APA/APA/AFP/GIANLUIGI GUERCIA

Gipfel für Rechte von Menschen mit Behinderungen in Berlin

02. Apr. 2025 · Lesedauer 3 min

Mit den Rechten von Menschen mit Behinderungen beschäftigt sich am Mittwoch und Donnerstag ein Gipfeltreffen in Berlin. Der "Global Disability Summit" (GDS) ist der größte seiner Art. Laut "Licht für die Welt", Fachorganisation für Menschen mit Behinderungen, handelt es sich um kein Randthema: Einer von sechs Menschen weltweit lebt schließlich mit einer Behinderung. Ziel des Treffens sei es, Entwicklungszusammenarbeit (EZA) und humanitäre Hilfe für alle zugänglich zu machen.

"Inklusion muss in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, der humanitären Hilfe und der globalen Gesundheitsagenda zentrales Element sein. Dazu gehört auch die ausreichende Finanzierung", betonte Katri Bertram, internationale Direktorin für Impact und Advocacy von "Licht für die Welt", vor der Eröffnung des GDS.

Als eines der wichtigsten Ergebnisse in Berlin erwartet die NGO die Verabschiedung der "Amman-Berlin-Erklärung zur weltweiten Inklusion von Menschen mit Behinderungen". Die Erklärung soll einen bedeutenden Meilenstein für die Umsetzung der Rechte dieser Gruppe weltweit darstellen. Sie enthalte starke Verpflichtungen für eine inklusive internationale Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. Die Erklärung unterstreiche auch die Bedeutung eines sinnvollen Engagements von Selbstvertretungsorganisationen (Organizations of Persons with Disabilities - OPDs) und ziele darauf ab, wirkungsvolle Partnerschaften zu fördern, so "Licht für die Welt".

Wesentlicher Bestandteil des Gipfels sind Verpflichtungen, sogenannte Commitments, die Staaten und Organisationen abgeben, um Inklusion in der EZA und humanitären Hilfe wahr zu machen. So verpflichtet sich "Licht für die Welt", 500.000 junge Männer und Frauen in sieben afrikanischen Ländern in menschenwürdige Arbeit zu bringen. Eine weitere Verpflichtung ist es, mit zumindest 25 Selbstvertretungsorganisationen, zum Beispiel lokalen Blindenverbänden, sicherzustellen, dass humanitäre Hilfe in Äthiopien, Burkina Faso, Mosambik und dem Südsudan inklusiv und barrierefrei ist. Außerdem will die NGO zumindest eine öffentliche Bildungseinrichtung in einem ihrer Partnerländer dabei unterstützen, ihre Bildungsangebote inklusiv zu gestalten.

Österreich nimmt an GDS teil, bleibt laut "Licht für die Welt" säumig

"Licht für die Welt" begrüßte die erstmalige Teilnahme Österreichs an dem regelmäßig stattfindenden Großereignis und forderte die Republik auf, "sich trotz bevorstehender Sparmaßnahmen engagiert und mutig zu Inklusion zu bekennen". Bertram mahnte: "Inklusion muss auf der globalen Agenda bleiben. Österreich solle durch verbindliche Commitments sicherstellen, dass Menschen mit Behinderungen von EZA und humanitärer Hilfe nicht weiter ausgeschlossen werden. In Übereinstimmung mit der UNO-Behindertenrechtskonvention sollten alle Aktivitäten barrierefrei gestaltet sein. Zudem ermutigte die NGO zu einer stärkeren Kooperation mit Organisationen der Selbstvertretung von Menschen mit Behinderungen, wie lokalen Blinden- oder Gehörlosenverbänden, in der Programmentwicklung: "Österreich ist von diesen Zielen derzeit weit entfernt."

Forderungen zum nackten Überleben

Bei den Forderungen geht es in vielen Fällen um das nackte Überleben. Menschen mit Behinderungen stehen in humanitären Krisen vor großen Herausforderungen, wie "Licht für die Welt" betont. Dabei geht es etwa darum, ob gehörlose Menschen von Warnungen über bevorstehende Katastrophen erreicht werden, wie man mit einem Rollstuhl vor einer Katastrophe flüchten kann oder ob bei der Verteilung von Nahrung in einem Flüchtlingscamp sichergestellt wird, dass alle etwas bekommen. Das Sterberisiko von Menschen mit Behinderungen sei in humanitären Notsituationen daher zwei bis viermal höher: Barrieren auf dem Weg zur Evakuierung, Barrieren bei der Informations- und Lebensmittelverteilung würden Kinder und Erwachsene mit Behinderungen oft von lebenswichtiger Hilfe ausschließen.

Zusammenfassung
  • Der 'Global Disability Summit' in Berlin fokussiert auf die Inklusion von Menschen mit Behinderungen, wobei einer von sechs Menschen weltweit betroffen ist.
  • Eine zentrale Verpflichtung von 'Licht für die Welt' ist es, 500.000 junge Menschen in Afrika in menschenwürdige Arbeit zu integrieren und sicherzustellen, dass humanitäre Hilfe inklusiv gestaltet wird.
  • Österreich nimmt erstmals am Gipfel teil, wird jedoch kritisiert, da es trotz bevorstehender Sparmaßnahmen keine ausreichenden Verpflichtungen zur Inklusion zeigt.