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Studie

Antisemitismus zunehmend "jugendliches" Problem

02. Apr. 2025 · Lesedauer 3 min

Antisemitismus wird zunehmend zu einem "jugendlichen" Problem. Das geht aus jener Studie 2024 hervor, die das Institut für empirische Sozialforschung IFES im Auftrag des Parlaments erstellt hat.

Demnach zeigten sich vor allem junge Menschen - vor allem israelbezogen - stärker antisemitisch als die ältere Generation. Höhere formale Bildung schützt dabei eher vor traditionellem Antisemitismus.

Nicht nur bei israelbezogenem Antisemitismus - insbesondere nach der Terrorattacke der Hamas am 7. Oktober 2023 - auch bei anderen Aussagen stimmten junge Menschen häufiger zu als ältere. So waren etwa 15 Prozent der Unter-25-Jährigen der Meinung, dass in Berichten über Konzentrationslager vieles übertrieben dargestellt werde.

Der Aussage "Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat." stimmten 31 Prozent der Befragten ganz oder eher zu, was einer Zunahme von acht Prozentpunkten entspricht.

Auch die Aussage "Die Israelis behandeln die Palästinenser im Grunde auch nicht anders als die Deutschen im Zweiten Weltkrieg die Juden" erhielt mit 35 Prozent mehr Zustimmung (2022: 30 Prozent). Für Projektkoordinator Thomas Stern sind solche Aussagen "durchaus eine Verharmlosung des Nationalsozialismus".

Insgesamt vertraten 13 Prozent der Befragten manifeste antisemitische Einstellungen, 2022 lag der Wert bei 15 Prozent. Der latente Antisemitismus lag bei 33 Prozent (2022: 32 Prozent). Verschwörungsgläubige sowie Personen, die wenig über das Judentum wissen und antiamerikanisch eingestellt sind, zeigten sich eher antisemitisch.

Gefahr durch Social Media

Weit stärker ausgeprägt war Antisemitismus wie schon zwei Jahre zuvor bei der Gruppe mit Wurzeln in der Türkei oder einem arabischsprachigen Land. Auch unter Personen mit Hochschulabschluss steigt der Antisemitismus.

Eine Ursache - vor allem bei Jüngeren - sieht Eva Zeglovits von IFES im Medienkonsum. So konsumierten Jugendliche kaum mehr traditionelle Medien, sondern informierten sich hauptsächlich über Soziale Netzwerke, die etwa Verschwörungsmythen oft verstärkten.

Die alarmierenden Ergebnisse bei Jugendlichen stellen für Stern vor allem einen Auftrag an das Bildungssystem dar. "Holocaust-Education muss man völlig neu denken", findet er. Österreich habe mittlerweile zwar beim Unterricht viel getan, "ich glaube aber, es reicht nicht mehr". Es sei Aufgabe der Politik zu schauen, dass der Holocaust und dessen Auswirkungen bis in die Gegenwart in das Curriculum der Lehre aufgenommen werden, denn: "Antisemitismus lebt weiter."

Rosenkranz offen gegenüber Holocaust-Zentrum

Auch Nationalratspräsident Rosenkranz ortet bei der Schulbildung über den Holocaust "schon das eine oder andere, was man verbessern kann" und das nicht nur im Bildungsressort.

Aufgeschlossen zeigt er sich auch hinsichtlich eines von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) gewünschten Holocaust-Zentrums, das laut Regierungsprogramm zumindest eine Machbarkeitsstudie erhalten soll. Auch für Stern ist es diesbezüglich "sehr wichtig, eine verortete Möglichkeit zu haben, gerade in Wien".

Grundsätzlich zeigte sich Rosenkranz darüber erfreut, dass die Antisemitismus-Studie des Parlaments weiter erstellt wird. "Tatsache ist, dass Antisemitismus nach wie vor eine anhaltende Gefahr ist für den Zusammenhalt der Gesellschaft und unsere staatlichen Grundwerte", warnte der Freiheitliche.

Für die seit 2018 im Zwei-Jahres-Rhythmus erstellte Studie wurden im Oktober und November des vergangenen Jahres insgesamt 2.037 Personen ab 16 Jahren in ganz Österreich mittels Telefon- und Online-Interviews befragt. Eine Zusatzstichprobe von insgesamt 1.080 Personen umfasste 577 Personen mit Migrationsgeschichte aus der Türkei und 503 Personen mit Migrationsgeschichte aus einem arabischsprachigen Land.

Video: Gedenken an Novemberpogrome - Antisemitismus gestiegen

Zusammenfassung
  • Antisemitismus wird zunehmend zu einem "jugendlichen" Problem.
  • Das geht aus jener Studie 2024 hervor, die das Institut für empirische Sozialforschung IFES im Auftrag des Parlaments erstellt hat.