"Sicherheitszone"
Israel will "große Gebiete" im Gazastreifen besetzen
"Große Gebiete" des Gazastreifens sollten laut Katz zu "israelischen Sicherheitszonen" werden. Nähere Angaben dazu, wie viel Territorium Israel besetzen will, machte der israelische Verteidigungsminister nicht.
Der israelische Verteidigungsminister rief die Bewohner:innen Gazas zudem in einer Mitteilung auf, "jetzt für die Vertreibung der Hamas und die Rückführung aller Geiseln aktiv zu werden". Je länger sich die Hamas weigere, Geiseln freizulassen, desto mehr Territorium werde sie an Israel verlieren, drohte er.
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Zuletzt hatte es im Gazastreifen Proteste gegen den Krieg und die Hamas-Herrschaft gegeben.
Die deutsche Regierung ließ unterdessen 19 Deutsche aus dem palästinensischen Küstenstreifen herausbringen. Laut Angaben des Außenministeriums in Wien befinden sich derzeit keine Österreicherinnen und Österreicher im Gazastreifen.
Erneute Flucht der Einwohner von Rafah
In den vergangenen Tagen hatte die israelische Armee die Bewohner der südlichen Stadt Rafah und benachbarter Orte aufgefordert, von dort zu fliehen. Nach vielen Monaten des Krieges war am 19. Jänner im Gazastreifen eine Waffenruhe in Kraft getreten. Viele Vertriebene innerhalb des Gebiets kehrten daraufhin in ihre Heimatorte zurück.
Mitte März nahm Israel die massiven Angriffe wieder auf, nachdem keine Einigung mit der Hamas auf die Konditionen für eine Verlängerung der Feuerpause erzielt worden war.
Israels Armee begann seitdem auch Bodeneinsätze gegen die Hamas in Rafah, am Samstag weitete sie die Offensive eigenen Angaben nach auf ein zweites Viertel der Stadt aus. Ziel der neuen Bodenoffensive im Gazastreifen ist laut Armee auch die Errichtung einer Pufferzone entlang der Grenzen des Küstengebiets..
Mehrere Tote nach Luftangriffen in Gaza
Das von der radikal-islamischen Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium in Gaza teilte mit, dass am Mittwoch 53 Menschen bei israelischen Angriffen getötet wurden. Allein 19 Menschen seien bei einem Angriff auf ein UNO-Spital, die als Unterkunft für Vertriebene genutzt wurde, ums Leben gekommen, darunter seien auch Kinder.
Das israelische Militär erklärte, es habe ein Gebäude angegriffen, das früher als Spital genutzt worden sei und nun als Hamas-Kommando- und Kontrollzentrum zur Planung von Angriffen gedient habe. Das Militär habe Überwachungsmaßnahmen eingesetzt, um das Risiko für Zivilisten zu verringern. Die Hamas bestritt, das Gebäude zu nutzen, und bezeichnete die israelische Anschuldigung als "offensichtliche Erfindung". Reuters-Videoaufnahmen von den Folgen des Angriffs zeigten Blut auf dem Boden, während Rettungskräfte Leichen auf Tragen abtransportierten.
Israel will offenbar Druck auf Bevölkerung erhöhen
Aus der Erklärung von Katz ging nicht hervor, wie viel Land Israel besetzen will und ob es sich um eine dauerhafte Annexion handelt. Dies würde den Druck auf eine Bevölkerung weiter erhöhen, die bereits in einem der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt lebt. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsgruppe Gisha hat Israel bereits etwa 62 Quadratkilometer oder rund 17 Prozent der Gesamtfläche des Gazastreifens unter seine Kontrolle gebracht. Dies geschah im Rahmen einer Pufferzone um die Ränder des Küstenstreifens.
Gleichzeitig haben israelische Regierungsvertreter erklärt, sie wollten die freiwillige Ausreise von Palästinensern aus dem Gebiet erleichtern. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor gefordert, den Gazastreifen dauerhaft zu evakuieren und unter US-Kontrolle zu einem Küstenresort umzugestalten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu forderte eine Entwaffnung der Hamas. Militärischer Druck sei der beste Weg, die verbliebenen 59 israelischen Geiseln im Gazastreifen zurückzubekommen.
Video: Waffen statt Ruhe: Israel greift Gazastreifen an
Zusammenfassung
- Israel plant, große Gebiete des Gazastreifens zu besetzen, um gegen Terroristen vorzugehen und terroristische Infrastruktur zu zerstören, wie Verteidigungsminister Israel Katz erklärte.
- Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen wurden nach Angaben des palästinensischen Zivilschutzes 15 Menschen getötet, darunter auch Kinder. Die Angriffe trafen unter anderem ein von Flüchtlingen bewohntes Haus in Khan Younis.
- Der Konflikt eskalierte nach einem Hamas-Überfall auf Israel im Oktober 2023, bei dem über 1.200 Menschen getötet wurden. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einem neuen Bodeneinsatz im Gazastreifen.