Podcast als Liveevent: "Mord auf Ex" gastierte in Wien
Man hätte glauben können, Harry Styles sei in der Stadt. Noch kurz vor 20 Uhr gab es lange Schlangen vor der Stadthalle, im Foyer bildeten sich Menschentrauben vor den Merchandiseständen. Viele der hauptsächlich Unter-20-Jährigen waren mit ihren Freundinnen gekommen, einige mit ihren Müttern, wenige mit ihren "Boyfriends", für die "wir auch extra die Pyro-Technik ausgepackt haben", wie Schütze süffisant zum Auftakt erklärte. Für die 19-jährige Mara, die eigens aus Leoben angereist war, sind die beiden Podcasterinnen in den vergangenen Jahren "gefühlt so etwas wie Freundinnen" geworden, wie sie im APA-Gespräch sagte. Sie sei erst vor zwei Jahren auf "Mord auf Ex" gestoßen, habe mittlerweile aber alle der wöchentlich erscheinenden Episoden aus fünf Jahren nachgehört. "Für mich sind die zwei Role-Models, weil sie starke, selbstbewusste Frauen sind, die es aus eigener Kraft weit gebracht haben", ergänzte ihre Cousine Caroline.
"Uns ist vollkommen klar, dass es gerade in so einer großen Arena für die Menschen auch anstrengend sein kann, aktiv zwei Stunden nur zuzuhören", hatte Leonie Bartsch vorab im APA-Interview erklärt. "Normalerweise hört man Podcasts ja beim Fahrradfahren, beim Aufräumen oder auf dem Weg zur Arbeit. Es ist ein Nebenbeimedium geworden." Wann und wie die Fans den Podcast hören, testete das Duo gleich zu Beginn des zweieinhalbstündigen Abends aus, indem das Saalpublikum aufstehen und Fragen wie "Wer hört True Crime zum Einschlafen?" oder "Wer hat alle Folgen bereits zweimal gehört?" durch Stehenbleiben oder Hinsetzen beantworten musste. Gut aufgewärmt startete man sodann in die Show, die auf der die Bühnenrückwand ausfüllenden Leinwand vom deutschen TV-Moderator Steven Gätjen eingerahmt wurde. Da der Fall im Jahr 2001 spielt, war er es, der die einzelnen Kapitel in Form von Videokassetten auf einem Röhrenfernseher abspielte.
Die Bühne selbst glich einer Straßenkreuzung in Hollywood: Im Hintergrund eine digital generierte Gasse mit Cafés und Restaurants, rechts die Kulisse von "Vitello's Italian Restaurant", links eine Polizeistation, daneben eine dreiköpfige Liveband und in der Mitte zwei Fauteuils auf einem Podest. "Wir werden visuell werden", hatten die beiden zuvor angekündigt, und so wurde die Erzählung rund um den Mord an Bonnie Lee Bakley (der Ehefrau des US-Schauspielers Robert Blake, dem der Mord an seiner Frau nie nachgewiesen werden konnte) von zahlreichen Einspielungen begleitet. So ließen sich Bartsch und Schütze bei ihrem Besuch in Hollywood mit der Kamera begleiten und streuten so manch ironische Szene - etwa Pilates am Strand im neonfarbenen Sportoutfit - ein. Auch alte Fotos des Mordopfers sowie ein emotionales Interview mit der Schwester der Verstorbenen flimmerte über die Leinwand in der Mitte, während eine Livekamera die beiden Podcasterinnen auf die Leinwände links und rechts der Bühne übertrug.
Souveräner Auftritt vor großem Publikum
Die Aufregung, die den beiden im Vorfeld anzumerken war, war auf der Bühne wie weggeblasen. Bereits beim von Feuerwerken begleiteten ersten Auftritt bewegten sich die beiden sicher in einem roten und pinken Oversize-Hosenanzügen über die Bühne, bevor Bartsch und Schütze den restlichen Abend in unterschiedlichen Abendkleidern mondän bestritten, während einzelne Szenen wie etwa die Polizeiarbeit von Statisten nachgespielt wurden. Einzig die Idee, ein Gespräch zwischen den beiden Ehepartnern mit einem Schachspiel zu vergleichen, während die beiden Podcasterinnen in grotesk anmutenden Schleiern die Figuren auf dem Feld bewegten, schoss über das Ziel hinaus und wirkte wie ein Fremdkörper in diesem perfekt durchchoreografierten Abend, an dem auch die bereits zum Kult avancierte "Podcast-Oma" einen zugespielten Auftritt hatte.
Bartsch und Schütze vermögen nicht nur in der intimen Atmosphäre des Podcast-Studios zu überzeugen, sondern haben auch ein Tausende Menschen zählendes Livepublikum im Griff. Dass die beiden Podcasterinnen (Jahrgang 1994 und 1996) sich ihres Einflusses auf junge Menschen durchaus bewusst sind, zeigten sie zuletzt vor der deutschen Bundestagswahl mit einer Folge über den Auschwitz-Arzt Josef Mengele. "Wir finden es jetzt wichtiger denn je, dass wir gerade diese Verbrechen nicht vergessen", unterstrichen die beiden. Das österreichische Publikum haben sie mit ihrem Liveauftritt in jedem Fall begeistert. Standing Ovations beendeten den Abend.
(Von Sonja Harter/APA)
(S E R V I C E - www.aufex.de)
Zusammenfassung
- Die Podcasterinnen Leonie Bartsch und Linn Schütze brachten ihre erfolgreiche Show 'Mord auf Ex' in die Wiener Stadthalle, die als Teil der größten Podcast-Tour Deutschlands gilt.
- Das Event zog ein junges Publikum an, das von der aufwendigen Inszenierung mit Pyrotechnik und Liveband begeistert war.
- Im Mittelpunkt der Show stand ein True Crime-Fall aus Hollywood, der durch visuelle Medien und interaktive Elemente lebendig präsentiert wurde.
- Bartsch und Schütze sind sich ihres Einflusses auf junge Menschen bewusst und thematisierten auch gesellschaftlich relevante Themen.
- Die Show endete mit Standing Ovations, was die Begeisterung des Publikums für die innovative Präsentation widerspiegelte.