Vier von Hamas übergebene Geisel-Leichen identifiziert
Damit sind alle 33 Geiseln - 25 lebend und acht tot - wieder in Israel, deren Rückgabe die Hamas während der ersten Phase des laufenden Waffenruheabkommens zugesagt hatte. Nach Angaben des Angehörigen-Forums werden nun noch 59 Geiseln im Gazastreifen festgehalten. Man geht aber davon aus, dass nur noch 27 am Leben sind.
Auf Grundlage "der uns vorliegenden Informationen und Erkenntnisse" seien Yahalomi, Idan und Elgarat "während ihrer Gefangenschaft in Gaza ermordet" worden, hieß es vom Büro von Premier Benjamin Netanyahu. Die vierte Leiche, die in der Nacht zurückgegeben wurde, wurde als Shlomo Mantzur identifiziert. Israel hatte am 11. Februar bekannt gegeben, dass der 86-jährige Mantzur bei dem Angriff am 7. Oktober 2023 getötet worden war und seine Leiche in den Gazastreifen gebracht wurde.
Auch das Forum der Geiselfamilien bestätigte in einer Erklärung die Identität aller vier Geiseln. "Wir haben die Nachricht über die Identifizierung von Shlomo Mantzur, Tsachi Idan, Itzhak Elgarat und Ohad Yahalomi (...), die in Israel zur ewigen Ruhe gebettet wurden, mit tiefer Trauer aufgenommen", hieß es. Yahalomi hatte neben dem israelischen Pass auch die französische Staatsbürgerschaft, Elgarat war israelisch-dänischer Staatsbürger.
Übergabe ohne propagandistische Ausschlachtung
Wie von der israelischen Regierung gefordert, war die Übergabe dieses Mal nicht als makaberes Spektakel mit bewaffneten Hamas-Kämpfern, lauter Musik und anti-israelischer Propaganda bei der Aushändigung der Särge inszeniert worden. Laut dem Büro von Ministerpräsident Netanyahu war darüber im Voraus Einigung mit den Islamisten erzielt worden.
Im Gegenzug für die Übergabe der toten Geiseln wurden nach palästinensischen Angaben in der Nacht 596 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen entlassen. Weitere 46 sollten folgen, sobald die von der Hamas zurückgegebenen Leichen identifiziert wurden. Insgesamt sollte Israel in der ersten Phase 1.904 Palästinenser freilassen.
Die Hamas betonte in einer Erklärung, weitere Geiseln würde nur freigelassen, wenn sich Israel an die Waffenruhe-Vereinbarung halte und über Vermittler Gespräche über die zweite Phase des Abkommens aufnehme.
Israel will sich nicht aus Korridor zurückziehen
Die israelische Armee wird sich Medienberichten zufolge vorerst nicht wie in der Waffenruhevereinbarung mit der Hamas vorgesehen aus einem Korridor des Gazastreifens an der Grenze zu Ägypten zurückziehen. "Wir werden den Philadelphi-Korridor nicht verlassen und nicht zulassen, dass sich die Mörder der Hamas (...) wieder durch Schmuggel aufrüsten", zitierten Medien einen israelischen Beamten.
Diese Weigerung könnte die seit dem 19. Jänner herrschende Waffenruhe und die Rückgabe der verbleibenden israelischen Geiseln in der Gewalt der Islamisten gefährden. Im Rahmen der Waffenruhe war vereinbart worden, dass sich die israelischen Streitkräfte schrittweise aus dem Philadelphi-Korridor zurückziehen würden. Der Abzug sollte am Wochenende beginnen und rund eine Woche später abgeschlossen sein.
Zusammenfassung
- Im Rahmen der Waffenruhe wurden 596 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen entlassen. Die Übergabe der Geiselleichen erfolgte ohne propagandistische Inszenierung, wie von der israelischen Regierung gefordert.
- Die israelische Armee hat angekündigt, sich nicht aus dem Philadelphi-Korridor zurückzuziehen, was die Waffenruhe gefährden könnte. Dies könnte die Rückgabe der verbleibenden 59 Geiseln, von denen 27 am Leben sein sollen, beeinflussen.