Arzt MedizinAPA/AFP

Urteil empört

Keine Strafe für Gynäkologie-Student, der Frau vergewaltigte

03. Apr. 2025 · Lesedauer 4 min

In der belgischen Stadt Löwen wurde ein Medizin-Student wegen der Vergewaltigung einer Frau schuldig gesprochen. Strafe kassierte er dafür aber keine, damit er auch in Zukunft Arbeit finden könne. Denn der 24-Jährige sei "jung" und "talentiert", so der Richter.

Der 24-jährige Gynäkologie-Student wurde schuldig gesprochen, eine Kommilitonin im November 2023 vergewaltigt zu haben. Die junge Frau ging damals mit Freundinnen zu einer Halloween-Party.

In einer Bar sei sie plötzlich benommen geworden, berichtete das Nachrichtenportal "VRT". "Sie stolperte und war nicht in der Lage, auf eigenen Beinen zu stehen, brauchte Unterstützung, um nicht umzufallen", erklärte ihr Anwalt vor Gericht. Ob sie unter Drogeneinfluss stand, sei unklar.

In diesem Zustand habe sie den 24-Jährigen kennengelernt. Er behauptete vor Gericht, dass sie ihn zuerst angesprochen und nach der Adresse eines Geschäfts gefragt habe. Er habe angeboten, sie zu dem Shop zu begleiten. Sie seien jedoch zu seiner Wohnung gegangen und hätten dort Sex gehabt.

Betrunkener Zustand ausgenutzt

Laut dem Studenten war der Sex einvernehmlich, er hätte sie mehrmals gefragt, ob sie einverstanden sei. Sie habe ihm vermittelt, dass sie dem Sex zustimmte.

Die Staatsanwaltschaft war davon nicht überzeugt. Laut ihr hat der Student den betrunkenen Zustand der Frau ausgenutzt: "Er behauptete, er habe die Studentin beschützt, indem er sie mitnahm, dann aber sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen".

Vergewaltigung, aber keine Strafe

Beantragt wurde von der Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von drei Jahren auf Bewährung. Die Verteidigung plädierte auf keine Strafe, der junge Mann hätte sonst Schwierigkeiten, eine Arbeit zu finden.

Schließlich wurde der Student zwar wegen Vergewaltigung für schuldig befunden, doch er bekam weder eine Haft- noch eine Geldstrafe. Auch muss er keine Bewährungsauflagen einhalten.

"Es ist unbestreitbar, dass er die Grenze des Erlaubten überschritten hat. Der Mann hat die physischen, psychischen und sexuellen Grenzen des Opfers nicht respektiert", sagte der Richter.

"Allerdings ist er noch jung und nicht vorbestraft. Außerdem ist er sowohl in seinem beruflichen als auch in seinem privaten Leben ein talentierter und engagierter Mensch. Indem wir ihn für schuldig befinden, aber nicht bestrafen, wird er sich schuldig fühlen, und es wird verhindert, dass er wieder straffällig wird, ohne dass der Mann sozial beeinträchtigt wird", erklärte er sein Urteil.

Die Verurteilung wird daher nicht im Strafregister des 24-Jährigen erscheinen. Sollte er jedoch erneut straffällig werden, werde er sowohl für diese Vergewaltigung als auch für die neue Straftat verurteilt, so "VRT".

Empörung in sozialen Medien

Seit Bekanntwerden des Falles Anfang der Woche ist die Empörung in den sozialen Medien, allen voran TikTok und Instagram, groß. Unter einem Video der Jugendorganisation der europäischen Grünen ("Young European Greens") heißt es etwa: "Die potenzielle Zukunft eines Mannes ist wichtiger als das jetzige Leben einer Frau."

Ein anderer User schreibt: "Ihm sollte verboten werden, jemals im Gesundheitswesen zu arbeiten, insbesondere mit Frauen."

Das Universitätskrankenhaus Löwen (UZ Löwen) hat den Studenten mittlerweile suspendiert, teilte es in einer gemeinsamen Aussendung mit der Universität Löwen (KU Löwen) mit. Sie hätten erst aus der Presse von dem Urteil erfahren.

Chefarzt Gert Van Assche sagte: "Unsere Gedanken sind in erster Linie bei dem Opfer. Gemeinsam mit der KU Löwen werden wir uns mit dem Gerichtsurteil befassen und prüfen, wie es weitergehen soll. In der Zwischenzeit ist der betreffende Arzt vorsorglich vom Dienst im Krankenhaus suspendiert worden."
 

Video: Jugendliche vergewaltigt

Zusammenfassung
  • In der belgischen Stadt Löwen wurde ein Medizin-Student wegen der Vergewaltigung einer Frau schuldig gesprochen.
  • Strafe kassierte er dafür keine, damit er auch in Zukunft Arbeit finden könne.
  • Denn der 24-Jährige sei "jung" und "talentiert", so der Richter.