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China weitete Manöver vor Taiwan aus

02. Apr. 2025 · Lesedauer 4 min

China hat sein Militärmanöver vor Taiwan ausgeweitet. Am zweiten Tag seien im Ostchinesischen Meer Präzisionsschläge auf Hafen- und Energieanlagen sowie Blockaden geübt worden, teilte das Militär am Mittwoch mit. Die gewünschten Ergebnisse im Rahmen der Übung "Strait Thunder-2025A" seien erzielt worden, hieß es, ehe die Übung beendet wurde. China hatte sie am Dienstag gestartet. Bei der Ankündigung bezeichnete die Volksrepublik Taiwans Präsident Lai Ching Te als Parasit.

Das chinesische Militär veröffentlichte ein Video, das die Schießübungen zeigen soll. Dort sollen Raketenübungen mit scharfer Munition zu sehen sein. Die Flugzeugträger-Einsatzgruppe Shandong habe Angriffe auf Boden- und Seeziele östlich von Taiwan simuliert, teilte das Militär weiter mit. Zu den Übungen habe auch die Koordination von Schiffen und Flugzeugen sowie die Erlangung der Lufthoheit in einem Gebiet gehört. Laut Chinas Ost-Kommando-Oberst Shi Yi trainierten auch Bodentruppen am Festland das Schießen über weite Distanzen auf simulierte Ziele im Ostchinesischen Meer.

Internationale Kritik

Die chinesische Zeitung "Global Times", die vom Zentralorgan der Kommunistischen Partei Chinas herausgegeben wird, berichtete, dass hochmoderne Ausrüstung eingesetzt worden sei. Taiwans Außenamt sowie Präsident Lai verurteilten das Manöver.

Die USA, Taiwans wichtigster Unterstützer und Waffenlieferant, verurteilten die chinesischen Manöver. "Chinas aggressive militärische Aktivitäten und Rhetorik gegenüber Taiwan verschärfen einmal mehr die Spannungen und gefährden die Sicherheit in der Region", erklärte das US-Außenministerium. Auch Japan und die Europäische Union äußerten sich besorgt. "Die EU hat ein direktes Interesse an der Wahrung des Status quo in der Taiwanstraße. Wir lehnen alle einseitige Aktionen ab, die den Status quo mit Gewalt oder Zwang verändern", sagte ein EU-Sprecher.

China hat in den vergangenen Jahren seinen militärischen Druck auf das demokratisch regierte und industriell weit entwickelte Taiwan verstärkt. Auch nach dem Amtsantritt von Präsident Lai hielt China ein groß angelegtes Manöver ab. Lai weist Pekings Ansprüche auf Taiwan zurück. Das taiwanesische Volk könne selbst über seine Zukunft entscheiden. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und strebt eine Wiedervereinigung an. Taiwan wird nur von wenigen, kleinen Ländern als unabhängig anerkannt, weil sie unter dem Diktat von Pekings Ein-China-Politik die Volksrepublik nicht anerkennen könnten und keine normalen Beziehungen zu ihr haben könnten.

Martialische Namensgebung

Anders als am Vortag gab die chinesische Armee der Übung am Mittwoch einen Namen und betitelte den Einsatz in Anlehnung an die Meerenge Taiwanstraße (Taiwan Strait) "Strait Thunder-2025A". Das A in der Namensgebung dürfte signalisieren, dass in diesem Jahr eine weitere Übung folgt. Im vergangenen Jahr trainierte die Volksbefreiungsarmee im Mai unter dem Titel "Gemeinsames Schwert-2024A" um Taiwan und lancierte später im Oktober die Übung "Gemeinsames Schwert-2024B".

Am Dienstag hatte Peking bereits mitgeteilt, dass Luftwaffe, Marine und die Raketen-Einheit rund um Taiwan zu üben begonnen hätten. Taiwans Verteidigungsministerium entdeckte am Mittwoch bis zum Nachmittag (Ortszeit) mindestens 36 chinesische Militärflugzeuge sowie 21 Kriegsschiffe - darunter den Flugzeugträger "Shangdong" - und zehn Schiffe der Küstenwache vor seinen Inseln.

Peking hielt sein überraschendes Manöver nur wenige Tage vor Taiwans geplanter Übung vom 5. bis 18. April ab. Dabei will das taiwanesische Militär Szenarien simulieren, die eine mögliche Eskalation von Übungen Chinas bis hin zu einer tatsächlichen Invasion Taiwans beinhalten.

Seit Jahrzehnten im Konflikt

In Taipeh regiert seit 2016 die Demokratische Fortschrittspartei, die Peking als Separatisten betrachtet, weil eine Unabhängigkeit Taiwans Teil ihres Programms ist. Der seit knapp einem Jahr amtierende Präsident Lai erklärte, eine formale Unabhängigkeit nicht erklären zu wollen, weil der Inselstaat schon ein unabhängiges Land sei.

Die Übung nun dient nach Angaben Pekings als Warnung und Abschreckung der "Unabhängigkeitskräfte Taiwans", wie Außenamtssprecher Guo Jiakun am Vortag gesagt hatte.

Seit der Spaltung zwischen China und Taiwan im Jahr 1949 betrachtet Peking die Insel als abtrünniges Gebiet, das es wieder mit dem Festland vereinigen will - notfalls mit militärischer Gewalt. Auf dem chinesischen Festland hatten die Kommunisten 1949 im Bürgerkrieg die Macht übernommen, während sich auf Taiwan damals die vorherige, chinesische Regierung hielt.

Anfang dieses Jahres tauchten Berichte über neuartige chinesische Schiffe auf, die für eine Anlandung in Taiwan dienen könnten. Wie die "New York Times" berichtete, hätten diese ausfahrbare Stelzen, die sich in den Meeresboden stemmen. Hintereinander positioniert und über Brücke verbunden könnte sie eine Verbindung vom tieferen Wasser bis an die Küste bilden. Dem Bericht zufolge wurden die Schiffe bereits in Südchina erprobt.

Zusammenfassung
  • China hat sein Militärmanöver vor Taiwan ausgeweitet und im Ostchinesischen Meer Präzisionsschläge sowie Blockaden geübt.
  • Die Übung 'Strait Thunder-2025A' wurde am zweiten Tag erfolgreich abgeschlossen und beinhaltete Raketenübungen mit scharfer Munition.
  • Internationale Kritik kam von den USA, Japan und der EU, die die Manöver als gefährlich für die regionale Sicherheit betrachten.
  • Taiwan verurteilte die Manöver und betonte das Recht auf Selbstbestimmung, während China die Übungen als Warnung an Unabhängigkeitskräfte sieht.
  • China setzte hochmoderne Ausrüstung ein und simulierte Angriffe auf Boden- und Seeziele, während Taiwan 36 Militärflugzeuge und 21 Kriegsschiffe beobachtete.