Asylzahlen gingen im ersten Halbjahr deutlich zurück
Aufgriffe gab es im ersten Halbjahr 8.470. Das ist ein Minus von 63 Prozent. Besonders stark ist der Rückgang im Burgenland, wo nur noch 303 Personen aufgegriffen wurden. In welchem Bundesland jetzt quasi der Hotspot ist, wurde nicht beantwortet. Es gebe aber praktisch überall Rückgänge.
Gesamt wurden von Jänner bis Juni genau 13.479 Asylanträge abgegeben. Das sind 42 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2023. Vor zwei Jahren waren in den ersten sechs Monaten noch rund 44.000 Ansuchen gestellt worden.
Historisch gesehen besonders niedrig sind die Zahlen jedoch nicht. So waren etwa im Vor-Corona-Jahr 2019 im gesamten Jahr nur knapp 12.900 Anträge gestellt worden, also rund 600 weniger als heuer in den ersten sechs Monaten. Dennoch bilanziert man im Innenministerium zufrieden. Die Kontrolldichte zeige Wirkung, die Schlepperrouten umgingen Österreich weiträumig, betonte Bundespolizeidirektor Michael Takacs.
Auf den starken Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, pochte auch Karner. In ganz Europa seien die Zahlen nur um zwei Prozent rückläufig. Die stellvertretende Leiterin des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl Karoline Preißer verwies darauf, dass Staaten wie Griechenland und Italien sogar starke Zuwächse hätten. Karner sieht freilich die eigenen Vorstellungen noch nicht erreicht: "Ziel muss sein, illegale Migration in Richtung null zu stellen."
Was die Zahlen 2024 hoch gehalten hat, ist die Familienzusammenführung. Die kann man schon gut am Anteil der minderjährigen und weiblichen Asylwerber ablesen. Knapp 54 Prozent der Ansuchen (53,7) kamen von Personen unter 18, die größte Altersgruppe ist jene der 0-7-Jährigen. 2023 war nur ein Drittel der Antragssteller minderjährig, 2022 waren es überhaupt nur knapp 21 Prozent.
Nicht anders stellt sich das Bild bei der Zahl der Asylwerberinnen dar. Ihr Anteil betrug heuer 46 Prozent. Vor zwei Jahren waren es gerade einmal neun Prozent, 2023 dann 24 Prozent.
Allerdings hat sich der Trend im Lauf des Jahres abgeschwächt. Kamen im Jänner noch fast 2.200 Anträge unter dem Titel Familiennachzug, waren es im Juni nur noch 414. Preißer erwartet, dass diese Zahlen weiter zurück gehen werden. 1.123 Anträge wurden ja noch einmal zurückgeholt und ein weiteres Mal überprüft.
Was die Herkunftsländer angeht, sind Syrer mit gut 8.400 Anträgen mittlerweile klar an der Spitze. Zweitstärkste Gruppe sind Afghanen mit knapp 1.400.
Im Jahr 2024 wurden bisher 14.772 Aufenthaltstitel für Flüchtlinge erteilt. 9.931 davon waren Asyl-Gewährungen. Der Rest verteilt sich auf subsidiären Schutz und humanitäre Aufenthaltstitel. Gute Chancen auf Asyl haben vor allem Personen aus dem Iran, Syrien und Afghanistan sowie Staatenlose.
Wenig begeistert von der Asylbilanz zeigten sich Freiheitliche und burgenländische Sozialdemokraten. FP-Sicherheitssprecher Hannes Amesbauer schrieb in einer Aussendung von "Rosstäuschereien". Karner erwähne nicht, dass in den letzten zweieinhalb Jahren so viele illegale Einwanderer unser Land betreten hätten, dass man mit ihnen eine Großstadt in Österreich füllen könnte. Seitens des burgenländischen SP-Klubobmanns Roland Fürst hieß es, dass unter keinem anderen Innenminister mehr Asylanträge gestellt worden seien als unter Karner, nämlich knapp 185.000,
Zusammenfassung
- Die Zahl der Asylanträge in Österreich ist im ersten Halbjahr 2024 um 42 Prozent auf 13.479 gesunken. Im Vergleich zu 2023 ist das ein deutlicher Rückgang.
- Knapp 54 Prozent der Asylanträge wurden von Minderjährigen gestellt, und 46 Prozent der Antragssteller waren Frauen. Dies ist auf die hohe Anzahl von Familienzusammenführungen zu Beginn des Jahres zurückzuführen.
- Syrer stellen mit 8.400 Anträgen die größte Gruppe unter den Asylwerbern dar, gefolgt von Afghanen mit 1.400 Anträgen. Insgesamt wurden 14.772 Aufenthaltstitel für Flüchtlinge erteilt.