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Valentin Oman erhält vor dem 90er Museumsschau in Bratislava

Heute, 05:02 · Lesedauer 6 min

Der Maler Valentin Oman wird am 14. Dezember 90 Jahre alt. So gut möchte man in dem Alter auch beisammen sein, denkt man sich, wenn der Kärntner Slowene durch sein Wiener Atelier führt. In der alten Substandard-Wohnung, die Oman vor rund 30 Jahren gemietet und mit Heizung versehen hat, stapeln sich derzeit Hunderte Bilder. Etliche davon werden ab Samstag in Bratislava zu sehen sein. Das Danubiana Meulensteen Museum zeigt die bisher umfassendste Werkschau des Künstlers.

Über 150 Werke werden in der von Michael Karrer kuratierten Ausstellung eine Ahnung davon geben, was den 1935 in St. Stefan/Steben bei Villach Geborenen, der als Zögling des katholischen Stiftsgymnasiums in Tanzenberg bei Klagenfurt eigentlich Priester werden hätte sollen, als Künstler umgetrieben hat - von der frühen Druckgrafik bis zur jüngsten Collage-Serie, mit der sich Oman seit dem Überfall Russlands mit dem Ukraine-Krieg auseinandersetzt. Es sind Hunderte Fotografien von Nachrichtensendungen, die er am Computer überarbeitet, ausgedruckt und dicht aneinandergefügt hat. Auch der Gazakrieg findet Widerhall in seinen Arbeiten. Oman ist ein aktueller politischer Künstler.

Dabei ist er genauso, vielleicht sogar vor allem, einer, der sich mit Grundsätzlichem auseinandersetzt. Das betrifft die Thematik ebenso wie die Materialwahl. "Ecce homo" nennt er das Hauptthema seiner künstlerischen Arbeit, und so unvollkommen, brüchig, rau und roh, wie der Mensch ist, zeigt er ihn auch. Nur wenige Meter von den unverhohlen anklagenden Ukraine-Collagen entfernt befindet sich Omans "Arbeitswand". Hier trägt er Farbschichten auf, die er mittels Gaze und Hasenleim anschließend abzieht und auf Leinwand überträgt. An der Wand gegenüber lehnt ein imposantes, strukturreiches Bild, das er kürzlich hier abgenommen hat, ein fragmentarisches Selbstporträt.

"Die Arbeitswand in meinem Kärntner Atelier verwende ich seit rund 30 Jahren", erzählt Valentin Oman beim APA-Besuch. In Finkenstein hat er auch - im Gegensatz zu seiner im Erdgeschoß gelegenen Wiener Bleibe vis-a-vis des Palais Rasumofsky - helle Arbeitsräume, die allerdings in den neuerdings heißen Sommern einen Nachteil haben: Die Temperatur kann dort so hoch werden, dass die vielen dort meterdick gestapelten Leinwände Gefahr laufen, zusammenzukleben. "Ich bin ja kein empfindlicher Maler, aber das ist wirklich unangenehm."

Kunststudium in Wien

Schon in seinen Studienjahren an der Akademie für angewandte Kunst in Wien (1958 bis 1962) habe er festgestellt: "Ich bin eher ein Stadtmensch." Dennoch hat er in der Wiener Kunstszene nie so richtig Fuß gefasst. Seine intensive Auseinandersetzung mit der Druckgrafik, von deren ungebrochener Faszination eine alte Druckerpresse in seinem Atelier Zeugnis gibt, stieß auf harte, publikumswirksame Konkurrenz ("Die Wiener Schule des Phantastischen Realismus hat die Druckgrafik ruiniert."), seine Konzentration auf Auftragsarbeiten führte dazu, dass seine Galerie-Kontakte nicht nachhaltig waren.

Daher sind seine Hauptwerke im öffentlichen Raum zu finden - oder in Kirchenräumen. Im "Piraner Kreuzweg" für die Seminarkirche Tanzenberg verarbeitete Oman Anfang der 1990er-Jahre seine Eindrücke aus den Kriegen in Ex-Jugoslawien, in der Pfarrkirche Finkenstein, nur einige 100 Meter von Omans Atelier entfernt, gestaltete er sechs Fenster, in der Universität Klagenfurt versah er die Dolmetscherkabine mit Schriftbändern der zweisprachigen Ortsnamen Kärntens.

