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Autor Schleifer: Paris oder Perchtoldsdorf, Hauptsache Krimi

26. März 2025 · Lesedauer 6 min

Gestatten, Christian Schleifer. Oder aber: Bonjour, je m'appelle René Laffite. Auf diese beiden Arten könnte sich der Wiener Krimiautor Christian Schleifer vorstellen, veröffentlicht er doch seine Bücher entweder unter seinem echten Namen oder - bei Frankreich-Bezug - unter einem französischen Pseudonym. Seine neueste Publikation stammt auch von "Monsieur Laffite" und heißt "Die mysteriöse Tote vom Montmartre".

In diesem im Februar erschienenen Buch hat die als äußerst attraktive Frau beschriebene Kommissarin Geneviève Morel einen Mordfall am Weinfest vom Montmartre aufzuklären, wobei sich die Ermittlungen auf eine Familie konzentrieren, die in der Champagne ein Weingut samt Hotelkomplex betreibt. Angeführt wird diese Familie von einer Matriarchin, was auch für den Familienclan der Ermittlerin selbst gilt. Sie entstammt nämlich einer hauptsächlich auf Kunstdiebstahl spezialisierten Sippschaft und hat sich quasi als "Abtrünnige" beruflich für die Wahrung von Recht und Ordnung entschieden.

Die Frage, ob er mit diesen Matriarchinnen einen Gegenpol zum - offiziell ja abgeschafften - Patriarchat schaffen wollte, beantwortet der Autor im APA-Gespräch schmunzelnd mit: "Das hat bei mir wohl eher unterbewusst autobiografische Gründe. Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich noch sehr klein war. Somit bin ich bei meiner Mutter aufgewachsen und meine Oma lebte im selben Haus, beides waren starke Frauen. Das Aufwachsen in einem sehr frauenzentrierten Haushalt hat mich wohl geprägt und findet nun literarischen Niederschlag - auch in meinen Perchtoldsdorf-Krimis ist ja eine Ermittlerin die Hauptfigur und kein Ermittler."

Es ist die Liebe zu Frankreich und speziell zu Paris, die Schleifer vulgo Laffite dazu bewogen hat, eine Krimireihe in der "Grande Nation" und deren Hauptstadt anzusiedeln. Begonnen hat diese Liebe, als er als 18-jähriger frischgebackener Führerscheinbesitzer mit einem Freund einen Campingtrip nach Frankreich unternommen hat. "Wir haben uns einfach ins Auto gesetzt und sind gefahren", schildert er im Interview mit der APA.

Abenteuer-Trip mit 18 entflammte Paris-Liebe

"Und eigentlich ist diese Reise ziemlich in die Hose gegangen. Erst sind wir in einer Einbahn am Montmartre gestrandet, als wir uns dort rausgewurschtelt haben, haben wir drei Stunden lang den Campingplatz gesucht. Dort wurden wir dann von einem Unwetter weggeschwemmt - und schließlich wurden wir in einem Lokal ausgeraubt. So ist uns nach zwei Tagen das Bargeld ausgegangen, der Bankomat hat nichts ausgespuckt, weil unsere Jugendkonten offenbar im Ausland gesperrt waren, und so konnten wir mit meinem Not-1.000-Schilling-Schein gerade noch heimfahren." Würde heute eine Reise so verlaufen, würde er wohl sagen "Nie wieder!", damals aber empfand er diesen Trip als Abenteuer pur. Vor allem aber war er von Paris begeistert, "weil die Stadt einfach so schön war."

Die Frankophilie setzte sich auf privatem Weg fort: "Ich habe dann meine heutige Frau kennengelernt, die Frankreich ebenfalls liebt und schon in ihrer Schulzeit oft die Sommerferien bei einer Gastfamilie an der Cote d'Azur verbracht hat. Dann hat sie sogar an der Sorbonne studiert" - et voilà: Zur damaligen Gastfamilie hat die Familie jetzt noch Kontakt, weilt daher immer wieder einmal in Frankreichs Süden - und last but not least spielt auch die Gegend um Cannes eine gewisse Rolle in den Montmartre-Krimis.

Drei Bände der Laffiteschen Paris-Krimis gibt es bereits, der vierte soll noch heuer erscheinen. Auch eine in Frankreich spielende Thriller-Trilogie hat er bereits geschrieben und hofft auf baldige Veröffentlichung derselben. Warum eigentlich als Monsieur Laffite und nicht als Herr Schleifer? "Zunächst einmal ist das Pseudonym eine Abgrenzung zu den Perchtoldsdorf-Krimis, die ja auch in einem anderen Verlag erscheinen", verrät der Autor. "Es hat aber auch Marketing-Gründe. Ein französischer Name schaut auf dem Cover besser aus, wenn die Handlung in Frankreich spielt."

