Hochansteckend
Maul- und Klauenseuche: So gefährlich ist das Virus wirklich
Immer wieder kommt es in Europa zu Ausbrüchen der Maul- und Klauenseuche (MKS). Aktuell kämpfen die Slowakei und Ungarn gegen Infektionen. Österreich setzt nun gezielte Maßnahmen, um eine Einschleppung des Virus zu verhindern. PULS 24 liefert die wichtigsten Informationen zur Maul- und Klauenseuche.
Was ist die Maul- und Klauenseuche überhaupt?
Laut der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ist die Maul- und Klauenseuche (MKS) eine hochansteckende Viruserkrankung bei Rindern, Büffeln, Schweinen, Ziegen, Schafen und anderen Paarhufern. Auch wildlebende Paarhufer wie Hirsche oder Wildschweine können sich mit dem Virus infizieren.
Wie verbreitet sich das Virus?
Eine Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, deren Erzeugnissen wie Milch, Fleisch oder Samen sowie durch deren Ausscheidungen oder kontaminierte Gegenstände.
Zudem kann das Virus über die Luft große Entfernungen von bis zu 60 Kilometern über Land zurücklegen.
Video: Maul- und Klauenseuche: "Eine der gefährlichsten Viruserkrankungen"
Können sich auch Menschen anstecken?
Ja, bei unmittelbarem und intensivem Kontakt mit erkrankten Tieren können sich gelegentlich auch Menschen mit dem Virus infizieren. Dies führt in der Regel aber nicht zu einer Erkrankung. Die Maul- und Klauenseuche gilt für Menschen nicht als gefährlich.
Ist MKS für mein Haustier gefährlich?
Nein, für "andere Tiere als Klauentiere stellt das Virus keine Gefahr dar", betont das Gesundheitsministerium. Auch Pferde und Esel sind für die MKS "nicht empfänglich", da es sich bei ihnen um keine Paarhufer handelt.
Obwohl Haustiere nicht direkt gefährdet sind, sollten Tierhalter einige Vorsichtsmaßnahmen beachten: So gilt es, Haustiere von landwirtschaftlichen Betrieben oder Weideflächen fernzuhalten und höchste Hygienestandards zu beachten.
Wie äußert sich die Krankheit?
Bei allen betroffenen Tierarten treten allgemeine Symptome wie Blasenbildung im Maul, an den Klauen und am Euter auf. Zudem kommt es laut AGES zu Fieber, Schmerzen, Apathie, Appetitlosigkeit, Lahmheit und einer verringerten Milchleistung.
Die Erkrankung kann eine Morbidität von 100 Prozent erreichen – und somit alle Tiere eines Bestands infizieren. Während die Sterblichkeit bei erwachsenen Tieren meist niedrig bleibt (bis zu fünf Prozent), kann sie bei jungen Kälbern, Lämmern und Ferkeln 20 Prozent oder mehr erreichen.
Kann man infizierte Tiere heilen?
Nein, für erkrankte Tiere gibt es keine Behandlungsmöglichkeit. In einem Betrieb, in dem ein MKS-Ausbruch gemeldet wurde, müssen daher alle Klauentiere getötet werden.
Video: MKS: Gefahr für Österreichs Landwirtschaft
Wo kommt das Virus vor?
Das MKS-Virus ist weltweit verbreitet – einzig in Neuseeland wurden noch nie Ausbrüche der Krankheit registriert. MKS ist in Afrika, Asien, dem Mittleren Osten und in Teilen Südamerikas endemisch. Sie kommt dort in bestimmten Regionen also dauerhaft vor. In anderen Regionen wie Europa kann es zu sporadischen Ausbrüchen kommen.
Wo tritt die Krankheit aktuell auf?
Im März meldeten Betriebe in Ungarn und der Slowakei bereits erste Ausbrüche der Seuche. Betroffene Betriebe befinden sich zum Teil in unmittelbarer Nähe zur österreichischen Grenze. Eingerichtete Überwachungszonen reichen somit auch auf das österreichische Staatsgebiet in Niederösterreich und dem Burgenland.
Gibt es auch schon Fälle in Österreich?
Nein, in Österreich gibt es derzeit keine Hinweise auf eine Einschleppung. Der bisher letzte Ausbruch der Maul- und Klauenseuche wurde im Jahr 1981.
Setzt Österreich Maßnahmen gegen das Virus?
Ja, aufgrund der unklaren Situation wurde die Überwachungszone, die auf das österreichische Staatsgebiet reicht, noch weiter ausgedehnt. In dieser Sperrzone werden Betriebe mit empfänglichen Tieren behördlich kontrolliert und Tiere stichprobenartig getestet.
Ende März hat das Gesundheitsministerium zudem ein Maßnahmenpaket beschlossen, mit dem das Risiko einer Einschleppung nach Österreich so gering wie möglich gehalten werden soll. So wurde etwa die Einfuhr von Tieren sowie Frischfleisch, Rohmilch, Gülle, Mist, Jagdtrophäen und Wildfleisch aus der Slowakei und Ungarn vorübergehend verboten.
Am Freitagabend wurde eine erweiterte Verordnung verabschiedet: Das bestehende Importverbot
wird damit auf Stroh und pflanzliche Futtermittel aus betroffenen Ländern ausgedehnt. Alle Tierhaltungsbetriebe sind zudem "angehalten, verstärkte Biosicherheitsmaßnahmen umzusetzen, darunter etwa Maßnahmen zur Reinigung und Desinfektion von Fahrzeugen".
