Proteste in Südkorea gegen Absetzung von Präsident Yoon
"Die Entscheidung des Verfassungsgerichts hat die freie Demokratie in unserem Land zerstört", sagte eine Demonstrantin der Nachrichtenagentur AFP. Mit Blick auf die Zukunft sei sie "zutiefst besorgt", fügte die 26-Jährige hinzu.
Das Verfassungsgericht des ostasiatischen Landes hatte am Freitag einstimmig die Absetzung Yoons bestätigt, für die das Parlament gestimmt hatte. Yoon hatte Südkorea mit einer kurzzeitigen Ausrufung des Kriegsrechts vor vier Monaten in eine tiefe politische Krise gestürzt. Die drastische Maßnahme hatte er mit einem Budgetstreit begründet.
Das Parlament in Seoul votierte daraufhin für die Absetzung Yoons, die Staatsanwaltschaft leitete strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn ein. Immer wieder gab es seitdem Massenproteste für und gegen Yoon.
Nach der Verkündung des Urteils am Freitag gab es auch Szenen des Jubels in Seoul. Gegner Yoons fielen sich in die Arme und vergossen Freudentränen.
Oppositionsführer Lee aussichtsreicher Kandidat bei Neuwahl
Nach der Absetzung Yoons gilt Oppositionsführer Lee Jae-myung als aussichtsreicher Kandidat bei einer Neuwahl. Er und seine Partei nehmen eine versöhnlichere Haltung gegenüber Nordkorea ein als Yoon.
"Ich glaube, dass Südkorea am Ende ist", sagte ein Demonstrant mit Blick auf eine Kandidatur Lees. "Es fühlt sich an, als wären wir bereits in einen sozialistischen, kommunistischen Staat übergegangen."
Zusammenfassung
- Tausende Menschen protestierten in Seoul gegen die Absetzung von Präsident Yoon Suk-yeol, nachdem das Verfassungsgericht die Entscheidung des Parlaments bestätigt hatte.
- Innerhalb von 60 Tagen muss eine Präsidentschaftswahl stattfinden, bei der Oppositionsführer Lee Jae-myung als aussichtsreicher Kandidat gilt.
- Yoons Absetzung erfolgte nach der Ausrufung des Kriegsrechts wegen eines Budgetstreits, was zu einer tiefen politischen Krise führte.