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Finanzielle Nöte für LIVA durch Brucknerhaus-Affäre

Heute, 12:15 · Lesedauer 4 min

Die Affäre um das Brucknerhaus hat die Linzer Veranstaltungsgesellschaft (LIVA), zu der das Konzerthaus gehört, auch in finanzielle Nöte gebracht. Ein Kassensturz für das Geschäftsjahr 2024 prognostiziert einen Abgang von 1,68 Millionen Euro, so deren Aufsichtsratsvorsitzender Meinhard Lukas. Erstmals weise die LIVA ein negatives Eigenkapital von 310.000 Euro aus. Um die "Bestandsgefährdung" abzuwenden, brauche es von der Stadt einen Sonderzuschuss von 1,5 Millionen Euro.

"Erhebliche Defizite in den Strukturen und Prozessen des Personal- und Finanzwesens" seien beim Kassensturz zutage gekommen, schlug Lukas Alarm. Um einen "wirklichen Umschwung" zu schaffen, brauche es sowohl den finanziellen Zuschuss als auch externe Berater. Zugleich gehe es aber auch "um die Haltung jedes Einzelnen und die Unternehmenskultur", meinte er. Vorwürfe von Compliance-Verstößen hatten im Vorjahr erst zur Entlassung des künstlerischen Geschäftsführers Dietmar Kerschbaum geführt, dann trat auch Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) zurück. In weiterer Folge trennte sich die LIVA einvernehmlich vom kaufmännischen Geschäftsführer Rene Esterbauer. Derzeit wird ein neues Führungsduo gesucht, im April sollen die Hearings sein. Um den Geschäftsführern "Stabilität" gewährleisten zu können, wollte Lukas wissen "welche finanziellen Kollateralschäden das Jahr 2024 hinterlassen hat". Und diese sind nicht unerheblich, wie Lukas Kassensturz zeigte, der am Freitag dem Prüfungsausschuss, LIVA-Aufsichtsrat und Generalversammlung präsentiert wurde.

Der ermittelte Abgang von 1,68 Millionen Euro entstand durch 425.000 Euro nicht geplanten Rechtsberatungsaufwand durch Kerschbaums Freistellung im März. Seitdem seien zwei Kanzleien mit jeweils zwei Rechtsanwälten mit Aufklärung beschäftigt gewesen, was bis zur Entlassung im Juli gedauert habe. Die hohen Kosten bewertet Lukas kritisch, zumal "die Aufklärungsrichtung nicht hinreichend konkretisiert" gewesen war. Zum Posten der Rechtsberatung gehören noch jene Kosten vom November und Dezember für den (noch anfallenden) Arbeitsrechtsprozess, denn Kerschbaum hat gegen seine Entlassung den Klagsweg beschritten.

Grundsätzlich stellte der Aufsichtsratsvorsitzende fest, dass in der LIVA das Kostenmonitoring und -controlling "ein Thema" sei. So überschritt die Klangwolke das Budget um 200.000 Euro, was aber "viel zu spät festgestellt" worden sei und mit zum Abgang beitrug.

Bilanzierung von Überstunden fragwürdig

Der größte Brocken kommt aber von den gestiegenen Personalkosten gegenüber dem Wirtschaftsplan von 1,02 Millionen Euro. Wesentlicher Grund sei laut Lukas eine "fragwürdige Bilanzierung von Überstunden" der vergangenen Jahre bei der LIVA gewesen. Seit 2018 seien Zeitguthaben von den 130 Beschäftigten nur im beschränkten Umfang im Jahresabschluss berücksichtigt worden. Auch wenn ein Mitarbeiter mehr als 100 Überstunden hatte - was oft vorkam, zumal in den LIVA-Häusern keine Gleitzeit existiert - wurden für ihn lediglich Rückstellungen für 100 Stunden gebildet. Das führte dazu, dass 2023 nur für insgesamt 7.490 Überstunden Rücklagen von 190.000 Euro vorhanden waren, der Bedarf aber mehr als 600.000 Euro ausmachte, da tatsächlich über 18.000 Überstunden angefallen waren. Damit schlug in der Bilanz für das Budget für 2024 (28 Millionen Euro) eine Altlast aus dem vorangegangenen Jahr von 400.000 Euro auf. Im Laufe des Jahres 2024 wurden dann nicht rückgestellte Zeitguthaben von 200.000 Euro ausbezahlt.

Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) als Eigentümervertreter der LIVA betonte, dass nicht die geleisteten Überstunden in Frage gestellt werden, hinter den Zeitguthaben stünde "viel Arbeit in der Nacht und an Wochenenden", allerdings forderte er ebenso wie Lukas, dass das Management künftig "viel besser auf die Entwicklung der Personalkosten" zu achten habe. Prammer stellte jedenfalls den außerordentlichen Zuschuss bei einem Neustart der LIVA in Aussicht, er sei mit den anderen Parteien im Gespräch. Die 1,5 Millionen Euro Sonderfinanzierung muss im Gemeinderat abgesegnet werden.

Mehrheit zeichnet sich ab

Eine Mehrheit für den Sonderzuschuss dürfte sich finden. Der freiheitliche Stadtrat Michael Raml kündigte die Zustimmung seiner Fraktion an. "Es muss aber das letzte Mal sein, dass die Steuerzahler ungeplante Zuschüsse in Millionenhöhe leisten müssen, weil in der städtischen Kulturpolitik genehmigte Budgets offensichtlich nicht ernst genommen werden." Auch für die Grüne Gemeinderätin Ursula Roschger ist klar, "dass wir die LIVA unterstützen müssen und nicht zulassen können, dass der Fortbestand des Unternehmens gefährdet ist". Aber es müssten "so rasch wie möglich die richtigen Lehren für die Zukunft gezogen werden".

Die ÖVP werde dem Zuschuss nur zustimmen, "wenn man sich endlich zu einer völligen Transparenz entschließt und alle Fakten auf den Tisch kommen", vor allem was die Beratungs- und Rechtsanwaltskosten betreffe, stellte die ÖVP-Klubobfrau im Gemeinderat Michaela Sommer klar, die sich fragt, "wie viele Leichen eigentlich noch im Brucknerhauskeller liegen".

Zusammenfassung
  • Die Linzer Veranstaltungsgesellschaft LIVA steht wegen der Brucknerhaus-Affäre vor finanziellen Herausforderungen, mit einem prognostizierten Abgang von 1,68 Millionen Euro für 2024.
  • Erstmals weist die LIVA ein negatives Eigenkapital von 310.000 Euro auf, was einen Sonderzuschuss der Stadt von 1,5 Millionen Euro erforderlich macht.
  • Erhebliche Defizite in den Personal- und Finanzstrukturen wurden festgestellt, während hohe Rechtsberatungskosten von 425.000 Euro durch die Entlassung des künstlerischen Geschäftsführers entstanden.
  • Die Personalkosten stiegen um 1,02 Millionen Euro, hauptsächlich durch eine fragwürdige Bilanzierung von Überstunden, die seit 2018 nicht korrekt berücksichtigt wurden.
  • Eine Mehrheit im Gemeinderat scheint sich für den Sonderzuschuss abzuzeichnen, um den Fortbestand der LIVA zu sichern.