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Fachärzte für Screening zur Früherkennung von Lungenkrebs

Lungenfachärzte haben am Mittwoch ein Früherkennungsprogramm wie bei Brustkrebs auch für Lungenkrebs angeregt. "Lungenkrebs ist aufgrund des enormen Wissenszuwachses der letzten Jahre heute sehr gut behandelbar", erläuterte Bernd Lamprecht, Präsident der Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). "Die Krux ist, dass er aufgrund der fehlenden Frühsymptomatik meist erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird." Dann seien die Behandlungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt.

"Durch den Einsatz eines wohldurchdachten Lungenkrebs-Früherkennungsprogramms kann der Diagnosezeitpunkt deutlich nach vorne verlagert werden. Dadurch können wir wesentlich früher therapeutisch intervenieren und die Sterblichkeit bei Risikogruppen senken", sagte Lamprecht laut Aussendung bei einer Pressekonferenz in Wien. Im Zuge eines Lungenkrebs-Screenings könnten auch andere ernste, noch symptomlose Lungenerkrankungen als Nebenbefunde identifiziert werden, erläuterte er.

Eine Lungenkrebsfrüherkennung mittels regelmäßig durchgeführter Low-Dose-Computertomographie-Untersuchungen samt begleitenden Programmen zur Raucherentwöhnung sei von großer Bedeutung, ergänzte ÖGP-Generalsekretärin Judith Löffler-Ragg. "Wir haben im Bereich Rauchen leider ein breit akzeptiertes Plateau erreicht, das seit Jahren unverändert ist: In Österreich rauchen 20 Prozent der Bevölkerung, womit wir im europäischen Vergleich sehr schlecht abschneiden."

Daten untermauern, dass Raucherinnen und Raucher im medianen Alter von 39 Jahren, die in etwa über 16 Jahre eine Packung pro Tag geraucht haben und noch eine normale Lungenfunktion zeigen, in der Computertomographie bereits Veränderungen aufweisen, die einen Verlust der Lungenfunktion in den Folgejahren voraussagen. Gar nicht erst mit dem Rauchen anfangen ist fraglos die beste Option, dennoch zahlt sich ein Rauchstopp immer und in jedem Alter aus, betonte Löffler-Ragg.

Von Donnerstag bis Samstag findet in der Wiener Hofburg die Jahrestagung der ÖGP unter dem Motto "Lunge im Wandel" statt. Ein Aspekt ist der demografische Wandel. "Aufgrund der veränderten Altersstruktur - der Anteil älterer Menschen in unserer Bevölkerung steigt ständig - erleben wir einen deutlichen Zuwachs an altersassoziierten Lungenerkrankungen. So leidet bereits jeder zehnte Erwachsene in Österreich an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD", berichtete Lamprecht.

Auch der Klimawandel bleibe nicht ohne Auswirkungen auf die Lungengesundheit. Extrem hohe Temperaturen und lange Hitzeperioden setzten Menschen mit Lungenerkrankungen besonders stark zu. Weiters führen lange Warmwetterphasen zu verlängerten Vegetationsperioden, wodurch die Pollensaison länger dauert. Dazu siedeln sich nicht-heimische, mitunter hochallergene Pflanzen bei uns an - ebenfalls eine zunehmende Belastung für Menschen mit Allergien und Asthma. "Zurzeit leiden rund sechs Prozent der Bevölkerung an Asthma. Diese Zahl wird ansteigen und auch ein vermehrtes Auftreten von schwerem Asthma ist zu erwarten", betonte Lamprecht.

Neben dem Nichtrauchen und ausreichend Bewegung empfiehlt die ÖGP Impfungen gegen Infekte, die die Lunge belasten, wie gegen Covid-19, Grippe, Keuchhusten, Pneumokokken, RSV und Hämophilus influenzae. Außerdem müssten die Luftqualität verbessert und Maßnahmen gegen den Klimawandel gesetzt werden, so die Forderungen.

(S E R V I C E - 48. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie: www.ogp-kongress.at)

ribbon Zusammenfassung
  • Lungenfachärzte fordern ein Früherkennungsprogramm für Lungenkrebs, um die Diagnosezeit nach vorne zu verlagern und die Sterblichkeit zu senken.
  • In Österreich rauchen 20 Prozent der Bevölkerung, und frühe Veränderungen in der Lungenfunktion können bereits bei jungen Rauchern festgestellt werden.
  • Die ÖGP-Jahrestagung thematisiert den demografischen Wandel, altersassoziierte Lungenerkrankungen und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Lungengesundheit.