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Mehr als 250 Opfer

Kindesmissbrauchsprozess gegen Chirurgen: Ex-Frau beschuldigt

26. Feb. 2025 · Lesedauer 3 min

Im französischen Missbrauchsprozess mit mehr als 250 Opfern im Kindesalter hat der Bruder des Angeklagten dessen Ex-Frau der Mitwisserschaft beschuldigt. "Sie wusste über die Taten ihres Mannes Bescheid und hat nichts unternommen", sagte er am Mittwoch vor Gericht in Vannes. Die Ex-Frau hätte dafür sorgen können, dass der Angeklagte früher gefasst wird.

Der Bruder warf seiner früheren Schwägerin vor, aus finanziellen Interessen mit ihrem Mann zusammengeblieben zu sein. Sie habe nebenher mehrere Affären gehabt.

Die Frau hatte sich 2023 von ihrem Mann scheiden lassen. Sie erklärte kürzlich in einem Interview, nichts von den Taten ihres Mannes geahnt zu haben. Sie erschien am Dienstag erstmals im Gericht, das Gesicht von einer übergroßen schwarzen Kapuze und einer medizinischen Maske verborgen.

Opfer durchschnittlich 11 Jahre alt

Ihr Ex-Mann, ein 74 Jahre alter früherer Chirurg, muss sich wegen Missbrauchs von 299 Patienten vor Gericht verantworten. Seine Opfer waren im Schnitt elf Jahre alt. Der Arzt hatte zu Prozessbeginn seine Taten weitgehend gestanden.

Nach Darstellung der Anklage verging er sich an seinen jungen Patientinnen und Patienten unter dem Vorwand von Untersuchungen oder während sie unter Narkose waren.

Aussage der Ex-Frau

Seine Ex-Frau sollte noch im Laufe des Mittwochs vor Gericht aussagen. Es gibt Hinweise darauf, dass sie etwas gewusst haben könnte. In den Tagebüchern des Angeklagten, die die Zeitung "Le Monde" auszugsweise veröffentlicht hat, schrieb dieser bereits 1996, dass seine Frau wisse, dass er von Kindern angezogen sei. 2005 wurde er erstmals wegen Besitzes von Bildern mit Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Zudem gibt es einen handschriftlichen Brief von 2010, in dem sie darum bittet, ihren jüngsten Sohn zu schonen, der als einziger nichts von der Vergangenheit seines Vaters wisse.

2020 wurde der Mediziner dann zu 15 Jahren Haft verurteilt, weil er vier Mädchen missbraucht hatte, unter ihnen zwei Nichten und die sechs Jahre alte Tochter seiner Nachbarn. Es war der Fall des Nachbarkindes, der eine Hausdurchsuchung ausgelöst und damit den massenhaften Missbrauch junger Patienten ans Licht gebracht hatte. Am Vortag hatten zwei Söhne des Paares ausgesagt. Beide sprachen von einer glücklichen Kindheit und von dem Schock, als sie von seinen Taten erfahren haben.

Vorwurf der Vergewaltigung in 111 Fällen

Dem Arzt wird vorgeworfen, 256 Buben und Mädchen unter 15 missbraucht zu haben. Insgesamt geht es um 299 mutmaßliche Opfer in einem Zeitraum von zweieinhalb Jahrzehnten, 111 von ihnen soll der Angeklagte vergewaltigt haben. Seine Taten waren ans Licht gekommen, als die Ermittler auf Tagebücher des Arztes stießen. Darin beschrieb er minutiös, wie er sich an den Kindern verging - teils im Krankenzimmer, teils sogar auf dem Operationstisch. Ermittler fanden bei dem Mediziner außerdem rund 300.000 Fotos und Videos mit Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger.

Der Angeklagte arbeitete in rund zwölf verschiedenen Krankenhäusern im Westen Frankreichs. Obwohl manche seiner Chefs und Kollegen wussten, dass er bereits früher wegen Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger verurteilt worden war, behinderte dies nicht seine Karriere. Der Prozess ist auf vier Monate angesetzt, die Höchststrafe beträgt 20 Jahre.

Zusammenfassung
  • Der Missbrauchsprozess in Frankreich dreht sich um einen ehemaligen Chirurgen, der 299 Patienten missbraucht haben soll, darunter 111 Vergewaltigungsfälle. Der Prozess ist auf vier Monate angesetzt, und die Höchststrafe beträgt 20 Jahre.
  • Der Bruder des Angeklagten beschuldigt dessen Ex-Frau der Mitwisserschaft, während sie behauptet, nichts gewusst zu haben. Tagebücher des Angeklagten deuten jedoch darauf hin, dass sie informiert war.
  • Trotz früherer Verurteilungen wegen Missbrauchsdarstellungen konnte der Angeklagte in zwölf Krankenhäusern arbeiten. Ermittler fanden 300.000 Fotos und Videos mit Missbrauchsdarstellungen bei ihm.