Schüsse im Park
"Bandenkrieg" in Wien: Mordversuchs-Anklage gegen Tschetschenen
Wie Behördensprecherin Nina Bussek am Mittwochabend in einer Presseaussendung bekannt gab, wird dem 30-Jährigen vorgeworfen, am 5. Juli 2024 mit einer Pistole auf fünf Kontrahenten gefeuert zu haben, ohne diese zu treffen. Sein mitangeklagter Bekannter soll ihn zum Park gefahren haben, hieß es von der Staatsanwaltschaft.
Die Kugeln aus der Waffe des 30-Jährigen hatten die Syrer damals nur knapp verfehlt. Zwei von ihnen wurden jedoch durch von Fahrzeugen abprallende Projektile verletzt.
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Der 29-Jährige soll die anderen Männern zusammen mit einem weiteren Beschuldigten attackiert "und dadurch zumindest einen psychischen Beitrag zum versuchten Mord geleistet haben", wie die Staatsanwaltschaft erklärte.
Ein Mann, der bis zuletzt als weiterer Tatverdächtiger gegolten hatte und seit Ende August in U-Haft saß, sei dagegen inzwischen enthaftet worden, teilte Bussek auf APA-Anfrage mit. "Wir konnten ihm eine Tat nicht nachweisen", sagte Bussek. Die Beweise hätten nicht ausgereicht.
Männer schweigen zu Vorwürfen
Die Angeklagten äußerten sich laut Staatsanwaltschaft noch nicht zu den Vorwürfen. "Neben den Aussagen der Opfer sowie unbeteiligter Zeugen führten unter anderem Sachverständigengutachten, der Schmauchspuren- und Tatortbericht sowie die Auswertung von Telefondaten zur Rekonstruktion der Tat", erklärte Bussek.
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Den Männern droht eine Freiheitsstrafe von zehn bis zwanzig Jahren oder lebenslang. Die Anklage ist noch nicht rechtskräftig. Die Angeklagten haben das Recht, innerhalb von 14 Tagen ab Zustellung der Anklageschrift Einspruch bei Gericht zu erheben.
Video: Bandenkonflikte in Wien - Vier Schwerverletzte
Serie an Konflikten
Zündstoff für die heftigen Konflikte soll vor allem ein am 3. Juni im Arthaberpark in Wien-Favoriten angeblich von Syrern niedergestochener und lebensgefährlich verletzter Tschetschene gewesen sein. Im weiteren Verlauf war es am 1. Juli in der Dopschstraße in Wien-Floridsdorf zu einer Auseinandersetzung gekommen.
Den Höhepunkt des Konfliktes lieferten sich die rivalisierenden jungen Männer dann am Wochenende vom 5. bis 7. Juli bei nächtlichen Gewalteskalationen. Mehrere teils bewaffnete Männer gingen zuerst am 5. und 6. Juli in Brigittenau im Bereich Anton-Kummerer-Park/Klosterneuburger Straße, dann nur einen Tag später beim Bahnhof Meidling aufeinander los.
Insgesamt sieben Personen wurden im Zuge der Bandenkämpfe verletzt, vier davon schwer. Der letzte Vorfall ereignete sich am 10. Juli beim Bahnhof Floridsdorf.
Zusammenfassung
- Zwei Tschetschenen wurden nach einer Schießerei im Anton-Kummerer-Park in Wien wegen versuchten Mordes angeklagt. Ein 30-Jähriger soll am 5. Juli 2024 auf fünf Personen geschossen haben, während sein 29-jähriger Bekannter ihn zum Tatort fuhr.
- Die Staatsanwaltschaft gibt an, dass die Schüsse zwei Syrer durch abprallende Projektile verletzten. Insgesamt wurden bei den Auseinandersetzungen zwischen Tschetschenen, Syrern und Afghanen sieben Personen verletzt, vier davon schwer.
- Die Anklage ist noch nicht rechtskräftig, und die Angeklagten haben sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sie können innerhalb von 14 Tagen Einspruch erheben. Ihnen drohen zehn bis zwanzig Jahre oder lebenslange Haftstrafen.