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Vorbild Dänemark

Wehrpflicht für Frauen? Das sagt Ministerin Tanner

27. März 2025 · Lesedauer 3 min

Dänemark führt als zweites Land in der EU die Wehrpflicht für alle ein. Ab dem kommenden Jahr können dann nicht nur 18-jährige Männer eingezogen werden. Kann sich da auch Österreich etwas abschauen? Das sagt Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP).

Norwegen, Schweden und jetzt auch Dänemark. Die skandinavischen Länder dienen in vielen Bereichen als Vorbild. So auch bei der Gleichstellung von Mann und Frau. 

Denn dort können alle ins Heer eingezogen werden – unabhängig ihres Geschlechts. In Norwegen gilt die Wehrpflicht für alle seit 2015, Schweden zog 2017 nach und in Dänemark wird es ab 2026 so weit sein.

Däninnen, die nach dem 1. Juli 2025 ihren 18. Geburtstag feiern, können ab 2026 ins Militär eingezogen werden. Zudem wird die Wehrpflicht von vier auf elf Monate verlängert. 

Auch nach den Neuerungen gilt weiterhin, dass nur ein Teil eines Jahrgangs einberufen wird. Der Hintergrund – abseits der Gleichberechtigung – ist klar: Dänemark will wie viele anderen Länder in Europa kräftig aufrüsten – die Sorge vor einem größeren Krieg ist groß.

Video: Wehrpflicht für Frauen?

Auch Österreich muss aufrüsten

Auch das österreichische Bundesheer ist aufgrund der Sicherheitsbedenken zurück in den Fokus gerückt. Klar ist, dass es massive Investitionen braucht, damit sich ein neutrales Österreich ansatzweise selbst verteidigen kann. Bis 2032 sollen die Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen – das wäre mehr als eine Verdoppelung in sieben Jahren. 

Zudem hat das Bundesheer ein Personalproblem. Nun gibt es Überlegungen, den Grundwehrdienst für die rund 15.000 Rekruten pro Jahr von sechs auf acht Monate zu verlängern.

Personalproblem – Wehrpflicht für alle? 

Der Grundwehrdienst dient dem Bundesheer auch als Rekrutierungsbasis für Berufssoldaten. Nach einigen Monaten "hineinschnuppern" entscheiden sich dann mehr Leute dafür, eine Karriere im Heer einzuschlagen. 

Frauen müssen zeitnah wohl aber nicht ins Heer. "Solange die Frauen nicht gleichgestellt sind den Männern, nämlich in jedem Bereich, macht das für mich keinen Sinn", reagierte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP). 

Dänemark diene in Sachen Wehrpflicht aber deshalb nicht als Vorbild, da Österreich "diese Gleichstellung in vielen Bereichen noch nicht hat", so Tanner. 

Möglichkeit statt Pflicht

Frauen können schon jetzt freiwillig zum Heer, die Frauenquote beträgt derzeit sechs Prozent. Da mit einer Wehrpflicht für alle gegenzusteuern, ist aber wohl keine Option. Tanner wünscht sich stattdessen, "den Frauen die Möglichkeit zu geben", dabei solle es "keine Hürden geben", wenn sie es denn wollen. 

Ein Beispiel: Erst im Februar wurde die erste Frau in den Rang eines Generalmajors befördert. Tanner übertrug Sylvia Sperandio die Leitung der Direktion 8 - Militärisches Gesundheitswesen. 

Für eine Gleichberechtigung im Heer gibt es also noch viel zu tun. Davor sollte diese aber in anderen Gesellschaftsbereichen vorangebracht werden, bevor auch Frauen durch die Grundausbildung müssen, meint zumindest die Verteidigungsministerin. 

Zusammenfassung
  • Dänemark führt als zweites Land in der EU die Wehrpflicht für alle ein.
  • Ab dem kommenden Jahr können dann nicht nur 18-jährige Männer eingezogen werden.
  • Kann sich da auch Österreich etwas abschauen?
  • Das sagt Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP).