Shen YunAPA/AFP/Dimitar DILKOFF

Tourstopp in Österreich: Vorwürfe gegen Tanzgruppe Shen Yun

25. Jan. 2025 · Lesedauer 4 min

Die chinesische Tanzgruppe Shen Yun macht aktuell in Wien Halt, im März gastiert sie in Salzburg. Doch es gibt schwere Vorwürfe gegen die Truppe, die mit hauptsächlich Minderjährigen um die Welt tourt - und gegen die religiöse Gruppierung, die dahinter steckt.

Sie hängen an Öffi-Haltestellen, Schaufenstern, werden im Kleinformat in der Stadt verteilt: die Plakate der chinesischen Tanzgruppe Shen Yun. Eine Tänzerin in buntem Kostüm in hellblau, pink und grellorange macht einen Sprung samt Spagat, verrenkt ihren Rücken bis zum gestreckten Bein nach hinten. Ähnliche Bilder prangten bereits in Städten rund um die Welt, seit zwei Jahrzehnten ist Shen Yun unterwegs.

"Experience China before communism" lautet das Werbeversprechen - man will demnach "China vor dem Kommunismus" auf die Bühne bringen. 

Derzeit gastiert die Truppe in der Wiener Stadthalle, noch bis Sonntag sind sie dort zu sehen. Im März machen die Tänzer:innen dann im Großen Festspielhaus in Salzburg Halt. Doch es gibt schwere Vorwürfe rund um Shen Yun - sowie gegen die religiöse Gruppierung Falun Gong, die dahinter steht.

In ausführlichen Recherchen legt die "New York Times" dar, wie die jungen Performer:innen von Shen Yun mutmaßlich systematisch ausgebeutet werden und Falun Gong Geld in die bereits prall gefüllten Kassen spielen. In den USA soll demnach bereits Klage eingereicht worden sein.

Für eine ganze Serie an Artikeln durchforstete die "New York Times" Tausende Steuer - und Gerichtsunterlagen, zahlreiche weitere Dokumente und interviewte mehr als 150 Personen. Shen Yun selbst weist die Vorwürfe zurück.

Unbehandelte Verletzungen, Ausbeutung von Minderjährigen

Im Vorjahr schrieb die "Times", viele der hauptsächlich minderjährigen Shen-Yun-Tänzer:innen würden in einer "Atmosphäre der Angst" leben. Abgesehen von einer zermürbenden Anzahl an Arbeitsstunden für wenig Geld, sollten sie laut dem Bericht etwa bei Verletzungen auf ärztliche Hilfe verzichten. Ausgerenkte Kniescheiben, verstauchte Knöchel und anderes würde unbehandelt bleiben. Shen Yun dementiert dies.

Derweil ermittelt die Abteilung für Arbeitsangelegenheiten des Staates New York wegen mutmaßlicher Verstöße gegen erlaubte Arbeitszeiten, verpflichtende Ruhezeiten und Vorgaben für die Ausbildung der Minderjährigen. Vertreter von Shen Yun erklärten dazu, die Arbeitsgesetze hätten in ihrem Fall nicht gegolten, da die Kinder nicht als Angestellte, sondern als Schüler:innen unterwegs seien. Ihnen würde die Möglichkeit zum Lernen geboten. 

Die Liste der Vorwürfe geht jedoch noch weiter. Laut der "New York Times" hätten Manager unter den Tänzer:innen verbreitet, dass jeder Fehler auf der Bühne das Publikum zur Hölle verdammen würde. Wer aussteigen wollte, hätte mit Drohungen und Einschüchterungen rechnen müssen. Den Minderjährigen sei erzählt worden, sie seien ohne den Schutz ihres Gruppen-Führers Li in Gefahr.

Ein ehemaliger Tänzer hat im Vorjahr geklagt und wirft der Gruppe gar Zwangsarbeit und Menschenhandel vor. Shen Yun sieht darin eine vom chinesischen Regime orchestrierte Aktion.

Was steckt hinter Falun Gong?

Expert:innen bezeichnen Falun Gong als "sektenähnlich". In den USA soll die Gruppierung konservative, anti-kommunistische Werte bis hin zu Verschwörungstheorien propagieren. Mit der "Epoch Times" kaufte man unter anderem eine eigene Zeitung für entsprechende Berichterstattung, zudem erschienen mehr als 17.000 Artikel zur Promotion von Shen Yun. 

In China gewann Falun Gong Mitte der 90er-Jahre zu stark an Macht, 1999 wurde die Bewegung schließlich verboten. Der Einfluss der Gruppe war der chinesischen Regierung zu groß geworden. Anhänger:innen wurden interniert, viele von ihnen starben. Gründer Li Hongzhi wanderte in die USA aus, heute befindet sich der Sitz von Falun Gong in New York.

Falun Gong hat weltweit mittlerweile Millionen Anhänger:innen und macht Umsätze in Millionenhöhe. Dazu trägt auch die von der Bewegung unterstützte Tanzgruppe bei, die seit mittlerweile zwei Jahrzehnten um die Welt tourt. Die Ticketverkäufe allein generieren laut "New York Times" Dutzende Millionen Dollar, das Gesamtvermögen belaufe sich auf 266 Millionen Dollar. 

Aus der einst verfolgten Gruppe entwickelte sich ein Unternehmen, das selbst mit schweren Vorwürfen konfrontiert ist. Der lokale Veranstalter von Shen Yun in Österreich erklärt in einer Reaktion auf die Berichterstattung von PULS 24 derweil, das kommunistische Regime Chinas habe die Verfolgung von Falun Gong im Ausland zuletzt "intensiviert" und ortet eine "Kampagne".

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Zusammenfassung
  • Die chinesische Tanzgruppe Shen Yun macht aktuell in Wien Halt, im März gastiert sie in Salzburg.
  • Doch es gibt schwere Vorwürfe gegen die Truppe, die mit hauptsächlich Minderjährigen um die Welt tourt - und gegen die religiöse Gruppierung, die dahinter steckt.