APA/APA/DONAUBÜHNE TULLN/HANS EDER

"Rock-Professor" Reinhold Bilgeri mit 75 weiter voller Pläne

26. März 2025 · Lesedauer 5 min

Er ist Musiker, Autor, Regisseur und voller Pläne. Ein berufliches Ende ist nicht in Sicht, und überhaupt denkt er "mehr an das Leben als an den Tod": Vorarlbergs "Rock-Professor" Reinhold Bilgeri vollendet am Mittwoch seine ersten 75 Lebensjahre- Eine "klitzekleine Feier" im Familienkreis hat es bereits im Vorfeld des "Halbrunden" gegeben. Bilgeris Blick auf das Weltgeschehen ist nach wie vor kritisch, seine früher geäußerte Zukunftsskepsis sieht er nun "voll bestätigt".

Vor der Zahl 75 erschrickt Bilgeri "ein bissl, aber nicht vor meinem Zustand. Solang ich mich fit fühle, tut mir die Zahl nicht weh - das ist auch ein Gewöhnungsprozess", schreibt der Künstler im E-Mail-Interview mit der APA. Man finde sich tief drinnen mit der Unausweichlichkeit des Endes ab, spricht er von einer "gewissen fatalistischen Gelassenheit". Da sei aber auch viel Dankbarkeit und Demut dabei "für das Glück, das ich haben durfte".

Überhaupt stellt Bilgeri fest: "Panik nützt gar nix. Leben genießen ist besser." Ein Gedanke ans Ende fliege täglich an ihm vorbei, beim Aufstehen, beim zu Bett gehen. Eine Belastung für seine Lieben wolle er jedenfalls nicht werden. "Aber über alledem schiebt mich ein starker Lebenswille und Pläne, die erledigt werden müssen", lässt der Jubilar keinen Zweifel an seiner Lebensfreude und seinem Tatendrang.

Aktuell ist Bilgeri auf Lesetour mit seinem 2024 erschienen Roman "Das Gewissen der Tauben", den er auch verfilmen möchte ("wir werden demnächst bei der Film-Förderung einreichen"). Zwischendurch mache er zwei Filme für ServusTV, außerdem gehe er demnächst auf Konzerttournee mit seiner Band.

Pünktlich zum Geburtstag dürfen sich Bilgeri-Fans zudem auf eine Neuauflage eines seiner größten Hits - "Video Life" aus dem Jahr 1981 - freuen, und zwar gleich in zwei Versionen. In den 1980er-Jahren setzte die bayerische Band Relax ("A weißes Blatt'l Papier") "Video Life" in "I wui Radio hör'n" um. Zur Idee aus Bayern, mit ihm ein Duett zu machen ("ein Geschenk an mich von Relax"), sagte Bilgeri nun Ja - entstanden ist "Video Life goes Radio hör'n".

"Eigentlich eine Hetz, aber es wurde ziemlich cool, und deshalb kommt's auch als Single raus, und zwar parallel mit meiner Soloversion von 'Video Life'", so Bilgeri, der anmerkte: "Hübsches Geburtstagsgeschenk. Einmal Duett, einmal Solo". Veröffentlichungstermin ist genau Bilgeris heutiger Geburtstag. An dem stehen für den nun 75-Jährigen TV-Gigs in Niederösterreich und Wien und "am Abend eine geile Probe mit meiner Band ebendort an. Dann werde ich gut schlafen", meinte er.

Sieht sich in "Zukunftsskepsis" bestätigt

Schon zu Zeiten der Coronapandemie war für Bilgeri "die Euphorie der frühen Nachkriegsjahrzehnte einer großen Zukunftsskepsis gewichen". Er sieht diese durch die Entwicklungen seit damals voll bestätigt. "Wir erleben eine Wiedergeburt des Faschismus, und zwar im Westen und im Osten", sagte Bilgeri.

In Moskau wolle einer das Zarenreich zurück, und "die Irren in Washington helfen ihm dabei, um einen Partner gegen den Hauptfeind China zu haben", so Bilgeris Analyse: "Faschismus. Keine Regeln mehr, geschweige denn Werte." Allerdings biete das Weltgeschehen eine Chance für Europa, endlich zur Besinnung zu kommen, sich von den USA zu emanzipieren und aufzurüsten für die Demokratie. "Wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg", stellte Bilgeri fest.

1981 volle Konzentration auf Musikkarriere

Dass er ein Rockstar werden muss, hatte er schon als Teenager in seiner Internatszeit in Feldkirch gewusst und beschlossen. Bilgeris Musiklaufbahn begann in den 1960er-Jahren bei diversen Rockbands, 1973 gelang ihm gemeinsam mit seinem Freund, dem Schriftsteller Michael Köhlmeier, der Durchbruch: Das Mundartlied "Oho Vorarlberg" wurde zum Hitparadenerfolg und zur heimlichen Landeshymne.

Parallel dazu verfasste Bilgeri Hörspiele, Drehbücher und Kabarettprogramme. 1981 hängte er seine sichere Stelle als Gymnasiallehrer für Deutsch, Geografie, Psychologie und Philosophie an den Nagel (Bilgeri: "über Nacht, ohne einen Plattenvertrag in der Tasche zu haben") und widmete sich ganz dem Musikgeschäft.

Bis in die 1990er-Jahre verkaufte Bilgeri über drei Millionen Tonträger, heimste sieben Gold- bzw. Platinplatten ein. Zudem arbeitete er als Regisseur für TV-Shows und Videoclips, auch wenn die breite Öffentlichkeit davon eher nichts wusste. 1989 heiratete er Beatrix Kopf, Ex-Miss Austria, Topmodel und Schauspielerin. Mitte der 1990er-Jahre wurde es ruhiger um Bilgeri, der sich mehrfach über den "Ö3-Boykott" ärgerte. Die freigewordene Zeit nutzte er "schreibend und als Papa" von Tochter Laura.

"Comeback" als Autor

2005 gingen die großen Scheinwerfer wieder an - allerdings nicht für den Musiker Bilgeri, sondern für den Autor. Sein Romandebüt "Der Atem des Himmels" wurde zum Bestseller, in weiterer Folge verfilmte er den Stoff mit seiner Frau in der Hauptrolle - und war auch damit sehr erfolgreich. Der Film stellte für Bilgeri ein großes finanzielles Risiko dar, das er mit dem Satz "Ich hätte auch voll auf die Schnauze fallen können" kommentierte.

Als Regisseur setzte er auch "Erik & Erika" - die Geschichte des Skirennläufers Erik Schinegger, der als Erika 1966 Abfahrtsweltmeisterin wurde - filmisch um. Aufzuhören ist für Bilgeri schon deshalb kein Thema, "weil's einfach saumäßig Spaß macht", wie er zum 70er sagte. Daran hat sich in den letzten fünf Jahren nichts geändert.

(Die Fragen stellte Jochen Hofer/APA)

Zusammenfassung
  • Reinhold Bilgeri feiert seinen 75. Geburtstag und bleibt voller Tatendrang als Musiker, Autor und Regisseur aktiv.
  • Sein Roman 'Das Gewissen der Tauben' aus 2024 ist aktuell Gegenstand einer Lesetour und soll verfilmt werden.
  • Bilgeri plant eine Neuauflage seines Hits 'Video Life' von 1981 und ein Duett mit der Band Relax.
  • Er sieht seine frühere Zukunftsskepsis durch aktuelle weltpolitische Entwicklungen bestätigt.
  • Bilgeri verkaufte in seiner Karriere über drei Millionen Tonträger und erhielt sieben Gold- bzw. Platinplatten.