Songs im Dämmerzustand: Pippa vertont "Träume auf Zement"
Es ist das vierte Album der Schauspielerin und Musikerin, die zuletzt auf dem vor zwei Jahren erschienenen "Blick" unterschiedliche Perspektiven auf das Leben und die Welt durchdeklinierte. Nun rückt eine Dualität, was sowohl Musik als auch Texte betrifft, in den Fokus: "Im Prozess hat sich dieser Kontrast herauskristallisiert. Ich such' den einfach, das hat mich schon immer interessiert", erzählt Pippa im APA-Interview. "Irgendwann war dann klar: So dürfte sich musikalisch eine natürliche Klammer ergeben haben. Wie kann ich das inhaltlich wiedergeben?" Letztlich war der träumerische Blick naheliegend, weil da auch "Fröhlichkeit und Traurigkeit" hineinspielen würden. "Einfach ganz viele Prinzipien."
Herausgekommen sind elf Stücke, die mal zart-melancholisch wie das eröffnende "Reise" wirken, an anderer Stelle in die Tanzbeine fahren ("Verstand") oder Pippas ganz eigene Popdeutung untermauern ("Tauche wieder auf"). Die behutsam gesetzten Worte und Sätze greifen schnell, bieten aber auch beim wiederholten Hören neue Zugänge an, während sich die Musik unwiderstehlich ihren Weg in die Gehörgänge bahnt. Dabei wird sich die Hörerschaft manchmal ertappen und denken: Das klingt doch wie ...? Ja, Stücke wie das gelungene "Nichts tun" sind sehr direkte Ehrerweisungen an die deutsche Band Wir sind Helden und deren Sängerin Judith Holofernes, ohne wie reine Kopien zu wirken. "Ich habe wirklich großen Respekt vor ihr", nickt Pippa. Indierock sei generell eine Inspirationsmusik gewesen.
Zusammenarbeit mit Kristmann "ein Riesengeschenk"
Entstanden sind die Songs großteils mit Moritz Kristmann, der neben Mario Fartacek auch bereits am Vorgängeralbum mitwirkte. "Wir haben eine gemeinsame Sprache entwickelt", so Pippa. "Es ist sehr unaufwendig und gleichzeitig schön, so einen musikalischen Partner zu haben. So eine Kontinuität tut gut." Wobei sie etliche Stücke alleine auf der Gitarre entworfen habe, bevor die gemeinsame Arbeit begann. "Das Gerüst kam also oft von mir." Es sei aber ein Glück, dass Kristmann sich so für das Projekt engagiert. "Und zwar egal ob es funktioniert oder nicht. Er will immer mit mir zusammen kreativ sein. Das ist natürlich ein Riesengeschenk."
Wobei Pippa durchaus Zweifel kennt. Nicht immer habe in ihrer musikalischen Karriere alles so funktioniert, wie erhofft. "Ich habe mir tatsächlich die Frage gestellt: Soll ich es lassen?" Dann sei ihr aber klar geworden: "Ich brauche das und will das machen! Es geht eher um meine innere Haltung dazu. Ich möchte meine Erwartungen soweit wie möglich loslassen und einfach einen Modus finden, wie ich das umsetzen kann, dass es mir nicht so viel Kraft raubt, ich aber trotzdem dran bleiben kann." Als Musikerin gehe es ihr folglich "um die pure Freude und Liebe zur Sache". Nur ein bisschen zu geben, sei da nicht möglich. "Bei mir heißt es: Alles oder nichts", schmunzelt Pippa. "Da muss ich schon schauen, wie ich meine Kräfte einteile."
Inspiration im Dämmerzustand
Kraft und Inspiration könne sie jedenfalls aus ihrer Traumwelt ziehen. "Im Dämmerzustand vorm Einschlafen habe ich phasenweise wirklich ganze Gerüste für Texte geschrieben. Eine Zeit lang hatte ich auch ein Notizbuch neben dem Bett liegen und habe entweder im Aufwachen oder vorm Einschlafen noch Sachen notiert", erzählt Pippa. Für das Album seien dann noch Tagträume hinzugekommen. Sich das zu erlauben, sei ihr "sehr wichtig. Einfach Situationen und Szenarien zu bauen, die man vielleicht nie erleben wird. Das kommt aus einer gewissen Traurigkeit und ist auch melancholisch. Aber es ist dann wie ein Trost, dass man sich Sachen ausmalen kann."
"Mich würde interessieren, wie viele Menschen das tatsächlich machen", wirft Pippa lachend nach. "Für mich ist es ein ganz wichtiger Teil in meinem Leben. Machen das andere auch?" Vielleicht wird man ja durch das Hören von "Träume auf Zement" dazu animiert. Für Pippa ist jedenfalls klar: Ihre musikalische Reise geht weiter. Wohin diese sie führt, ist aber offen. Es gehe nicht darum, einem bestimmten Sound zu folgen. "Ich führe Regie bei meinem Projekt. Es ist mehr als nur Musik, es ist auch Sprache. Ich will gar nicht, dass man mich in eine Schublade steckt." Bisher ist ihr das sicher gelungen. Live stellt Pippa ihr neues Album am 10. April im Wiener Flucc vor.
(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)
(S E R V I C E - www.pippamusik.at; www.instagram.com/pippa.musik)
Zusammenfassung
- Pippa veröffentlicht ihr viertes Album 'Träume auf Zement', das eine Mischung aus Elektronik und Indierock bietet.
- Das Album thematisiert die Dualität zwischen Traumwelt und Realität und besteht aus elf Stücken.
- Pippa arbeitet erneut mit Moritz Kristmann zusammen, der bereits bei ihrem vorherigen Album mitwirkte.
- Sie schöpft Inspiration aus Tag- und Nachtträumen und verarbeitet diese in ihren Texten.
- Pippa präsentiert ihr Album live am 10. April im Wiener Flucc.