Kunst der Transformation - Hollegha-Schau in Graz
Wolfgang Hollegha ist neben Josef Mikl, Markus Prachensky und Arnulf Rainer ein zentraler Vertreter jener Nachkriegs-Avantgarde, die die österreichische Geschichte der abstrakten Malerei entscheidend mitgeschrieben hat. Und er hat bereits in frühen Jahren internationales Interesse erweckt: Nach seinem Studium an der Akademie der bildenden Künste erkannte der New Yorker Kunstkritiker Clement Greenberg sein Talent, blickte Ausstellungskurator Günther Holler-Schuster am Mittwoch beim Ausstellungsrundgang zurück.
Der Wegbereiter für Informel und Colourfield Painting nahm ihn in eine Gruppenausstellung mit den damaligen US-Stars der abstrakten Malerei wie Morris Louis, Barnett Newman, Kenneth Noland und David Smith auf. 1960 holte er den jungen Österreicher zu einer Einzelpräsentation nach New York.
Von Österreich nach New York und zurück
Für Greenberg standen Holleghas Arbeiten für das, was der Sprecher der damaligen Avantgarde in New York mit dem Begriff der 'Flatness' verband: Eine Malerei in der Zweidimensionalität, die keinen Raum illusioniert und sich rein auf das Optische konzentriert. Für Hollegha war die Gegenstandslosigkeit allerdings nicht das Ziel seines künstlerischen Schaffens. "Ich will den Gegenstand nicht zum Verschwinden bringen, sondern mit meinen Mitteln in Malerei verwandeln: Ich will nicht von der Natur weg, sondern mit Hilfe der modernen Abstraktion zur Natur hin", wird Hollegha selbst in der Ausstellung zitiert.
"Er war um 1960 Teil der New Yorker Kunstszene, ist dann aber zurück nach Österreich und kaufte sich nördlich von Graz am Rechberg einen Bauernhof. Dort hat er seinen künstlerischen Weg konsequent, konzentriert und fokussiert weiterentwickelt und hat dabei ein koloristisches Werk ersten Ranges geschaffen", hob Holler-Schuster hervor. Er hat bereits 2016 am Universalmuseum Joanneum die erste große Hollegha-Retrospektive kuratiert.
Überblick über alle Werkphasen
Die Grazer Ausstellung bietet einen eindrucksvollen Überblick über alle Werkphasen - die letzten Gemälde stammen aus den Jahren 2018 und 2019. In den frühen Werken, die am Beginn der monumentalen Ausstellung in den Räumen des Joanneums stehen, kann der klassische Weg der Naturabstraktion nachverfolgt werden. Aus der sichtbaren Welt der Gegenstände wird die Realität der Malerei. Und während er zunächst noch Pinsel verwendet, kommen dann seine Handflächen hinzu, später trägt er auf einer Leiter stehend die Farbe durch Schütten auf die Leinwand auf. In der Ausstellung bieten mehrere filmische Dokumentationen einen Einblick in den Schaffensprozess.
Die Abgeschiedenheit seines Bauernhofs am Rechberg bot Hollegha die Ruhe, die er für seine kreative Arbeit benötigte. Es waren kleine Zweige und Wurzeln, Alltagsobjekte wie Seile und Stricke, hingeworfene Kleidungsstücke oder auch Kinderspielzeug, die immer wieder die Aufmerksamkeit des Künstlers weckten und als Motiv am Beginn seiner künstlerischen Auseinandersetzung standen. "Es waren bis zu 100 Motive, die zum selben Zeitpunkt, überall in seinem Haus verteilt liegen konnten, die durfte man dann nicht berühren, nicht wegräumen. Seine Kinder haben dadurch teilweise ihr Spielzeug verloren", erzählte Holler-Schuster schmunzelnd.
Eintauchen in Form- und Farbwelten
"Das fertige Gemälde ist das, was sich vorher über lange Zeit entwickelt hat. In der Zeichnung versuchte er, den Gegenstand körperlich zu erfassen, während er in der Malerei sehr weit abstrahiert", erklärte Holler-Schuster. Anhand des Motives "Blaue Mütze" haben Besucher beispielsweise die Möglichkeit, die Arbeitsweise über mehrere Arbeiten hinweg nachzuverfolgen. In den großen Räumen und Sälen in der Grazer Neuen Galerie lässt es sich hervorragend in die Entwicklung von Holleghas großformatiger Farb- und Formwelt eintauchen und die Bilder im Hinblick auf die Wahrnehmung des Gegenständlichen, seine Abstraktion bzw. Transformation hin zu hinterfragen.
Im kommenden Jahr kann man Holleghas Werk dann auch erstmals in Deutschland sehen: Das Reinhard Ernst Museum in Wiesbaden übernimmt die Schau und stellt sie in den Kontext der dortigen Sammlung, die einen besonderen Fokus auf Werke der amerikanischen Nachkriegsmalerei gelegt hat.
(S E R V I C E - "Wolfgang Hollegha - Es gibt allerdings Unaussprechliches", bis 2. November 2025, Neue Galerie am Universalmuseum Joanneum, https://www.museum-joanneum.at/ )
Zusammenfassung
- Die Neue Galerie am Universalmuseum Joanneum in Graz widmet Wolfgang Hollegha eine umfassende Ausstellung, die bis zum 2. November 2025 zu sehen ist.
- Hollegha, ein bedeutender Vertreter der Nachkriegs-Avantgarde, wurde international anerkannt und seine Werke aus allen Schaffensphasen, inklusive der letzten Gemälde aus 2018 und 2019, werden präsentiert.
- Im kommenden Jahr wird seine Ausstellung auch im Reinhard Ernst Museum in Wiesbaden zu sehen sein, was seine internationale Bedeutung unterstreicht.