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5 Jahre Haft drohen

Heimgeholte Wiener Ex-IS-Anhängerin bis Prozess in U-Haft

03. Apr. 2025 · Lesedauer 3 min

Die ehemalige IS-Anhängerin Evelyn T. muss sich in der kommenden Woche vor Gericht verantworten. Die 26-Jährige bleibt weiter in U-Haft, es bestünde Tatbegehungs- und Fluchtgefahr.

Am 1. März wurde die Wiener Ex-IS-Anhängerin Evelyn T. gemeinsam mit ihrem siebenjährigen Sohn aus Syrien heimgeholte. Bereits am kommenden Mittwoch muss sie sich wegen terroristischer Vereinigung und krimineller Organisation am Wiener Landesgericht verantworten.

Wie ihre Verteidigerin Anna Mair am Donnerstag im Gespräch mit der APA erklärte, wird sich die 26-Jährige in der auf drei Stunden anberaumten Verhandlung schuldig bekennen. Der Angeklagten drohen bis zu fünf Jahre Haft.

"Sie hat sich im November 2017 mit ihrem Mann freiwillig kurdischen Kräften der Freien Syrischen Armee ergeben und war bis vor kurzem mit ihrem Sohn im Gefangenenlager Al Roj in Syrien interniert. Sie hat acht Jahre unter schwierigen Bedingungen in Gefangenschaft hinter sich", sagte Mair.

Anders als die Salzburger IS-Rückkehrerin Maria G. sei ihre Mandantin durchgehend in jenem Teil des Lagers untergebracht gewesen, "wo keine radikalen Frauen leben", versicherte die Verteidigerin.

Evelyn T. sei die ganze Zeit bestrebt gewesen, mit ihrem Kind nach Österreich zurückzukehren. Daher sei beim Außenministerium konsularischer Schutz beantragt worden, der sich auf die Rückholung von Mutter und Sohn aus dem Lager bezog.

Sohn in Obsorge der Kinder- und Jugendhilfe

Es fänden sich im Akt keine Hinweise auf eine noch gegebene Radikalisierung der Angeklagten, betont Mair. Evelyn T. habe bereits an die beim bundesweiten Netzwerk Offene Jugendarbeit (bOJA) angesiedelte Beratungsstelle Extremismus "angedockt" und erste Termine absolviert. Für den Fall einer Haftentlassung gebe es eine Wohnmöglichkeit, eine Betreuung durch den Bewährungshilfeverein Neustart sei gewährleistet.

Vor allem aber wolle Evelyn T. wieder mit ihrem Sohn zusammensein, bekräftigt ihre Rechtsvertreterin. Dieser ist seit 1. März in einer Einrichtung der Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) untergebracht ist. Die MA 11 hat die vorübergehende Obsorge übernommen.

U-Haft verlängert

Evelyn T. wurde bei ihrer Ankunft am Flughafen Wien-Schwechat auf Basis einer Festnahmeanordnung der Staatsanwaltschaft Wien festgenommen und in weiterer Folge vom Landesgericht für Strafsachen in U-Haft genommen.

Einer dagegen eingebrachten Beschwerde ihrer Verteidigerin gab das Oberlandesgericht (OLG) Wien vor wenigen Tagen keine Folge. Das OLG geht weiter von Tatbegehungs- und Fluchtgefahr aus. Die 26-Jährige bleibt somit jedenfalls bis zu ihrem Hauptverhandlungstermin in der Justizanstalt Wien-Josefstadt.

Kontakt zu ihrem Mann hat Evelyn T. übrigens keinen mehr. Dieser wurde nach seiner Gefangennahme in den Irak überstellt und soll dort als ehemaliger IS-Kämpfer inzwischen gerichtlich zum Tod verurteilt worden sein.

Video: Ex-IS-Anhängerinnen zurück in Österreich

Zusammenfassung
  • Evelyn T., eine 26-jährige Ex-IS-Anhängerin, wird am 9. April in Wien wegen terroristischer Vereinigung angeklagt.
  • Sie wurde am 1. März mit ihrem siebenjährigen Sohn aus Syrien zurückgebracht und wird sich schuldig bekennen.
  • Ihr Mann, ebenfalls ein IS-Kämpfer, wurde im Irak zum Tod verurteilt.
  • Evelyn T. bleibt bis zur Verhandlung in U-Haft, während ihr Sohn in der Obhut der Wiener Kinder- und Jugendhilfe ist.