Um Geheimniskrämerei sei es dabei nie gegangen: "Im Klappentext jedes Paris-Krimis steht, wer sich hinter dem Namen wirklich verbirgt." Und wie erklärt sich der Name René Laffite? "Das hat mit meinem beruflichen Vorleben als Sportjournalist zu tun", erzählt der 50-Jährige schmunzelnd. Denn in den späten 1970er- und den 80er-Jahren gab es die französischen Formel-1-Fahrer René Arnoux und Jacques Laffite. Deren Vor- und Nachnamen setzte er dann zu seinem französischen Autorennamen zusammen.

Perchtoldsdorf: Winzerin Nöhrer ermittelt

Als Christian Schleifer schickt er indes die Ex-Polizistin und nunmehrige Winzerin Charlotte Nöhrer auf Mörderjagd. Beginnend mit "Tod in Perchtoldsdorf" sind bisher seit 2020 fünf Bände im Jahresabstand erschienen, der sechste folgt im Herbst. Für diese im Emons-Verlag erschienenen Krimis hat der in Perchtoldsdorf aufgewachsene Wiener eine Art eigene Sprache entwickelt, in der zum Beispiel allen Personennamen der bestimmte Artikel vorangestellt wird. "Die Schreibe klingt also eher so, als würde man jemandem die Geschichte mündlich erzählen", sagt Schleifer und ergänzt, dass das einige Probeleser zunächst sehr skeptisch gemacht hat.

Diese Cozy-Crime-Romane mit starkem Regionalbezug unterscheiden sich von den im ganzen deutschsprachigen Raum erfolgreichen Montmartre-Krimis also deutlich - und erst recht von den noch unveröffentlichten Thrillern. Damit ist Schleifers schreiberische Vielfalt aber keineswegs ausreichend abgebildet. Denn neben seinem früheren journalistischen Job hat er als Ghostwriter für die Autobiografie des Eishockey-Stars Thomas Vanek fungiert und sich zunächst auch als Kinderbuch-Autor versucht.

Eine Mappe mit einem Roman für den Deutschlehrer

Dass das Schreiben durchaus das Seine ist, hat sich schon in Schleifers Schulzeit abgezeichnet. Damals waren manche Lehrer sogar von seinen langen Aufsätzen genervt, weil sie so viel lesen mussten. "In der HAK habe ich dann meinem Deutschlehrer im Scherz angeboten, ein ganzes Schuljahr keine Hausübungen zu schreiben und ihm stattdessen vor Notenschluss einen Roman abzugeben", erinnert er sich. Zu seiner Überraschung nahm der Lehrer das Angebot an - "die Mappe mit dem handgeschriebenen Roman habe ich noch immer und zeige sie gerne bei Lesungen her." A propos Lesungen: Selbstverständlich kann man Christian Schleifer immer wieder bei solchen Veranstaltungen live erleben, diese Woche hat er sogar einen Auslandsauftritt: Am Freitagabend liest er im Rahmen der Leipziger Buchmesse.

(S E R V I C E - Infos unter www.christian-schleifer.com; Zuletzt erschienen: René Laffite: "Die mysteriöse Tote vom Montmartre", Gmeiner, 348 Seiten, 16,50 Euro, E-Book: 11,99 Euro)

Zusammenfassung
  • Christian Schleifer veröffentlicht Krimis unter seinem Namen und als René Laffite, wobei sein neuestes Buch 'Die mysteriöse Tote vom Montmartre' im Februar erschienen ist.
  • Die Protagonistin Geneviève Morel klärt in Paris einen Mordfall auf, der sich um eine Familie aus der Champagne dreht.
  • Schleifers Liebe zu Frankreich begann mit einem abenteuerlichen Campingtrip als 18-Jähriger, der ihn trotz Pannen für Paris begeisterte.
  • Neben den Paris-Krimis schreibt er auch die Perchtoldsdorf-Reihe mit der Ermittlerin Charlotte Nöhrer, die mittlerweile fünf Bände umfasst.
  • Sein Pseudonym René Laffite ist eine Hommage an die Formel-1-Fahrer René Arnoux und Jacques Laffite.