APA/ERNESTO GELLES

Erfolgreiche Premiere: Endlich "Glück" mit Lukas Resetarits

Heute, 03:30 · Lesedauer 4 min

Lukas Resetarits ist verschnupft. "Habe ich zu viel Flüssigkeit in mir?", fragt er - und schnäuzt sich kräftig. Zu viele "Schnäuztüchel" hatte er am Donnerstagabend jedenfalls nicht eingesteckt. Das Publikum im Wiener Stadtsaal war dennoch glücklich - waren doch zuvor bereits zwei Premierentermine von "Glück" wegen einer spastischen Bronchitis des Kabarettisten abgesagt worden. Diesmal hat es geklappt. Und alle freuten sich.

Auf der Bühne werden weder Viren noch Pointen geschleudert. "Glück" ist das 30. Soloprogramm des 77-Jährigen, der mit einem Großteil seines Publikums eine langjährige Beziehung pflegt. Man mag einander und weiß, was man an einander hat. Resetarits hat das im APA-Interview vor der Premiere so charakterisiert: "Ich will mich auch nicht austauschen mit dem Publikum. Ich stelle keine Fragen ans Publikum und will keine Antworten vom Publikum. Ich will mein Programm vorspielen und das erzählen, was ich zu erzählen habe."

Was hat der Altmeister diesmal zu erzählen? Einige Jugenderinnerungen etwa - an Ski- und Schwimmkurse, oder an den Heimweg von der Schule, den er noch vertrödeln konnte, ohne von der verängstigten Mutter per Handy nach Hause kommandiert zu werden. Vor allem aber erzählt er mit einigen Portionen Selbstironie davon, wie es ist, alt zu werden. Oder zumindest älter. Da kann jeder mitreden. Da kann jeder über sich selber lachen.

Schon der geträllerte Auftritt mit "Glücklich ist, wer vergisst" eröffnet das Thema. "Absichtlich vergessen funktioniert nicht", erklärt Resetarits zwar, aber "im Alter kommt das Vergessen ganz natürlich". Und ganz natürlich ist für das Stammpublikum seit Jahren, dass sich der Solist, der schick im schwarzen Anzug mit roten Schuhen auftritt, möglichst schnell an seinem Tischchen niederlässt, wo das Textbuch auf ihn wartet. Schummelzettel zu verstecken wie einst hat er längst nicht mehr nötig. Doch es wird keine Lesung aus dem Lukas-Evangelium, sondern eine geskriptete Plauderei. Das nimmt ihm niemand krumm.

Abstecher ins aktuelle Zeitgeschehen

Hörgeräte und Bruchbänder werden besprochen, wir erfahren von Besuchen beim Augenarzt oder, dass man früher "Wipplinger Brosche" und "Vollklavier" zu Brücke und Gebiss gesagt haben soll (in der Wipplinger Straße habe sich die zuständige Krankenkasse befunden, erzählt Resetarits). Und natürlich gibt es Betrachtungen zum Glück."Beim Glück muss noch was Zusätzliches sein zum Normalen", weiß er. "Wenn's uns gut geht und nix Schlimmes passiert - das reicht bei weitem nicht zum Glücklichsein."

So gesehen darf man sagen: Ganz glücklich macht "Glück" nicht. Aber zufrieden. Es gibt genügend Anlässe, mit dem Bühnenkünstler über sich selbst oder über die nicht sehr glücklichen Zeiten zu lachen oder wenigstens zu schmunzeln. In kurzen Passagen macht Lukas Resetarits auch Abstecher ins aktuelle Zeitgeschehen, von Putin über Musk zu Trump ("Das Haar hat er statt Hirn."), von Pierer bis Benko. Es sind eher Pflichtübungen des verständlichen Unmuts als Höhepunkte der politischen Satire.

Doch kein "Granfluencer"

Treffender wird es wieder, wenn er sich von außen Anregungen holt und auf sich bezieht: Nachdem Argentiniens Präsident Javier Milei sich laut seiner Aussage von drei Hunden beraten lässt, habe er seinen Kater Mika gefragt, ob da für ihn nicht noch eine Karriere als autoritärer Staatenlenker drinnen sein könnte, erzählt Resetarits. Doch Mika war dagegen. "Er hat mit Politik nichts am Hut."

Auch als "Granfluencer", der den Seniorinnen und Senioren via Social Media beibringt, wie der Dachhase läuft, könnte er sich betätigen, meint er, immerhin habe er schon anderen über die Schulter geschaut, wie glücklich sie sich auf Tiktok und Instagram tummeln. Eine schöne, ausbaufähige Idee, die in "Glück" leider so schnell vorbei ist wie sie gekommen ist. Lukas Resetarits bleibt analog. Und wird hoffentlich auch bald wieder ganz gesund.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Lukas Resetarits: "Glück". Nächste Spieltermine im Stadtsaal: 5., 13., 20.4., 19., 20.5., www.stadtsaal.com. Auftritt in der Wiener Staatsoper im Rahmen von Intermezzo am 9.7. https://intermezzo.wien/ )

Zusammenfassung
  • Lukas Resetarits präsentierte sein 30. Soloprogramm 'Glück' im Wiener Stadtsaal, nachdem zwei Premierentermine wegen Krankheit abgesagt wurden.
  • Das Programm behandelt humorvoll das Älterwerden und persönliche Erlebnisse, während Resetarits auf Interaktion mit dem Publikum verzichtet.
  • Er thematisiert alltägliche und politische Themen, bleibt jedoch bei seiner analogen Darbietung und plant keine Social-Media-Aktivitäten.