Neuer Biathlon-Chef Sumann will "aus wenig viel machen"
Die Ausgangslage der Frauen beurteilte der 49-jährige Sumann bei seiner Vorstellung im Rahmen einer Pressekonferenz am Innsbrucker Bergisel jedenfalls um einiges hoffnungsvoller und besser als jene der Männer. Weltmeisterin Lisa Hauser habe "wieder in die Spur gefunden" und sei stärker gewesen als in der Saison zuvor. Bei Anna Gandler hoffe man, dass diese aus der "Mini-Krise" wieder herausfinde und werde sich auf Ursachenforschung für ihren langen Ausfall begeben. Und die 22-jährige Anna Andexer habe großes Potenzial und könne sich "nur selber schlagen". Auch im Europacup gebe es erfolgversprechende Junge, die nachstoßen. Jedenfalls bestünden alle Chancen - auch bei den Olympischen Spielen in Turin kommendes Jahr.
Anders hingegen die Lage bei den Männern: Hier sei zwar mit dem 42-jährigen Simon Eder "zum Glück noch ein Urgestein dabei", der den Jungen viel lernen könne. Rund um Eder und etwa auch Fabian Müllauer müsse man etwas aufbauen. Vor allem sei angesagt, das "Läuferische wieder in den Vordergrund" zu rücken: "Das fordere ich ein." Medaillen bei Olympia zu erwarten, wäre aber "ganz klar vermessen", so Sumann. Aufbauend auf die Olympia-Saison wolle man dann aber "wesentliche Schritte" in Hinblick auf die Weltmeisterschaft in Hochfilzen 2028 setzen, betonte der ebenfalls anwesende ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher. Dies bedeute auch, den mehr als unbefriedigenden Platz elf im Nationencup möglichst bald hinter sich zu lassen. Für "Platz sechs" bis 2028 hätte auch das Männer-Team das Potenzial, so Stecher.
"Gemeinsam trainieren" angesagt, Gespräch mit Hauser
Indes machten sowohl Sumann als auch Stecher, die sich bereits aus der gemeinsamen Zeit im Skigymnasium Stams kannten, klar, dass es in Zukunft möglichst keine Solo-Trainings oder solche mit ausländischen Trainingsgruppen geben werde. Prominentestes Beispiel: Lisa Hauser - die in der vergangenen Sommer-Vorbereitung mit einer Schweizer Trainingsgruppe trainierte.
Man sehe das eigentlich nicht so gerne, machte Sumann keinen Hehl aus seiner Skepsis, aber man könne eine so verdiente Sportlerin wie Hauser auch zu nichts "zwingen". Jedenfalls werde es ein Gespräch mit der Tirolerin geben. Dabei werde man versuchen, sie zu überzeugen, wieder das ganze Jahr über im ÖSV-Verbund zu trainieren. "Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, dass man sie zurückholt. Und sonst vielleicht eine andere Lösung", erklärte der 49-Jährige. Stecher ließ jedenfalls auf Nachfrage wissen, dass für alle anderen eine Vorbereitung im österreichischen Team Pflicht sei: "Für die Zukunft gilt: Gemeinsam trainieren." Das werde man einfordern.
Cheftrainer soll bis 1. Mai feststehen
Offen ist bei den Männern unterdessen die Cheftrainer-Frage, nachdem der Norweger Vegard Bitnes gegangen worden war. "Wir haben noch niemanden und werden jetzt überlegen", sagte Sumann zu dieser Personalie. "Zeitnah" werde eine Entscheidung getroffen, jedenfalls bis zum Saisonstart am 1. Mai. Ebenfalls offen sei, ob man für die Olympia-Saison eine (heimische) "Übergangslösung" wähle oder eine langfristige (internationale) Lösung. Hier wolle er sich noch nicht festlegen, so Sumann. "Der Markt" sei jedenfalls derzeit nicht sehr groß - die meisten Coaches hätten vor Olympia bestehende bzw. langfristige Verträge.
Er werde "keine Wunder vollbringen" können, betonte der Steirer, der zuletzt mehr als zehn Jahre lang als ORF-Co-Kommentator fungierte. Er wolle jedenfalls "das Feuer entfachen", das in letzter Zeit etwas gefehlt habe, bekundete der viermalige Olympia- und WM-Medaillengewinner. Auch vermehrte "Ausreden" in Bezug auf Materialprobleme wolle er nicht mehr hören. "Wir müssen aufhören, zu philosophieren. Die goldenen Zeiten sind vorbei. Aber wir haben gute Leute", konstatierte der neue Sportliche Leiter. Er richte den Blick nur in die Zukunft.
Zusammenfassung
- Christoph Sumann, der neue Sportliche Leiter des ÖSV-Biathlons, möchte aus der schlechten letzten Saison das Beste machen und setzt dabei auf unterschiedliche Schwerpunkte für Frauen und Männer.
- Während bei den Frauen Chancen auf Medaillen bei den Olympischen Spielen 2026 in Turin bestehen, liegt der Fokus bei den Männern auf der Heim-WM 2028 in Hochfilzen.
- Sumann betont die Wichtigkeit des gemeinsamen Trainings im ÖSV und sieht Potenzial für Verbesserungen, insbesondere durch die Einbindung von erfahrenen Athleten wie Simon Eder.