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"Mangel an Respekt"

Streit um Grönland: Dänemark kritisiert Ton von J.D. Vance

29. März 2025 · Lesedauer 5 min

"So redet man nicht mit engen Verbündeten". Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen hat US-Vizepräsident J.D. Vance am Samstag harsch zurechtgewiesen. Dieser hatte bei einem Grönland-Besuch Dänemark kritisiert und US-Ansprüche auf die Arktis erneuert.

Der Streit um Grönland erreicht einen neuen Höhepunkt: J.D. Vance, US-Außenminister und Getreuer von Präsident Donald Trump, besuchte am Freitag den amerikanischen Militärstützpunkt Pituffik in Grönland.

Die Basis, die bis vor zwei Jahren Thule Air Base hieß, gilt als weltweit nördlichste Militäreinrichtung der USA. Sie hat große Bedeutung für die globale Raketenabwehr und die Weltraumüberwachung. Offiziell standen dort für Vance ein Briefing über die Sicherheitslage in der Arktis und eine Begegnung mit den stationierten US-Soldaten an.

"Wir brauchen Grönland"

Vance schlug bei seinem Besuch aber scharfe Töne in Richtung Dänemark an: "Unsere Botschaft an Dänemark ist einfach: Sie haben keine gute Arbeit für die Menschen in Grönland geleistet". "Sie haben zu wenig in die Menschen in Grönland investiert und Sie haben zu wenig in die Sicherheitsarchitektur dieser unglaublichen, wunderschönen Landmasse investiert."

Zugleich sagte Vance hinsichtlich der US-Pläne in Grönland: "Wir glauben nicht, dass militärische Gewalt jemals notwendig sein wird." Stattdessen werde US-Präsident Donald Trump in der Lage sein, ein Abkommen mit Grönland auszuhandeln.

Was sind die US-Pläne? US-Präsident Donald Trump hatte bereits mehrfach geäußert, dass die USA sich Grönland einverleiben wollen. "Wir brauchen Grönland", sagte Trump erst am Freitag. "Wir haben keine andere Wahl."

Video: Warum wollen die USA Grönland?

Für die internationale Sicherheit und den Weltfrieden sei es sehr wichtig, "dass wir Grönland haben". Trump meinte: "Es geht nicht um die Frage: Können wir darauf verzichten? Das können wir nicht." Auf den Wasserstraßen rund um die Insel im Nordatlantik seien "überall chinesische und russische Schiffe" unterwegs. Man könne sich nicht auf Dänemark verlassen, sich darum zu kümmern.

"So redet man nicht mit Verbündeten"

Die weitgehend autonome Insel Grönland gehört aber eigentlich zum Königreich Dänemark. Und dort reagierte man nun mit scharfer Kritik an Vance und Trump: Dänemark sei offen für Kritik, so Außenminister Rasmussen. "Aber um ganz ehrlich zu sein: Wir schätzen den Ton, in dem das vorgetragen wird, überhaupt nicht." 

"So redet man nicht mit engen Verbündeten - und ich betrachte Dänemark und die USA immer noch als enge Verbündete", meinte der dänische Chefdiplomat in einem Video auf der Plattform "X", das nur Stunden nach Vances Besuch auf Grönland hochgeladen wurde.

"Der Status quo ist keine Option"

Obwohl er seine Worte an "unsere amerikanischen Freunde und alle anderen, die zuhören" adressierte, bezog er sich eindeutig auf Vances Rede. Rasmussen bot Gespräche über eine stärkere US-Militärpräsenz auf Grönland an. Das gemeinsame Verteidigungsabkommen von 1951 biete dafür reichhaltige Möglichkeiten.

"Wenn es das ist, was ihr wollt, lasst uns darüber reden", so der liberale Politiker. Er führte aus, wie die USA ihre Militärpräsenz auf der zu Dänemark gehörenden Insel seit 1945 drastisch verringert haben. "Wir können innerhalb der Vereinbarung, die wir haben, viel mehr tun", sagte Rasmussen.

Konkret auf Vances Kritik an Kopenhagen entgegnete er: "(...) Fakt ist, dass wir alle vom Frieden profitiert haben. Wir haben alle in der Annahme gehandelt, dass die Arktis eine Region niedriger Spannungen war und sein sollte. Doch diese Zeiten sind vorbei. Der Status quo ist keine Option." Dänemark habe daher bereits eine Milliarde US-Dollar an Investitionen in die Sicherheit der Arktis beschlossen. Es dürfe auch nicht vergessen werden, dass Grönland Teil der NATO sei, fügte Rasmussen hinzu.

Dänische Regierungschefin wies US-Kritik zurück

Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen wies die Kritik aus den USA ebenfalls zurück. Die Bemerkungen des US-Vizepräsidenten träfen nicht zu, erklärte sie am Abend. Dänemark sei bereit, beim Thema arktische Sicherheit "Tag und Nacht mit den Amerikanern zu kooperieren".

Sie betonte zudem: "Viele Jahre lang haben wir den Amerikanern in sehr schwierigen Situationen zur Seite gestanden". Dabei bezog sie sich auf die dänischen Kampfeinsätze an der Seite der US-Truppen im Irak und in Afghanistan. 

Grönland beklagt "Mangel an Respekt" 

Auch die grönländische Politik hat sich immer wieder deutlich gegen die Avancen Trumps ausgesprochen. Auch eine breite Mehrheit der Inselbevölkerung selbst ist einer Umfrage zufolge dagegen, wie von Trump angeboten, ein Teil der USA zu werden.

Jens-Frederik NielsenAFP

Jens-Frederik Nielsen

Grönlands neuer Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen sagte am Freitag, der US-Besuch signalisiere einen "Mangel an Respekt". Die Regierungsparteien hatten nur Stunden vor der Ankunft von Vance erklärt, mit Dänemark über den künftigen Status der Insel sprechen zu wollen. Dänemarks König Frederik gab im Internet eine Unterstützungserklärung ab: "Wir leben in einer veränderten Realität. Es sollte keinen Zweifel daran geben, dass meine Liebe zu Grönland und meine Verbundenheit mit den Menschen in Grönland ungebrochen sind."

Vor der US-Botschaft in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen versammelten sich unterdessen Hunderte, um gegen die US-Fantasien von einer Übernahme Grönlands zu demonstrieren. Mit Slogans wie "Grönland steht nicht zum Verkauf" und "Zurück, USA!" brachten sie ihren Unmut zum Ausdruck.

Grönland ist die größte Insel der Erde. Sie liegt geografisch betrachtet auf dem nordamerikanischen Kontinent und reicht bis in die Arktis. Die Insel hat eine große Bedeutung für das Weltklima und für die militärische Kontrolle der Arktis, sie ist zudem reich an Rohstoffen wie seltenen Erden. Außerdem verlaufen in der Region wichtige Schifffahrtsrouten.

Zusammenfassung
  • Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen kritisierte den Ton von US-Vizepräsident J.D. Vance bei dessen Kritik an Dänemarks Rolle in Grönland.
  • Rasmussen bot Gespräche über eine stärkere US-Militärpräsenz auf Grönland an, basierend auf dem Verteidigungsabkommen von 1951.
  • Dänemark hat bereits eine Milliarde US-Dollar (926,18 Mio. Euro) in die Sicherheit der Arktis investiert, um auf veränderte geopolitische Bedingungen zu reagieren.
  • Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen beklagte einen Mangel an Respekt seitens der USA während des Besuchs von Vance.
  • US-Präsident Donald Trump bekräftigte seine Absicht, Grönland in die USA einzugliedern, um die internationale Sicherheit zu gewährleisten.