Warnung vor erhöhter Unfallgefahr durch Wildwechsel
Bei einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde beträgt die Aufprallwucht sogar zwei Tonnen, sagte Roland Frisch, Pkw-Chefinstruktor der ÖAMTC Fahrtechnik, am Mittwoch in einer Aussendung. Während die Kollisionen für die Vierbeiner meist tödlich enden, kommen die Fahrzeuglenker großteils mit einem Kollateralschaden davon. "Beim Versuch, dem Zusammenstoß mit einem Ausweichmanöver zu entgehen, passieren oft die schwersten Unfälle. Verreißt man das Steuer, kann man schnell einen Baum am Straßenrand touchieren oder gar im Gegenverkehr landen", so Frisch.
Laut Experten sollte man bei einem unvermeidbaren Zusammenstoß stark bremsen und das Lenkrad gut festhalten. Die Wahrscheinlichkeit, glimpflich davonzukommen, sei auf diese Art und Weise höher als bei einem riskanten "Schlenker", der schlecht zu kontrollieren ist, hieß es vom ÖAMTC.
Im Jahr 2023 gab es laut ÖAMTC-Analyse der Zahlen der Statistik Austria insgesamt 276 Wildtier-Unfälle mit Personenschaden. Dabei wurden 302 Menschen verletzt, eine Person verlor ihr Leben. Besonders oft kam es zu entsprechenden Zusammenstößen in Niederösterreich (87) und Oberösterreich (68).
Zwischen 2014 und 2023 kam es im Schnitt zu 290 Wildtier-Unfällen mit Personenschaden pro Jahr. 2018 stach als negativer Höhepunkt mit 377 Wildunfällen, 418 Verletzten und vier Getöteten hervor. Am häufigsten ereignen sich die Kollisionen zwischen 5.00 und 6.00 Uhr morgens oder zwischen 20.00 Uhr und 23.00 Uhr.
ÖAMTC plädiert dafür, stets bremsbereit zu fahren
In Bereichen von Wildwechseln, die meist mit Warnschildern versehen sind, sollten Lenkerinnen und Lenker besonders aufmerksam und immer bremsbereit fahren. Ist ein Tier in Sicht, soll die Geschwindigkeit reduziert, das Fernlicht ausgeschaltet und gehupt werden. Habe das Tier die Fahrbahn schließlich überquert oder laufe davon, sei weiterhin Vorsicht geboten. "Wild flüchtet meist in Gruppen", sagte Frisch.
Laut Straßenverkehrsordnung darf ein Lenker nie zu überraschend für die hinter ihm fahrenden Fahrzeuge abbremsen. "Wer also wegen eines Tieres bremst, riskiert bei einem Auffahrunfall unter Umständen ein Mitverschulden", erklärte ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer. Bei einer Vollbremsung wegen eines potenziellen Zusammenstoßes mit einem Wildschwein, Reh oder Hirsch gelte das aber nicht mehr. Die Gefahr einer Verletzung des Lenkers oder der Lenkerin sei dabei zu groß.
Sollte ein Unfall nicht zu verhindern sein, muss der Fahrer an einer sicheren Stelle anhalten, die Warnblinkanlage einschalten und eine Warnweste anziehen. Die Unfallstelle muss mit einem Pannendreieck abgesichert, verletzte Personen versorgt und die Polizei oder die Jagdaufsicht verständigt werden. Verletzte Tiere sollen niemals berührt - und schon gar nicht mit nach Hause genommen werden. "Das gilt als Wilderei und ist strafbar", so der ÖAMTC.
Zusammenfassung
- Die erhöhte Aktivität von Wildtieren im Frühjahr führt zu einer größeren Unfallgefahr im Straßenverkehr. Bei einem Zusammenstoß mit einem Reh wirkt bei 50 km/h eine halbe Tonne auf das Fahrzeug, bei 100 km/h sogar zwei Tonnen.
- Im Jahr 2023 gab es in Österreich 276 Wildtier-Unfälle mit Personenschaden, wobei 302 Menschen verletzt wurden und eine Person ihr Leben verlor. Besonders betroffen waren Niederösterreich mit 87 und Oberösterreich mit 68 Unfällen.
- Der ÖAMTC empfiehlt, in Wildwechselgebieten aufmerksam und bremsbereit zu fahren. Bei einem unvermeidbaren Zusammenstoß sollte stark gebremst und das Lenkrad festgehalten werden, um die Unfallfolgen zu minimieren.