Kunst und Klima: Kulturforen gastieren im Künstlerhaus
Es gehe bei der Ausstellung "Imagine Climate Dignity" nicht nur um die Würde des Menschen, sondern auch um die Würde der Natur, aller Lebewesen und aller vorhandenen Ressourcen, die vom Menschen ausgebeutet werden, erläuterte Christoph Thun-Hohenstein, Leiter der Sektion Auslandskultur im Außenministerium und verantwortlich für das Konzept, bei der Presseführung am Donnerstag. "Das Thema hat seither an Relevanz weiter zugenommen", verwies der Ex-MAK-Generaldirektor und Initiator der Klimabiennale auf den jüngsten Global Risks Report, bei dem Gefahren durch Klimawandel und Biodiversitätsverlust die Liste anführten. Günther Oberhollenzer, Künstlerischer Leiter des Künstlerhauses, erinnerte daran, dass die Beschäftigung mit diesen Themen eine der zentralen programmatischen Säulen der Ausstellungstätigkeit der Künstlerhaus Vereinigung darstellt.
So vielfältig wie die Probleme präsentieren sich auch die Herangehensweisen der Künstlerinnen und Künstler, die an 14 Schauplätzen des Netzwerks der österreichischen Auslandskultur, von Belgrad und Brüssel bis Tokio und Warschau, gezeigt wurden. Ada Kobusiewicz, Javier Viana und Alberto Lomas etwa bemalten Plastikwassertanks mit Farbquadraten und geben ihnen eine Anmutung von großen Rubik-Würfeln, Mathias Kessler und Ahmet Civelek haben einen mächtigen, in einem einwöchigen Workshop in Istanbul hergestellten Teppich aus Plastikabfällen aufgehängt.
Es gibt jede Menge Videos und Installationen - etwa eine von Mladen Miljanović vorgenommene hochhausähnliche Anordnung von Steinquadern -, aber auch Zeichnungen. Diese haben es aber in sich: Oliver Ressler und Claudia Schioppa geben in der Serie "Contours of the Coming World" in filigranen Tuschezeichnungen Handlungsanleitungen für eine bessere Klimazukunft. Die Blockade von Privatjetstarts und Großbaustellen ("Outdoor activities keep you healthy") findet sich dabei ebenso wie das Aufbrechen von Betonflächen für Neubepflanzungen oder das Besetzen von Wäldern, um sie vor der Zerstörung zu bewahren. Dass diese Aufrufe zum zivilen Ungehorsam ausgerechnet in Peking gezeigt wurden, entbehrt freilich nicht einer gewissen unfreiwilligen zynischen Note.
Onlinekatalog
Zu der von Barbara Höller und Simon Mraz kuratierten Ausstellung gibt es einen Onlinekatalog. Künstler*innengespräche ergänzen die Schau ebenso wie ein Symposium am 11. April, das sich ausgehend von einer ursprünglich in Rom gezeigten Installation des Künstlerkollektivs Shaken Grounds über vom Menschen verursachte Spannungen in der Erdkruste und ihren Folgen mit der "Aufzeichnung von geologischen, sozialen und psychischen Erschütterungen" befasst. Das Thema ist komplex - das wird auch in dieser Ausstellung klar.
(S E R V I C E - "Imagine Climate Dignity", Ausstellung im Künstlerhaus, Karlsplatz 5, 1010 Wien von 1. März bis 9. Juni, Mo bis So 10-18 Uhr. www.imagineclimatedignity.at/ , www.kuenstlerhaus.at)
Zusammenfassung
- Die Ausstellung 'Imagine Climate Dignity' im Wiener Künstlerhaus zeigt bis zum 9. Juni ausgewählte Kunstwerke, die sich mit der Würde von Mensch und Natur angesichts des Klimawandels befassen.
- 14 internationale Schauplätze präsentieren vielfältige künstlerische Ansätze, darunter bemalte Plastikwassertanks und ein Teppich aus Plastikabfällen.
- Ein Onlinekatalog und ein Symposium am 11. April ergänzen das Programm, das von Barbara Höller und Simon Mraz kuratiert wird.