APA/Wolfgang Huber-Lang

"Poetischer Feminismus": Albertina zeigt Francesca Woodman

02. Apr. 2025 · Lesedauer 3 min

Das erste Foto zeigt ein 13-jähriges Mädchen im Strickpullover auf einer Bank, das Gesicht mit den Haaren verdeckt, das letzte ist ebenfalls ein Selbstporträt: ein Brustakt der frontal in die Kamera blickenden jungen Frau, hinter sich ein Spiegel, neben ihr die Geburtsurkunde. Dazwischen liegt ein kurzes, künstlerisch hoch interessantes und produktives Leben, dem Francesca Woodman 1981 mit 22 Jahren ein Ende setzte. Ab Freitag zeigt die Albertina eine umfassende Ausstellung.

Zu sehen sind alle 82 Werke der 1958 geborenen US-Künstlerin, die Gabriele Schor seit 2004 für die Sammlung Verbund gesammelt hat - abgesehen vom Nachlass der weltweit umfassendste Bestand. Sie sei mit Woodmans Werk erstmals 1999 durch eine kleine Ausstellung in London in Berührung gekommen, erzählte die Sammlungsleiterin, die als Kuratorin die jetzige Präsentation gestaltet hat, am Mittwoch bei der Presseführung. "Ich war beeindruckt, weil sie den weiblichen Körper mit einer unheimlichen Präsenz ins Bild setzt", so Schor, die "eine Trinität: weiblicher Körper, Raum und Requisiten" als Woodmans Markenzeichen hervorhob. "Sie schafft einen poetischen, performativen Feminismus. Das war eine avantgardistische Leistung in den 1970er-Jahren." Schor hat sich mit der Sammlung Verbund auf den von ihr geprägten Begriff "Feministische Avantgarde" spezialisiert und die Fotokünstlerin 2014 in der Vertikalen Galerie in der Verbund-Zentrale Am Hof erstmals präsentiert. Damals erschien auch die erste deutschsprachige Monografie.

Elf Jahre danach sind in der ersten Museumsausstellung Woodmans in Österreich nun zwei Künstlerinnenbücher und viele Silbergelatineabzüge ihrer mit Mittelformatkamera aufgenommenen inszenierten Schwarz-Weiß-Fotos zu sehen, 20 davon noch von der Künstlerin selbst entwickelt. Sie habe in den ersten Jahren auch noch einige Werke zu erschwinglichen Preisen auf Auktionen erwerben können, erzählte Schor. "Heute wäre das nicht mehr möglich." Auch Verbund-Vorstandsvorsitzender Michael Strugl zeigte sich darüber erfreut, dass die Sammlungsleiterin immer wieder das richtige Gespür beweise, ehe der Markt nachziehe. "Unser Agreement ist: Sie kann machen, was sie will."

Dass Woodman in der Albertina gezeigt wird, ist auch einer dreijährigen Partnerschaft des Museums mit dem Energieunternehmen geschuldet, die Ausstellungen mit einschließt. Im Vorjahr zeigte man "20 Jahre Sammlung Verbund", 2026 ist eine weitere Ausstellung geplant. Er freue sich sehr, im Rahmen der heuer geplanten sechs Personalen, die Künstlerinnen gewidmet sind, auch Francesca Woodman zeigen zu können, sagte Albertina-Generaldirektor Ralph Gleis: "Sie gehört in den Kontext eines Weltmuseums." Das gilt wohl nicht nur für ihre Kunst der Fotografie, in der Woodman deutliche Anklänge an den Surrealismus erkennen lässt, sondern auch für die eindeutigen kunsthistorischen Bezüge, die in der bis 6. Juli laufenden Schau teilweise auch mit kleinformatigen Fotos der Vorbilder ausgeschildert sind.

Kunsthistorische Bezüge und Rauminszenierungen

Nicht nur mit Werken von Botticelli, Bernini und Michelangelo hat sich die in Italien aufgewachsene Tochter einer Künstlerfamilie, die nahezu jeden Sommer in einem alten Bauernhaus in der Toskana verbrachte, auseinandergesetzt. Auch das viktorianische Zeitalter hatte es ihr angetan. Fantasievoll ahmte sie mit unterschiedlichsten Versatzstücken Kunstikonen nach oder inszenierte den eigenen nackten Körper in Räumen, in denen sie mit dem Inventar zu verschmelzen scheint - immer mit Tageslicht fotografiert und im Spiel von Licht und Schatten vom Verschwinden gefährdet. Die Auseinandersetzung mit der gesellschaftlich als marginal und flüchtig empfundenen eigenen Existenz ist eines der zentralen Themen der feministischen Avantgarde. Die Ausstellung unterstreicht eindrucksvoll Woodmans Stellung darin.

(S E R V I C E - Ausstellung "Francesca Woodman - Werke der Sammlung Verbund", Albertina, Eröffnung: 3. April, 18.30 Uhr, 4. April bis 6. Juli, tgl. 10-18 Uhr, Mi, Fr 10-21 Uhr, www.albertina.at)

Zusammenfassung
  • Die Albertina zeigt ab dem 4. April eine umfassende Ausstellung mit 82 Werken der Fotokünstlerin Francesca Woodman, die von Gabriele Schor für die Sammlung Verbund gesammelt wurden.
  • Woodmans Arbeiten, die den weiblichen Körper, Raum und Requisiten thematisieren, gelten als avantgardistisch und zeigen deutliche Anklänge an den Surrealismus.
  • Die Ausstellung, die bis zum 6. Juli läuft, ist Teil einer dreijährigen Partnerschaft der Albertina mit einem Energieunternehmen und betont Woodmans Rolle in der feministischen Avantgarde.