APA/APA/Jacob C. Dunn

Mit stimmlicher Bandbreite: Wie Neuweltaffen "jodeln"

Heute, 03:03 · Lesedauer 3 min

Affen und Menschenaffen sind die nächsten Verwandten des Menschen in der Tierwelt. Sie können nicht sprechen, aber einige von ihnen haben spezielle Strukturen im Kehlkopf, durch die sie einen Frequenzsprung erzeugen können, der ähnlich wie Jodeln klingt. Den Vergleich mit dem alpenländischen Kulturgut zieht ein internationales Forschungsteam im Journal "Philosophical Transactions of the Royal Society B" - und es analysierte die Basis für das Können bestimmter Affenarten.

Mit bis zu drei Oktaven ist der Frequenzbereich dabei größer als beim Menschen, wie sie erhoben. Die Erkenntnisse gelten dabei für sogenannte Neuweltaffen, also die Gruppe von ursprünglichen Primaten des amerikanischen Kontinents. Zu diesen zählen beispielsweise Klammeraffen sowie Kapuziner- und Totenkopfäffchen, erklärte Hauptautor Christian T. Herbst von der Universität Wien gegenüber der APA. Dem Phänomen liegen dünne, leichte Gewebemembranen an den oberen Rändern der Stimmlippen im Kehlkopf zugrunde.

"Wir Menschen müssen diese Membranen offensichtlich im Laufe der Evolution verloren haben", sagte Herbst. Ihre genaue Funktion sei bei bisherigen Untersuchungen weitestgehend unklar geblieben, die Jodellaute nur am Rande erwähnt worden. "Zum ersten Mal konnten wir jetzt den Zusammenhang zwischen Anatomie und akustischem Output zeigen", so der Stimmforscher weiter.

Das gelang mithilfe unterschiedlicher Methoden: In "La Senda Verde", einem Tierschutzgebiet im bolivianischen Urwald, haben die Forschenden etwa nicht-invasive Tonaufnahmen durchgeführt. Ergänzt wurden diese durch Experimente an den Kehlköpfen von auf natürlicher Art und Weise verstorbenen Affen sowie mithilfe von Computermodellen.

Dabei zeigten sich bei den Tieren zwei unterschiedliche Arten von Schwingungen der Stimmlippen: Bei der ersten sind nur die Stimmlippen beteiligt und die Tonerzeugung ähnelt der des Menschen. Im zweiten Modus schwingen die Membranen mit, was weitaus höhere Frequenzen ermöglicht und damit zu den abrupten, jodelähnlichen Frequenzsprüngen führen kann. Während diese Sprünge bei Menschen meist auf eine Oktave begrenzt sind, erstrecken sie sich bei den Tieren teils über mehr als drei Oktaven.

Vorteile der "Ultra-Jodler" und offene Fragen

Für Affen seien diese Membranen vorteilhaft, denn durch die mit ihnen einhergehenden, unregelmäßigeren Schwingungen können sie mehr Komplexität in der Vokalisation erzeugen und damit Information vermitteln, ohne auf komplexe neuronale Strukturen zurückzugreifen, vermuten die Forschenden. Menschen bräuchten demgegenüber eine simple und stabile Klangquelle, um vielschichtige Informationen durch Sprache zu vermitteln.

"Diese Ergebnisse zeigen, wie Affen ein distinktes evolutionäres Merkmal - die Stimm-Membranen - nutzen, das es ermöglicht, eine größere Bandbreite an Rufen zu erzeugen, einschließlich dieser 'Ultra-Jodler'. Dies könnte besonders wichtig für Primaten sein, die ein komplexes Sozialleben haben und auf verschiedene Arten kommunizieren müssen", wird dazu der Senior-Autor der Studie, Jacob D. Dunn von der Anglia Ruskin University, in einer Presseaussendung zitiert.

"Wir konnten den stimmlichen Rahmen und die stimmlichen Möglichkeiten aufzeigen", ergänzte Herbst. In welchen Situationen die "Jodellaute" genau zum Einsatz kommen, sei eine offene Frage für zukünftige Forschungsprojekte. Dass man die auf dem von den Forschenden bereitgestellten Audio-Mitschnitt vernommenen Laute tatsächlich mit Jodeln assoziiert, verlangt dem Laien aber sicherlich etwas Fantasie ab.

(S E R V I C E - Studie online: https://dx.doi.org/10.1098/rstb.2024.0005; von Uni Wien bereitgestellte Hörprobe: https://go.apa.at/5XPGTzYg)

Zusammenfassung
  • Neuweltaffen können durch spezielle Strukturen im Kehlkopf jodelähnliche Laute erzeugen, die über bis zu drei Oktaven reichen und damit den Frequenzbereich des Menschen übertreffen.
  • Ein internationales Forschungsteam führte nicht-invasive Tonaufnahmen in einem Tierschutzgebiet in Bolivien durch und analysierte die Kehlköpfe verstorbener Affen, um den Zusammenhang zwischen Anatomie und akustischem Output zu untersuchen.
  • Die Ergebnisse zeigen, dass die Membranen im Kehlkopf der Affen komplexere Vokalisationen ermöglichen, was besonders für Primaten mit komplexem Sozialleben von Bedeutung sein könnte.