APA/ANGELIKA GRABHER-HOLLENSTEIN

Literaturhaus Vorarlberg feierlich eröffnet

Heute, 10:44 · Lesedauer 4 min

Als letztes der Bundesländer hat nun auch Vorarlberg ein eigenes Literaturhaus. Es wurde am Samstag in der frisch renovierten, denkmalgeschützten Villa Iwan und Franziska Rosenthal in Hohenems feierlich eröffnet. Gedacht als partizipative Plattform und "Ort für alle" wurde das Haus für die Bevölkerung zur Entdeckung freigegeben. Geboten wird ein buntes Programm, abseits ausgetretener Pfade und "Wasserglas-Lesungen".

Hohenems ist seit jeher eng mit Literatur und dem Lesen verbunden: So eröffnete hier 1797 mit dem ersten Kaffeehaus Vorarlbergs ein wichtiger Leseort, Ende des 18. Jahrhunderts wurden Abschriften des Nibelungenlieds im Hohenemser Palast entdeckt, Autoren wie Jean Amery und Stefan Zweig hatten ihre Wurzeln in der Stadt, die heute das Zuhause des Schriftstellerpaars Michael Köhlmeier und Monika Helfer ist - und nun auch Standort des Literaturhauses Vorarlberg. Geschäftsführerin Frauke Kühn und ihr Team wollen sowohl für Literaturkundige ein Angebot sein als auch neues Publikum begeistern. Das Haus soll ein "Ort für alle" sein. Am Samstag nutzten zahlreiche Besucher und Besucherinnen die Gelegenheit, einen Blick in die revitalisierten historischen Räumlichkeiten zu werfen.

Das Literaturhaus wird vom Verein "literatur.ist" getragen und entstand aus einem Projekt des Autorenverbands "Literatur Vorarlberg". In einem langjährigen Prozess, gefördert von Bund, Land und Stadt, wurde das inhaltliche Konzept ausgearbeitet, das unter anderem Schwerpunkte setzt auf das Prozesshafte des Schreibens, Sprachspiele und -experimente, Impulse in Richtung Europa, Graphic Novels, Übersetzung und Vermittlung, auf Kooperation, Vernetzung und Partizipation.

Die Idee, ein solches Haus zu schaffen, zunächst geplant als Vernetzungsplattform, nicht als konkreter Ort - kam erstmals 2008 auf, so Wolfgang Mörth von Literatur Vorarlberg. Während der Amtszeit von sechs Kulturlandesräten habe sich das Projekt immer mehr konkretisiert. "Wir wollten eine Ergänzung, nicht eine Konkurrenz. Es dauerte, bis das alle verstanden hatten", sprach Mörth Vorbehalte mancher Literaturaktiver an. 2017 kam das Standortangebot der Stadt Hohenems, für Mörth das "literarische Zentrum Vorarlbergs". Mit dem Literaturhaus bestehe nun die Möglichkeit, Literatur sichtbarer zu machen und junge Menschen sowie bisher nicht Interessierte für Sprache zu begeistern. "Wir wollen ein belebtes Haus", betonte er die Hoffnung, dass der neue Ankerpunkt auf Vorarlbergs literarischer Landkarte gut angenommen wird.

Ein Haus wie dieses als "kleines Wunder"

Maßgeblich begleitet wurde der Werdungsprozess von Geschäftsführerin Kühn. "So ein Haus darf man wahrscheinlich nur einmal im Leben entwickeln, in der Freiheit, die ich hier hatte", so die sichtlich gerührte Kulturmanagerin, die mit ihrem Team bereits während der Bauzeit Veranstaltungen in dem alten Gemäuer erprobte und den Austausch mit der Bevölkerung suchte. "Ein Haus heute so eröffnen zu können, in Zeiten wie diesen - das ist ein kleines Wunder und ein starkes Signal, das Bund, Land und Stadt hier setzen", lobte sie die Fördergeber, die selbst in Corona-Zeiten und bis heute ein verlässlicher Partner geblieben seien. Angesichts knapper Ressourcen danke man der Liechtensteiner H.E.M. Stiftung für ihre Unterstützung, man suche für das zukünftige Programm weiter nach Partnern.

Live-Lektorate, Literatur-Apotheke und vieles mehr

Zur Eröffnung fanden sich am Samstagnachmittag unter anderem Raphaela Edelbauer, Hengameh Yaghoobifarah und Nando von Arb ein, die Einblicke in ihre Bücherregale und Lieblingswidmungen boten. Mit dem Besuch der Schreibenden spannte sich der Bogen in die DACH-Region. Angeboten werden im aktuellen Programm des Hauses Schreibworkshops und -sprechstunden, Silent-Reading-Partys, Poetry Slams, Live-Lektorate, eine Comic-Ausstellung zu Kafka, eine literarische Apotheke sowie Literatur- und Autorengespräche. Geöffnet ist das Haus nicht nur zu Veranstaltungen, sondern auch untertags als Schreib- und Leseort.

Ursprünglich war die Eröffnung für 2023 vorgesehen, zuvor begleitet von Literaturprojekten. Doch die Pandemie und technische Schwierigkeiten - in der Ende des 19. Jahrhunderts im Auftrag des Textilindustriellen Iwan Rosenthal und seiner Frau Franziska erbauten Villa gab es kaum moderne Infrastruktur - erwiesen sich als Hemmnisse. So werkte das Team bis zur Eröffnung "ohne Haus" in Schulen, im öffentlichen und digitalen Raum.

(S E R V I C E - Literaturhaus Vorarlberg, Radetzkystraße 1, Hohenems. Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Freitag 10 - 17 Uhr, Donnerstag 12 - 19 Uhr sowie zu Veranstaltungen. https://literatur.ist )

Zusammenfassung
  • Vorarlberg hat nun mit der Eröffnung des Literaturhauses in der Villa Iwan und Franziska Rosenthal in Hohenems sein eigenes Literaturhaus erhalten.
  • Die Eröffnung, die ursprünglich für 2023 geplant war, wurde durch die Pandemie verzögert, fand aber nun mit zahlreichen Besuchern statt.
  • Das Literaturhaus bietet ein vielfältiges Programm mit Schreibworkshops, Poetry Slams und einer literarischen Apotheke, gefördert von Bund, Land und Stadt.