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Frühere deutsche KZ-Sekretärin Irmgard F. ist tot

Heute, 15:18 · Lesedauer 2 min

Die wegen Beihilfe zum Massenmord verurteilte frühere KZ-Sekretärin Irmgard F. ist tot. Sie sei am 14. Jänner im Alter von 99 Jahren gestorben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe in Norddeutschland. Mehrere Medien hatten zuvor über ihren Tod berichtet. Das Landgericht Itzehoe hatte F. am 20. Dezember 2022 wegen Beihilfe zum Mord in 10.505 Fällen sowie zum versuchten Mord in fünf Fällen zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Der Bundesgerichtshof, Deutschlands oberstes Zivil- und Strafgericht, bestätigte das Urteil am 20. August vergangenen Jahres. Im Herbst 2021 hatte sich der Prozessbeginn gegen F. verzögert, weil sie vor dem ersten Termin von ihrem Seniorenheim nach Hamburg geflüchtet war. Das Gericht ließ die damals 96-Jährige für fünf Tage in Untersuchungshaft nehmen.

Irmgard F. war als 18- bis 19-jährige Frau zwischen Juni 1943 und April 1945 als Stenotypistin in der Kommandantur des Konzentrationslagers bei Danzig beschäftigt. Fast die gesamte Korrespondenz des Lagers ging nach Überzeugung der Gerichte über ihren Schreibtisch. Sie war eine enge Vertraute des Lagerkommandanten Paul Werner Hoppe.

Der Sekretärin wurde die Tötung von Häftlingen durch die lebensfeindlichen Bedingungen in dem Lager, bei Todestransporten sowie in einer Gaskammer angelastet. Im KZ Stutthof und seinen 39 Außenlagern waren nach Angaben des Dokumentationszentrums Arolsen Archives zwischen 1939 und 1945 etwa 110.000 Menschen aus 28 Ländern inhaftiert. Fast 65.000 überlebten nicht.

F. wusste über das Geschehen im Lager Bescheid

Durch ihre Arbeit habe sie den Verantwortlichen des Konzentrationslagers bei der systematischen Tötung von Inhaftierten Hilfe geleistet. Auch unterstützende Tätigkeiten könnten rechtlich als Beihilfe zum Mord angesehen werden. Irmgard F. habe durch ihre Dienstbereitschaft sowohl physische als auch psychische Beihilfe geleistet, erklärte der Bundesgerichtshof.

Die Bundesrichter gingen aufgrund der Feststellungen des Landgerichts Itzehoe (Schleswig-Holstein) davon aus, dass Irmgard F. sehr genau über das Geschehen im Lager Bescheid wusste. Sie blickte demnach von ihrem Arbeitsplatz über einen Teil des Geländes, sah den Schornstein des Krematoriums, wusste um den elenden Zustand der Gefangenen.

Keine neutrale Arbeit als Sekretärin

Die Sekretärin habe zudem von Beginn ihrer Tätigkeit an erkannt, dass die Haupttäter um Lagerkommandant Hoppe verbrecherisch handelten. Durch ihre treuen Dienste habe sie sich mit ihnen solidarisiert, so dass ihre Handlungen nicht mehr neutral gewesen seien.

Zusammenfassung
  • Die frühere KZ-Sekretärin Irmgard F. ist im Alter von 99 Jahren verstorben. Sie wurde wegen Beihilfe zum Mord in 10.505 Fällen und versuchten Mordes in fünf Fällen zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.
  • Irmgard F. arbeitete als Stenotypistin im KZ Stutthof, wo sie durch ihre Tätigkeit die systematische Tötung von Häftlingen unterstützte. Fast 65.000 der 110.000 Inhaftierten überlebten die Haft nicht.
  • Das Urteil des Landgerichts Itzehoe vom 20. Dezember 2022 wurde vom Bundesgerichtshof bestätigt. Der Prozess verzögerte sich, da Irmgard F. vor Prozessbeginn im Herbst 2021 floh.