Gefährliches Spiel
Trump-Zölle gegen Autos: Wie das Österreich trifft
"Das ist der wahre Tag der Befreiung Amerikas, und der wird am 2. April sein, und ich freue mich darauf": Mit diesen Worten kündigte US-Präsident Donald Trump seine nächste Welle von Zöllen an.
Schon kommende Woche werden damit 25 Prozent auf Autos und Autoteile fällig, die in die USA importiert werden. In einer Industrie mit so internationalen Lieferketten stellt das die Konzerne vor enorme Herausforderungen. Trumps Ziel: Endlich wieder mehr Produktion in den USA.
Aber so schnell geht das nicht. Ein Werk mit Tausenden gut ausgebildeten Mitarbeitenden, Maschinen und hoch spezialisierten Abläufen kann eben nicht über Nacht in die USA übersiedelt werden. Geschweige denn die unzähligen Zulieferbetriebe aus dem Boden gestampft werden.
Lieferketten als Problem für deutsche Autobauer
Vor allem auch die deutschen Automarken trifft das hart. 2024 gingen knapp 450.000 Autos von Deutschland in die USA, wie Daten von "Bloomberg" belegen. Für einige sind die USA ein enorm wichtiger Absatzmarkt. Fast jeder dritte Porsche und jeder sechste BMW wurde 2024 dort verkauft. Bei VW, Mercedes-Benz und Audi waren es zwischen 12 und 15 Prozent.
Und was für deutsche Autobauer wichtig ist, gilt in der Regel auch für die heimische Zulieferindustrie. "Das wird uns wieder etwas Wirtschaftskraft kosten", sagte WIFO-Chef Gabriel Felbermayr im PULS 24 Interview.
Allein die Auto-Zölle belaufen sich auf 0,15 Prozent des BIP. Und dabei wird es nicht bleiben: "Trump findet unser Mehrwertsteuer-System unfair. Wie er auf die Idee kommt, weiß keiner."
Zoll auf Österreich-Exporte
Die heimischen Unternehmen lieferten 2024 Fahrzeuge und unter Zölle fallende Autoteile in die USA, deren Wert in die Milliarden geht.
Allein in der Kategorie Pkw lag der Warenwert bei knapp 1,8 Milliarden US-Dollar. Nur Deutschland, Slowenien, Schweden und Italien exportieren mehr aus der EU über den Atlantik.
Dazu kommen noch Verbrennungsmotoren im Wert von über einer Milliarde Dollar und andere Kategorien in Millionenhöhe, die nun künftig mit 25 Prozent Zöllen belegt werden.
Aus Oberösterreich nach South Carolina
Das größte Werk von BMW steht in Spartanburg, South Carolina. "Das Werk führte 2024 knapp 225.000 BMW mit einem Exportwert von mehr als 10 Milliarden US-Dollar aus und war damit erneut der größte Automobilexporteur nach Wert in den Vereinigten Staaten", teilte der bayerische Konzern auf PULS 24 Anfrage mit.
Ein Großteil dieser Autos hat auch ein "Herzstück" aus Österreich: Benzin- und Dieselmotoren aus dem Motorenwerk im oberösterreichischen Steyr. Auf die werden künftig bei der Einfuhr in die USA höhere Zölle fällig.
Im Falle von EU-Gegenmaßnahmen könnte das gleich einen doppelten Zoll-Effekt haben. Denn aus den USA gehen auch deutsche Autos zurück nach Europa.
Teurere Autos in Österreich?
Mehr als 90.000 dieser Fahrzeuge gingen dann Berichten zufolge von den USA zurück in die EU. Schon jetzt fallen darauf Zölle in Höhe von 10 Prozent an.
Wenn diese als Gegenmaßnahme steigen, könnte das also auch für österreichische Kund:innen bedeuten, dass die Autos teurer werden, wenn BMW die Zölle nicht selbst schluckt. BMW-CEO Oliver Zipse setzte sich schon in der Vergangenheit für niedrigere Einfuhrzölle aus den USA ein.
"Beide Seiten sollten daher zeitnah einen transatlantischen Deal finden, der Wachstum hervorbringt und eine Spirale der Abschottung und Handelsbarrieren verhindert", teilte BMW am Donnerstag gegenüber PULS 24 mit.
Dramatische Folgen in Nordamerika
Noch enger ist die Autoindustrie in Nordamerika zusammengewachsen. Die neuen Zölle gelten neben der EU unter anderem auch für Kanada und Mexiko – trotz eines von Donald Trump selbst ausgehandelten Freihandelsabkommens. Für die beiden Nachbarländer werden die wirtschaftlichen Folgen gravierend.
Das Kiel Institut für Weltwirtschaft rechnet damit, dass das BIP von Mexiko um 1,81 Prozent sinkt, das von Kanada um 0,6 Prozent. Die Folgen für Deutschland werden mit einem Minus von 0,18 Prozent noch recht milde eingeschätzt. In diese Berechnungen sind allerdings noch keine drohenden Gegenzölle eingerechnet.
Doch die Zölle könnten für die USA auch ein Schuss ins eigene Knie sein. In den USA könnte die Inflation um einen Prozentpunkt steigen.
"Die heute verhängten Zölle werden die Produktion und den Verkauf von Autos in die USA verteuern, was letztlich zu höheren Preisen, weniger Optionen für die Verbraucher und weniger Arbeitsplätzen in der US-Fertigung führen wird", so Jennifer Safavian, Chefin von "Autos Drive American", ein Lobbyverband für ausländische Produzenten in den USA.
EU reagiert zurückhaltend
In einer ersten Reaktion in der Nacht sprach EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihr tiefes Bedauern über den Schritt aus. Zölle seien Steuern – und damit "schlecht für die Unternehmen, schlechter für die Verbraucher in den USA und in der Europäischen Union gleichermaßen".
Die EU werde in den kommenden Tagen den Schritt zusammen mit anderen geplanten Maßnahmen prüfen. Man bemühe sich aber weiter um Gespräche. In den vergangenen Wochen schien die US-Regierung aber keinerlei Bereitschaft zu signalisieren, auch wirklich auf Augenhöhe sprechen zu wollen.
Zusammenfassung
- Donald Trump und sein gefährliches Spiel mit Zöllen ist um ein Kapitel reicher: Nun sind Autos und Autoteile dran.
- Darunter fallen Exporte aus Österreich in Milliardenhöhe.
- Die Folgen könnten sogar österreichische Autokäufer:innen zu spüren bekommen.