Betriebe sind verpflichtet, Besuchsprotokolle über betriebsfremde Personen zu führen. Tiere aus der erweiterten Sperrzone dürfen grundsätzlich nicht verbracht werden. Die Maßnahmen gelten vorerst bis zum 20. Mai 2025, parallel zu den aktuellen Grenzschließungen.
Video: MKS: "Viren kennen keine Zeit oder Grenzen"
Wie ist die Situation an den Grenzen?
Bereits seit Ende vergangener Woche unterstützt die Polizei im Rahmen der bestehenden Kontrollen an der slowakischen und ungarischen Grenze die Gesundheitsbehörden. Die Maßnahmen umfassen dabei die Anhaltung von Fahrzeugen, die Überprüfung von Dokumenten und Kontrolle der Fahrzeuge.
Am Donnerstag teilte das Innenministerium schließlich mit, dass am Samstag 24 Grenzübergänge vorläufig bis zum Ablauf des 20. Mai geschlossen werden.
Welche Grenzübergänge sind betroffen?
Die geschlossenen Grenzübergänge sind laut Innenministerium in enger Abstimmung mit den Behörden in den betroffenen Bundesländern Niederösterreich und Burgenland, den Landwirtschaftskammern und dem Ministerium für Land- und Forstwirtschaft festgelegt worden.
Konkret betroffen sind in Niederösterreich laut dem Entwurf der Verordnung die Übergänge Angern-March/Zahorska Ves und Schloss Hof/Devinska Nová Ves sowie laut Verordnung des Landespolizeidirektors auch die Fußgänger- und Radfahrbrücke Marchegg im Bezirk Gänserndorf.
Video: Angst vor Maul- und Klauenseuche an den Grenzen
Im Burgenland werden folgende Übergänge geschlossen:
- Andau/Jánossomorja
- Andau/Kapuvar (Zugang zur Brücke von Andau)
- Baumgarten/Sopron
- Deutsch Jahrndorf/Rajka
- Deutschkreutz/Harka
- Deutschkreutz/Nagycenk
- Halbturn/Várbalog
- Halbturn/Várbalog (Albertkazmerpuszta)
- Klostermarienberg/Olmod
- Loipersbach – Ágfalva
- Lutzmannsburg/Zsira
- Lutzmannsburg (Rebberg) – Zsira
- Lutzmannsburg (Therme) – Zsira
- Neckenmarkt – Harka
- Nickelsdorf – Rajka
- Nikitsch – Sopronkövesd
- Nikitsch/Zsira, Ritzing (Helenenschacht)
- Sopron (Brennbergbánya)
- Schattendorf/Ágfalva
- Sieggraben (Herrentisch)/Sopron (Görbehalomtelep)
- Wallern/Kapuvár (Zugang zur Brücke von Wallern)
Der große Grenzübergang bei Nickelsdorf bleibt in Richtung Hegyeshalom weiterhin geöffnet.
Warum werden die Grenzübergänge geschlossen?
"Geschlossene Grenzübergänge stellen im Gegensatz zu Grenzkontrollen an geöffneten Übergängen eine weniger personalintensive Maßnahme dar und werden in unterschiedlicher Stärke und Intensität durchgeführt", erklärte das Innenministerium zur Maßnahme. Die Schließung kann je nach Übergang mithilfe von technischen Sperren oder durch Beamtinnen und Beamte vonstattengehen.
Werden auch auf den offenen Grenzübergängen Maßnahmen gesetzt?
Ja, wie die burgenländische Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner (Grüne) im PULS 24 Interview erklärte, kommen dort "Seuchenteppiche" zum Einsatz. Diese sind mit einer verdünnten Säure versetzt und müssen von den Autos überfahren werden, um etwaige Viren abzutöten und nicht weiter zu verschleppen.
Video: Seuchenteppiche an Grenze ab Samstag
Laut Haider-Wallner sind die Teppiche acht Meter lang, "damit sich auch bei Lkw jedes Rad zweimal durch diese verdünnte Säure bewegt". Aus der Erfahrung handle es sich dabei um eine sehr wirksame Maßnahme. Solche Teppiche kommen auch in Niederösterreich zum Einsatz.
Könnte das Bundesheer zum Einsatz kommen?
Ja, das Bundesheer ist bereits mit 53 österreichischen Soldat:innen der "Austrian Forces Disaster Relief Unit" (AFDRU) im Seuchen-Einsatz in der Slowakei. Mitgebracht hat das Bundesheer unter anderem 18 Fahrzeuge, darunter sechs ABC-Spezialfahrzeuge sowie weitere Ausrüstung.
Auch in Österreich könnte das Bundesheer jetzt zum Einsatz kommen. Für Desinfektionsmaßnahmen im Zuge der Maul- und Klauenseuche an den Autobahn-Grenzübergängen Kittsee (A6) und Nickelsdorf (A4) wird das Burgenland einen Assistenzeinsatz des Bundesheeres anfordern, teilte der Krisenstab des Landes am Freitag mit.
Gibt es in Österreich noch weitere Maßnahmen?
Ja, in einzelnen Bundesländern wurden Streichelzoos vorsorglich geschlossen und Veranstaltungen wie Rinderschauen in Niederösterreich und Salzburg abgesagt.
Zusammenfassung
- Nach Ausbrüchen der Maul- und Klauenseuche in der Slowakei und Ungarn befindet sich Österreich in Alarmbereitschaft.
- Ab Samstag werden 24 Grenzübergänge vorübergehend geschlossen, an den offenen Übergängen kommen Seuchenteppiche zum Einsatz.
- Doch wie gefährlich ist das Virus wirklich? PULS 24 liefert alle Antworten.