Kunsthaus Zürich zeigt Konzeptkunst von Roman Signer
"Ich möchte einmal eine Blechhütte machen, auf die ein Helikopter Steine hinunterwirft, sodass Löcher im Dach entstehen. So ergäbe dies einen Sternenhimmel. Das wäre schön. Und in der Hütte drin würden die Steine auf dem Boden liegen." Das erzählt Roman Signer im Gespräch mit Mirjam Varadinis, Kuratorin der Ausstellung im Kunsthaus Zürich. Die Kuratorin hat ihn gefragt, was er mit seinen 86 Jahren unbedingt noch realisieren wolle.
Dieses noch nicht realisierte Projekt steht beispielhaft für die Kunst von Signer. Bereits Ende der 1960er-Jahre hatte der Schweizer Ausstellungsmacher und Museumsleiter Harald Szeemann (1933-2005) an der Kunsthalle in Bern einen Skulpturbegriff zur Diskussion gestellt, der prägend für Signers Schaffen wurde. Demnach haben zeitgenössische Künstler Formen wie die Installation, Land Art, die Umgebung und Happenings in den Skulpturbegriff einbezogen. Solche Kunst entsteht aus dem Erlebnis. Oder wie es das Kunsthaus in Bezug zu Signer formuliert: "Seine künstlerischen Ereignisse sind eine faszinierende Mischung aus Prozess, Spiel, Experiment und Staunen." Es entstehen unerwartete Situationen, "die einen neuen Blick auf die Welt eröffnen".
Das nicht realisierte Projekt, von dem Signer spricht, zeigt einen weiteren Aspekt seiner Kunst: Bei seinen Werken spielt immer auch der Humor eine Rolle, ein charakteristisches Augenzwinkern, das seinen Werken eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Beispiele dafür sind seine wasserspeienden Gummistiefel, ein explodierender Chefsessel oder schwebenden Kajaks, mit denen er einem breiten Publikum bekannt wurde.
Werke fotografiert und gefilmt
Darüber hinaus ist charakteristisch, dass viele von Signers Werken zeitlich begrenzte Erscheinungen sind. Er liebe Objekte, die zerlegt werden können oder wieder verschwinden, so das Kunsthaus. Die Zeit spielt in seinem Schaffen eine zentrale Rolle, weshalb seine Arbeiten immer wieder als "Zeitskulpturen" bezeichnet werden. Die Veränderungen an seinen Werken hat Signer gefilmt oder fotografiert, um sie überhaupt festzuhalten - Dokumente, die nun auch in Zürich zu sehen sind.
Für seine Einzelausstellung stellt das Kunsthaus Zürich Signer nun seinen großen Ausstellungssaal zu Verfügung. Der Saal ist offen, ohne Wände, die den Raum unterteilen. Der Boden glänzt wie die Oberfläche von Wasser. Im Raum stehen oder liegen verschiedene Gegenstände, etwa ein knallrotes Kajak auf dem Spitz, ein weiteres aufgebockt mit einem Wasserschlauch, ein Planschbecken für Kinder, eine Holzhütte, wie ein Kinderhaus, behängt mit Fellstreifen. Von der Decke hängt ein Metallstuhl mit Kufen. An der Wand ein Bild mit einem Tisch im Wasser, schwimmendem Eis und der isländischen Landschaft im Hintergrund. Für Signer ist diese Ausstellung eine Landschaft. Das Publikum könne die Arbeiten "wie auf einem Spaziergang erkunden".
Gesamtinstallation
Der Ausstellungssaal wirkt so erst einmal statisch. Das Kunsthaus verspricht aber für die Ausstellung, der Künstler werde Arbeiten aus verschiedenen Schaffensperioden "zu einer überraschenden Gesamtinstallation" zusammenfügen.
Zu den bedeutenden europäischen Gegenwartskünstlern zählt Signer spätestens seit der Documenta 8 im Jahr 1987, wo er 300.000 Blatt weißes Papier in die Luft katapultierte oder seit der Biennale in Venedig 1999. Aufgewachsen ist er in Appenzell. Nach einer Bauzeichnerlehre absolvierte er in Zürich und Luzern den Vorkurs und die Bildhauerklasse, bevor er sich Anfang der 1970er-Jahre in Warschau weiterbildete. Dort lernte er seine Frau, die Künstlerin Aleksandra Rogowiec, kennen. Seit 1972 lebt Signer in St. Gallen.
Im Übrigen erscheint anlässlich der Ausstellung im Kunsthaus Zürich die Publikation "Roman Signer. Landschaft" mit zahlreichen Abbildungen seines Werks. Wie ein Roter Faden, der den Werdegang des Künstlers nachvollziehen lässt, durchzieht das Gespräch mit der Kuratorin Mirjam Varadinis den Band.
(S E R V I C E - Kunsthaus Zürich: Ausstellung "Roman Signer. Landschaft", 4. April bis 17. August, www.kunsthaus.ch/signer )
Zusammenfassung
- Roman Signer, ein bedeutender europäischer Gegenwartskünstler, wird im Kunsthaus Zürich mit einer Ausstellung geehrt, die vom 4. April bis 17. August läuft.
- Die Ausstellung zeigt Werke aus 50 Jahren seines Schaffens, darunter neue Projekte, die seinen charakteristischen Humor und seine Kreativität widerspiegeln, wie eine Blechhütte, die von einem Helikopter mit Steinen beworfen wird.
- Signers temporäre Werke, die oft als Zeitskulpturen bezeichnet werden, sind durch Fotografien und Filme dokumentiert und werden in einem offenen Ausstellungssaal präsentiert, der den Besuchern eine Erkundung wie auf einem Spaziergang ermöglicht.