat, wie er es selbst am Donnerstag in Aussicht stellte.

Zusammenfassung
  • Auf den ersten Blick wirkt Trumps Zoll-Rundumschlag erratisch, irrational und hochriskant.
  • Ein Blick auf die tiefroten Börsenkurse bestätigen das.
  • Doch er scheint dabei dem Plan seines Beraters zu folgen, zumindest in Teilen.
  • Welche Idee dahintersteckt und welche Gefahren sie birgt.