Auseinandersetzung mit der Zweisprachigkeit

Die so genannte "Ortstafellösung" hat der Kärntner Slowene, der Slowenisch als Student in Wien fast verlernte, immer als ungenügend empfunden - weswegen er die über 900 zweisprachigen Kärntner Ortsnamen (ein Vielfaches der 164 offiziell zugelassenen) in Bronze gegossen in den öffentlichen Blick rücken möchte. Durch eine Initiative von Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) scheint im Jahr seines 90ers nun die Realisierung in greifbare Nähe gerückt. Wann genau die fehlenden drei Bronzestelen jedoch tatsächlich gegossen und gemeinsam mit dem bereits existierenden Prototypen aufgestellt werden, ist noch nicht fixiert.

Fix sind jedoch einige Ausstellungen, etwa im Mai in der Salzburger Galerie Welz, Mitte Mai bis Ende Juni in der Wiener Galerie bei der Albertina Zetter, ab 21. Juni in der Galerija Prešernovih nagrajencev im slowenischen Kranj und im September und Oktober in der Galerie Walker auf Schloss Ebenau. Den Auftakt zum Geburtstagsjahr macht am Samstag nun aber das private Meulensteen Museum auf einer Donauinsel unterhalb von Bratislava. "Das Museum ist ein Traum", schwärmt Oman, der von Museen sonst bisher nicht verwöhnt wurde. Nur wenige heimische Museen haben Werke von ihm in ihren Sammlungen. "Ich hab' eben nie in eine Schablone gepasst, bin nie für irgendeinen -ismus gestanden."

Anti-Haider-Boykott

Seine bisher einzige Museumsschau fand 2015 im Museum Moderner Kunst Kärnten statt. 13 Jahre lang hatte sich der Künstler an sein Gelöbnis gehalten, unter einem Landeshauptmann Jörg Haider in Kärnten nicht auszustellen. Seine erste Ausstellung danach in Villach nannte er "nazaj": zurück. Dass die FPÖ 2028 bei den nächsten Landtagswahlen in seinem Heimatbundesland wieder als stimmenstärkste Partei zurückkehren könnte, schließt Valentin Oman nicht aus, freut sich aber, dass die Freiheitlichen im Bund nicht den Regierungsbildungsauftrag erfüllen konnten. Über die Natur des Menschen macht er sich freilich schon lange keine Illusionen mehr. Galten seine frühen Arbeiten der Beschäftigung mit dem Homo sapiens, erkannte er: "Der Homo sapiens ist einfach nicht sapiens, also weise, geworden." Also benannte er sein zentrales Thema um: "Ecce homo" - so ist der Mensch. Und genauso heißt nun auch seine kommende Ausstellung.

Mit der Frage, was mit seinem umfassenden, ja überbordenden Werk nach seinem Tod geschehen könnte, beschäftigt sich Valentin Oman mehr als mit dem Davor, also seinem eigenen Tod. "Gesundheitlich hab' ich nie wirklich Sorgen gehabt", versichert er und zündet sich lächelnd eine Zigarette an. Solange das Lungenröntgen weiterhin so aussieht wie bisher, gönnt er sich ein Packerl pro Tag. Gesundheitsfördernde Faktoren bei ihm seien nämlich, dass sein Beruf ihm Spaß mache und er keinen Chef habe, erklärt er: "Du holde Kunst, ich danke Dir, dass ich so alt werden durfte!"

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - "Valentin Oman. Ecce homo", Ausstellung im Danubiana Meulensteen Art Museum bei Bratislava, Bratislava-Čunovo, Vodné dielo, 1. März bis 21. April, Di-So 10-18 Uhr, https://danubiana.sk/en, http://www.oman-valentin.com)

Zusammenfassung
  • Valentin Oman wird am 14. Dezember 90 Jahre alt und feiert dies mit einer umfangreichen Ausstellung in Bratislava.
  • Über 150 Werke von Oman, darunter politische Arbeiten zum Ukraine-Krieg, sind im Danubiana Meulensteen Museum zu sehen.
  • Oman hat sich intensiv mit der Zweisprachigkeit in Kärnten auseinandergesetzt und plant, über 900 Ortsnamen in Bronze zu gießen.
  • Er verweigerte Ausstellungen in Kärnten unter Jörg Haider und nannte seine Rückkehr 'nazaj'.
  • Oman bleibt gesundheitlich unbesorgt und genießt weiterhin das Rauchen, während er seine künstlerische Freiheit schätzt.