APA/FRANZ NEUMAYR

Martina Berthold: Immer dort, wo Not an der Frau ist

06. Apr. 2023 · Lesedauer 4 min

Plötzlich Grüne Spitzenkandidatin im Land statt in der Landeshauptstadt.

Immer, wenn Not an der Frau ist, ist sie zur Stelle: Als sich bei den Salzburger Stadt-Grünen im Jahr 2018 die langgediente Führungsriege zurückzog, verließ sie die Landespolitik und wechselte ins Schloss Mirabell. Und als im vergangenen Herbst die Spitze der Landespartei plötzlich vakant war, sprang sie erneut ein und kehrte zurück in die Landespolitik. Nun führt Neo-Landesprecherin LHStv. Martina Berthold die Öko-Partei in die Landtagswahl am 23. April.

Dabei hat sie sich ihre weitere politische Laufbahn wohl anders vorgestellt. Denn eine Wiederkandidatur in der Stadt 2024 galt als ausgemachte Sache - und damit auch ein Verbleib in der (nach dem Proporz gebildeten) Stadtregierung als ziemlich sicher. Eine neuerliche grüne Regierungsbeteiligung nach der Landtagswahl hingegen ist alles andere als fix. Doch als Landessprecher und Spitzenkandidat Heinrich Schellhorn infolge eines Pflege-Skandals vergangenen Herbst den Hut nehmen musste, war sie die logische Nachfolgerin: versiert in der Landespolitik, routiniert in Führungsaufgaben und vor allem auch einigermaßen bekannt.

Steckbrief Martina Berthold

Von ihrem eher bürgerlichen und pragmatischen Vorgänger unterscheidet sich Berthold allemal. Ihre ideologischen Pflöcke sollen querbeet und sichtbar eingeschlagen werden. Das mussten schon in ihrer Zeit als Landesrätin die Sportvereine murrend zur Kenntnis nehmen, als sie plötzlich das Wort Mannschaft durch Team ersetzen sollten. Sie selbst führte das kleine "a" hinter ihrem Magister schon, als viele das Wort Gender noch nicht einmal gehört haben, und auch ihr beruflicher Werdegang war lange Zeit von den Themen Frauen und Gleichberechtigung geprägt: Von 1996 bis 2009 war sie im Büro für Frauenfragen und Chancengleichheit des Landes beschäftigt, von 2000 bis 2013 leitete sie auch die Gleichbehandlungskommissionen des Landes sowie der Salzburger Landeskliniken. Auch ihr politischer Lebenslauf beginnt mit Frauenanliegen: Ab 2003 war sie Sprecherin der Grünen Frauen Salzburg.

Gebürtige Linzerin

Die gebürtige Linzerin (13. Februar 1970) gilt als Teamplayerin und Netzwerkerin mit vielen Verbindungen. Als eine, die selbst anpacken und ihr Umfeld motiviert kann. Wohin sie ihre Fühler überall hin ausstreckt, zeigt ein Blick in ihre Vita: freiberufliche Trainerin (unter anderem Projektmanagement), Organisationsberaterin, Moderatorin, Vorstand der ARGEkultur, Vorsitzende des Olympiazentrums Salzburg, Vorsitzende der Landessportorganisation oder Präsidentin des Salzburger Bildungswerks.

In die Politik zog es sie, weil sie mitgestalten und verändern wollte. Geschärft worden sei ihr politisches Bewusstsein schon früh in der katholischen Jungschar, sagte sie. Bei den Landtagswahlen 2004 und 2009 fand sich Berthold jeweils auf Platz drei der grünen Liste, was beide Male nicht reichte. Erst nach dem Wahlerfolg 2013 im Sog des Finanzskandals war es dann so weit: Berthold besetzte einen der drei grünen Regierungssitze, und ihre Performance als Landesrätin (u.a. für Familie, Jugend, Generationen, Integration, Grundversorgung, Sport, Frauen) wurde durchaus positiv bewertet.

Bau-Ressort

Als es nach der Wahl 2018 nur mehr für einen Regierungssitz reichte, wurde sie Klubvorsitzende im Landtag, ein Jahr später wechselte sie in die Stadtpolitik, wo sie Johann Padutsch als Parteivorsitzende und Stadträtin ablöste. Bei der Bürgermeisterwahl 2019 brachte es Berthold auf 13 Prozent - um zwei Punkte weniger als ihre Partei bei der gleichzeitig stattfindenden Gemeinderatswahl. Danach überließen ihr die anderen Parteien "nur" das scheinbar unbeliebte Bau-Ressort, das sie eher unauffällig und nicht allzu öffentlich-wirksam führte. Nur als sie laut darüber nachdachte, die Domfassade zu begrünen, oder als sie das Warmwasser aus Energiespargründen in Schulen und Kindergärten abstellen wollte, gingen die Wogen hoch.

Mit ihrem steten Bemühen, das Thema Klima intensiv in die Bauprojekte und überhaupt in die Stadtpolitik zu integrieren (u. a. Entsiegelung, Begrünungen etc.), kam sie vor allem mit der ÖVP und deren Klubobmann immer wieder in die Quere.

Ihre Bereitschaft, Parteiführung und Spitzenkandidatur so kurzfristig zu übernehmen, wird Berthold in den eigenen Reihen hoch angerechnet. Denn die Zeiten waren für Grün - das derzeit in Stadt, Land und Bund mitregiert - vielleicht schon einmal leichter, und sie selbst hat den relativ sicheren Job in der Stadt gegen ein Unternehmen mit offenem Ausgang getauscht.

Zusammenfassung
  • Plötzlich Grüne Spitzenkandidatin im Land statt in der Landeshauptstadt.