Handelskrieg
Trump-Zölle: Wie hart es Österreichs Wirtschaft trifft
US-Präsident Donald Trump schafft es doch immer wieder, Beobachter, Amtskollegen und Experten auf der ganzen Welt zu überraschen. Diese Ankündigung vom Mittwochabend im "Rose Garden" des Weißen Hauses hat kaum jemand in dieser Größenordnung erwartet.
Beinahe die ganze Welt wird mit massiven Zöllen überzogen - mit einer absurd anmutenden Berechnung. Die EU wird mit Zöllen von 20 Prozent "bestraft", dabei gelten nach aktuellem Stand nur wenige Ausnahmen, etwa auf Pharma-Produkte.
Besonders die exportorientierte Industrie in Österreich trifft das hart. Nach Deutschland sind die USA der wichtigste Exportpartner. Allein 2024 verkauften heimische Unternehmen Waren im Wert von 16,2 Milliarden Euro über den Atlantik. Während die Zahlen in anderen Ländern zurückgingen, stieg der Export in die USA sogar an.
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"Weiteres großes Problem"
Damit wird nun Schluss sein. Erste Schätzungen des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) gehen davon aus, dass die Exporte in die USA um 1,4 Prozent zurückgehen.
Für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bedeutet das einen zusätzlichen Rückgang um 0,35 Prozent. In diese Zahlen sind bislang aber noch keine Gegenmaßnahmen der EU eingerechnet, zudem könnte Trump noch mit weiteren Maßnahmen nachlegen.
Aber schon jetzt steht fest, dass wir "für unser Wirtschaftswachstum ein weiteres großes Problem haben", so Harald Oberhofer, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) und Experte am WIFO, im PULS 24 Interview.
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Am meisten betroffen ist die heimische Industrie, besonders der ohnehin angeschlagene Automobilsektor sowie "Maschinen- und Metallprodukte", so Oberhofer.
Österreich steckt ohnehin in der Rezession
Eine weitere Hiobsbotschaft für die österreichische Wirtschaft, die laut Prognosen von WIFO und IHS aus der vergangenen Woche auch im dritten Jahr in Folge in einer Rezession steckt. Im vergangenen Jahr schrumpfte das BIP um 1,2 Prozent - 2023 war es bereits um ein Prozent zurückgegangen.
Für heuer wird ein neuerlicher Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent erwartet. "Drei Jahre Rezession hintereinander, das ist schon schlimm", so die nüchterne Analyse von WIFO-Chef Gabriel Felbermayr. So lange schrumpfte die Wirtschaft in der Nachkriegszeit noch nie.
Unter diesen Rahmenbedingungen könnten die Prognosen bald noch düsterer aussehen.
Video: Trump-Zölle "ein Hindernis für den Handel"
Monika Rosen, Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft, analysiert bei PULS 24 Trumps Pläne.
Warum macht Trump das?
Für Trump sind diese massiven Zölle auch mit einem enormen Risiko verbunden. Denn es ist davon auszugehen, dass sie die Preise für Verbraucher in den USA enorm ankurbeln werden.
Ökonomen warnen bereits vor einem "Inflationsschock" für die US-Wirtschaft. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet damit, dass die Inflation in den USA um mehrere Prozent in die Höhe schnellen wird. Dann müsste die US-Notenbank (FED) mit Zinserhöhungen gegensteuern, was wiederum schädlich für die Wirtschaft wäre.
"Die USA treffen sich selbst am härtesten", sagte IfW-Ökonom Julian Hinz dem "Handelsblatt". Kurzfristig könnte das US-BIP um 1,92 Prozent einbrechen.
Warum also das Risiko eingehen, die eigene Wirtschaft an die Wand zu fahren und sämtliche Verbündete vor den Kopf zu stoßen? Offenbar "ist es ihm politisch so ein großes Anliegen, das Handelsbilanzdefizit der USA mit jedem Handelspartner auf null zu senken", sagte WIFO-Ökonom Oberhofer zu PULS 24.
Und das, obwohl die USA bei Dienstleistungen massive Handelsüberschüsse erzielen. "Es geht ihm nur um den Warenhandel, die Dienstleistungen sind in der Berechnung ausgeklammert, deshalb kommt er auch zu sehr hohen Zöllen", erklärt Oberhofer.
"Es geht drum: Das Handelsbilanzdefizit ist aus seiner Sicht der Indikator für die Benachteiligung und das muss ausgeglichen werden."
Wie sollte die EU reagieren?
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmansdorfer zeigte sich am Donnerstag im Rahmen eines Wirtschaftsgipfels mit der Exportwirtschaft betont kämpferisch. Die EU müsse "möglichst rasch auch in Verhandlungen kommen", in denen man "selbstbewusst auftreten" muss, so Hattmansdorfer: "Wir sind der größte Binnenmarkt dieser Erde".
Man müsse Donald Trump "weh tun", wiederholte Hattmannsdorfer immer wieder. Man dürfe sich auch nicht "fürchten" und ihn "an den Verhandlungstisch zwingen".
Als Ziel von EU-Gegenmaßnahmen nannte er US-Techkonzerne sowie Waren aus vorrangig republikanischen Bundesstaaten. Zunächst müsse der Fokus auf Waren liegen, weil das schneller gehe.
Zuckerbrot oder Peitsche
Dem stimmt auch Oberhofer gegenüber PULS 24 zu: "Man sollte diese Verhandlungen natürlich führen", man müsse aber auch mit etwas an den Verhandlungstisch kommen.
Das könnte entweder ein Entgegenkommen sein, mit dem man an Trumps unbedingten Willen nach "Deals" appelliert. Andererseits müsse man aber auch "ernsthafte Drohungen" auf den Tisch legen können, um ernst genommen zu werden.
Zusammenfassung
- Die österreichische Wirtschaft liegt am Boden – nach Trumps überzogenen Zöllen wird das Comeback wohl noch beschwerlicher.
- Wie hart Österreich getroffen wird und welches Risiko Trump damit selbst eingeht.