Treibhaus-Emissionen der Luftfahrt fast wie vor Corona
Die Zahlen des VCÖ (Verkehrsclub Österreich) beruhen auf einer Eigenanalyse auf Basis des Kerosinverbrauchs in Österreich. Vor zehn Jahren im Jahr 2014 verursachte der Flugverkehr in Österreich 2,1 Millionen Tonnen Treibhausgase, vor 20 Jahren im Jahr 2004 rund 1,8 Millionen Tonnen. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gehen rund 3,5 Prozent der Klimaerwärmung weltweit auf das Konto des Flugverkehrs. Dabei geht aber nur ein Drittel der Klimawirkung auf CO2-Emissionen zurück, die anderen beiden Drittel sind demnach auf Nicht-CO2-Effekte zurückzuführen.
"Die Klimakrise verschärft sich rapide. Deshalb ist es essenziell, dass auch die Emissionen des Flugverkehrs erstens schnell und zweitens deutlich reduziert werden", betonte VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky. Unternehmen könnten einen Beitrag leisten, indem sie einen Teil der Geschäftsflüge durch Videokonferenzen ersetzen und einen weiteren Teil dort, wo es möglich ist, auf Bahn oder Bus verlagern. Laut Umweltbundesamt verursache auf der Kurz- und Mittelstrecke ein Flug rund 27 Mal so viel CO2 pro Personenkilometer wie die Reise mit der Bahn, betonte der VCÖ.
Zudem ist der Mobilitätsorganisation zufolge auch der Einsatz von E-Kerosin zu beschleunigen. Das Verbrennen von Kerosin verursache neben Treibhausgasen auch Schadstoffe. Vor allem im Umfeld großer Flughäfen erhöhe der Flugverkehr die gesundheitsschädliche Feinstaubbelastung, wie eine im Vorjahr publizierte Studie des niederländischen Instituts CE Delft zeige. Eine Erhebung des Umweltbundesamts für Wien-Schwechat kam laut VCÖ im Jahr 2024 zum Ergebnis, dass "die Messstellen im Bereich des Flughafens insgesamt höheren Emissionen Ultrafeiner Partikel ausgesetzt sind als der großstädtische Bereich". Der VCÖ weiter: "Die Konzentrationen Ultrafeiner Partikel zeigen einen deutlichen Zusammenhang mit der Anzahl der Flugbewegungen pro halber Stunde."
"Trotz der großen Klimaschädlichkeit zahlen Flugkonzerne für den Flugtreibstoff Kerosin keine Mineralölsteuer", kritisierte die Mobilitätsorganisation. Werde die Mineralölsteuer für Eurosuper als Basis genommen, dann betrug im Vorjahr die Steuerbegünstigung für den Flugverkehr in Österreich rund 570 Millionen Euro, machte der VCÖ aufmerksam. Die Profiteure seien demnach Vielflieger. Laut dem Mikrozensus der Statistik Austria aus dem Jahr 2023 reisten lediglich sieben Prozent der Bevölkerung mehr als dreimal mit dem Flugzeug.
Der VCÖ forderte nicht zuletzt deshalb auf EU-Ebene das Ende der Steuerbefreiung von Kerosin für Flugunternehmen. Zudem seien die EU und ihre Mitgliedstaaten gefordert, das grenzüberschreitende Bahnangebot auszubauen und zu verbessern. "Europa braucht mehr Bahn. Die Infrastruktur ist auszubauen und zu modernisieren, die Zahl internationaler Verbindungen deutlich zu erhöhen und das Buchen und Planen internationaler Bahnreisen muss einfacher werden", betonte VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky.
Zusammenfassung
- Die Treibhausgas-Emissionen des Flugverkehrs in Österreich erreichten im Vorjahr mit 2,97 Millionen Tonnen fast das Niveau von 2019, was einer Zunahme von elf Prozent gegenüber 2023 entspricht.
- Der VCÖ fordert die Einführung einer Kerosinsteuer und kritisiert die Steuerbegünstigung von 570 Millionen Euro für Flugtreibstoff, während nur sieben Prozent der Bevölkerung mehr als dreimal jährlich fliegen.
- Flugverkehr trägt weltweit zu 3,5 Prozent zur Klimaerwärmung bei, wobei der VCÖ den Ausbau des Bahnverkehrs und die Nutzung von E-Kerosin als notwendige Maßnahmen zur Emissionsreduktion sieht.