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Ärzte-Initiative fordert mehr Vorsicht bei Corona

12. Sept. 2023 · Lesedauer 3 min

Die Ärztekammer hat sich zu einer Ärzte-Initiative, die in einem Offenen Brief an die Wiener Kammer wegen des Fehlens jeglicher Corona-Schutzmaßnahmen vor Folgeschäden für Patienten gewarnt hatte, zurückhaltend gezeigt. "Zu diesem Thema werde ich jetzt nichts sagen, dazu gibt es Berufenere", meinte Ärztekammer-Vizepräsident Harald Mayer am Dienstag. Die Initiative fordert u.a. präventive Maßnahmen, Fortbildung der Ärzte zu Long-Covid und bessere Aufklärung der Bevölkerung.

In dem von 15 Ärztinnen und Ärzten unterzeichneten Offenen Brief (https://go.apa.at/Tqc9JC7t) wird darauf hingewiesen, dass Patienten und Patientinnen - darunter auch vulnerable Personen - aufgrund des Fehlens jeglicher offizieller Schutzmaßnahmen dem Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 "ungehindert" ausgesetzt seien - sowohl im niedergelassenen Bereich als auch in Spitälern. "COVID-19 ist weder vorbei, noch ist es eine harmlose Infektion ohne Folgen", heißt es in dem von der Ärztin Dr. Golda Schlaff initiierten Schreiben, das von mehreren Spezialisten unterzeichnet wurde - u.a. dem Leiter der Neuro-Covid Ambulanz des Evangelischen Krankenhaus in Wien, Udo Zifko, der Vorstand der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie der Klinik Floridsdorf, Arschang Valipour oder Long-Covid-Expertin Kathryn Hoffmann von der MedUni Wien.

Gefordert wird eine "Aufklärung der Allgemeinbevölkerung" vor allem auch hinsichtlich der potenziellen Langzeitschäden einer Covid-Infektion. Der Umgang mit der Pandemie und das Management dieser Gesundheitskrise sei "absolut erschreckend". "Wir können eine ständige, unmitigierte Durchseuchung der Bevölkerung mit einem Gefäß-schädigenden, neurotropen Virus, wie SARS-CoV-2, bei dem eine frühere Infektion nicht längerfristig vor einer weiteren Infektion schützt, nicht verantworten", so die Unterzeichner.

Man sehe bereits jetzt, dass den Menschen durch Infektionen und Reinfektionen gesunde Lebensjahre verloren gehen. Auch sei die Übersterblichkeit anhaltend zu hoch. Alleine in Europa seien 36 Millionen Menschen als Folge einer Covid-Infektion chronisch krank geworden. "COVID-19 ist kein Schnupfen. Es ist kein grippaler Infekt. Es ist eine systemische, Gefäß-schädigende Erkrankung, die sich lediglich über den respiratorischen Weg, über Aerosole, ausbreitet."

Vorgeschlagen wird auch eine verpflichtende Fortbildung der Ärzteschaft zum Thema Long-/Post-Covid und zur systemischen Wirkung von SARS-CoV2 auf den Organismus. Die Ärzteschaft solle auch eine "vorbildhafte Funktion" einnehmen und Maßnahmen zum Schutz aller Menschen setzen, etwa den Einsatz von CO2-Messgeräten in Innenräumen, gute Ventilation, Luftreinigung mit HEPA-Filtern, FFP2-Masken sowie Testungen und Isolation bei Symptomen. Auch sollte COVID-19 wieder als meldepflichtige Erkrankung gelten, so die Unterzeichner.

Ärztekammer-Vizepräsident Mayer zeigte sich am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz zu dem an die Wiener Ärztekammer adressierten Offenen Brief zurückhaltend. Man werde das Thema als Standesvertreter im Herbst verfolgen, aber jetzt keinen Standpunkt abgeben, sagte er.

Zusammenfassung
  • Die Ärztekammer hat sich zu einer Ärzte-Initiative, die in einem Offenen Brief an die Wiener Kammer wegen des Fehlens jeglicher Corona-Schutzmaßnahmen vor Folgeschäden für Patienten gewarnt hatte, zurückhaltend gezeigt.
  • "Zu diesem Thema werde ich jetzt nichts sagen, dazu gibt es Berufenere", meinte Ärztekammer-Vizepräsident Harald Mayer am Dienstag.
  • Auch sollte COVID-19 wieder als meldepflichtige Erkrankung gelten, so die Unterzeichner.