"Unabhängiger Neuanfang" der "Wiener Zeitung" gefordert
"Gerade das Wahljahr 2024 hat gezeigt, dass in der aufgeregten Debatte - allen voran in sozialen Medien - eine weitere unabhängige und ausgewogene mediale Stimme gefehlt hat", wird Jelinek in der Stellungnahme zitiert. "Leider sind alle anlässlich der willkürlichen Zerschlagung der 'Wiener Zeitung' im Jahr 2023 geäußerten Warnungen missachtet worden. Alle demokratiepolitischen Befürchtungen sind eingetreten."
Entgegen der Ankündigungen der früheren Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) sei "kein hochwertiges Printprodukt nachgefolgt, sondern lediglich zwei einfache Broschüren", wie es heißt. In jener für junge Leserinnen und Leser gedachten Publikation würden "farbentragende Studentenverbindungen viel unkritische redaktionelle Aufmerksamkeit erhalten". Online liefere ein externer Dienstleister unter dem Namen "Wiener Zeitung" für YouTube und TikTok zu. All das werde "mit Millionen aus dem Bundesbudget finanziert". Die Unterzeichner fordern von der neuen Regierung Gesetzesänderungen, die im Eigentum der Republik stehende Wiener Zeitung GmbH müsse "aus dem Würgegriff des Bundeskanzleramtes" befreit werden.
Chefredakteurin Schmidt: "Substanzlose Vorhaltungen"
"Wiener Zeitung"-Chefredakteurin Katharina Schmidt zeigte sich gegenüber der APA verärgert. "Das sind Vorhaltungen, die substanzlos und einfach falsch sind", so Schmidt. In den vergangenen eineinhalb Jahren habe man eindeutig bewiesen, "dass wir nicht im Würgegriff des Bundeskanzleramts sind". Vielmehr hätten zahlreiche investigative Recherchen "deutlich gezeigt, dass wir von keiner Partei in welcher Form auch immer abhängig sind und auch von sonst niemandem". Als Redaktion sei man "maximal unabhängig".
Das Printprodukt "Wiener Zeitung" wiederbeleben zu wollen, sei "auch einfach sachlich eine schlechte Idee". Man verfüge derzeit nur mehr über ein Drittel des Budgets, erreiche jedoch deutlich mehr Menschen als früher. "Das Wichtige ist, wir erreichen auf unseren digitalen Kanälen gerade diejenigen, die der Qualitätsmedienmarkt jetzt braucht: Nachrichtenverweigerer und Nachrichtenvermeider schauen bei uns wieder Nachrichten." Gerade in Hinblick auf den gesetzlich vorgeschriebenen Demokratiebildungsauftrag erreiche man "sehr viel". Im Monatsschnitt nennt sie 7 Millionen Impressions auf Instagram, 4 Mio. auf TikTok, 233.000 Visits auf YouTube und 5 Mio. Visits auf der Website.
Unterzeichner "nicht unsere Zielgruppe"
Das seit Juli 2024 erscheinende und von nun kritisierte Print-Magazin für junge Menschen setze in jeder Ausgabe einen Schwerpunkt. Einer davon war zu Semesterbeginn die Bildung, weshalb man "ganz neutral" unterschiedliche studentische Lebensformen vorgestellt habe. "Unser öffentlich-rechtlicher Auftrag beinhaltet, dass wir Menschen in ganz Österreich erreichen - das betrifft auch unterschiedliche Lebensrealitäten." Darunter sei auch ein Verbindungsstudent gewesen. "Das war aber kein Burschenschafter mit einem Säbel."
Schmidt betont weiters, dass sie die erste Chefredakteurin der "Wiener Zeitung" sei, die nicht im Einvernehmen mit dem Bundeskanzler bestellt werden musste. Warum die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des Briefes nach eineinhalb Jahren an die Öffentlichkeit gehen, sei ihr schleierhaft. Nachsatz: "Aber sie sind auch nicht unsere Zielgruppe."
Zusammenfassung
- Prominente Kulturschaffende fordern einen 'unabhängigen Neuanfang' für die 'Wiener Zeitung', die seit 2023 nur mehr als Online-Magazin erscheint. Sie kritisieren das Fehlen einer unabhängigen medialen Stimme im Wahljahr 2024.
- Chefredakteurin Katharina Schmidt weist die Vorwürfe als substanzlos zurück und betont die Unabhängigkeit der Zeitung von politischen Einflüssen. Sie hebt hervor, dass die 'Wiener Zeitung' digital mehr Menschen erreicht als zuvor im Print.
- Die 'Wiener Zeitung' verzeichnet monatlich 7 Millionen Impressions auf Instagram, 4 Millionen auf TikTok, 233.000 Visits auf YouTube und 5 Millionen Visits auf der Website. Diese Reichweite wird als Erfüllung des Demokratiebildungsauftrags gesehen.