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Serbiens Studenten starteten Protest-Radtour nach Straßburg

03. Apr. 2025 · Lesedauer 3 min

Eine Gruppe von 80 Studenten von allen serbischen staatlichen Universitäten hat am Donnerstag in Novi Sad eine Radtour nach Straßburg gestartet, um bei den dortigen europäischen Institutionen - den Europarat und das Europäische Parlament - auf die politische Krise im Balkanland aufmerksam zu machen. Das "Radrennen um die Gerechtigkeit" soll auch durch Österreich führen, wobei Übernachtungen in Wien, Emmersdorf, Linz und Salzburg geplant sind.

"Unsere Straßen, früher Orte der Hoffnung und Begegnungen, sind Schauplätze der Angst und Ungerechtigkeit geworden. Unsere Freunde und Kollegen werden festgenommen, weil sie die Wahrheit gesagt haben, Institutionen sind zum Werkzeug der Repression geworden", teilten Studenten auf ihrem Internetportal mit, wo ihre Radtour live zu verfolgen ist.

Die etwa 1.300 Kilometer lange Strecke soll in 13 Tagen zurückgelegt werden, von Montag bis Freitag werden sie sich in Österreich aufhalten. In Wien sollen die Teilnehmer der Radtour laut dem Plan am Montagabend eintreffen. Am kommenden Tag ist dann das niederösterreichische Emmersdorf (Bezirk Melk) das Etappenziel. Am Mittwoch wollen die Radfahrer bis Linz fahren, am Donnerstag bis Salzburg, ehe sie am Freitag in Richtung München aufbrechen.

Ivan von der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät in Novi Sad erwartete vor der Abreise eine "unvergessliche" Erfahrung und einen anstrengenden Weg. Die Teilnehmer der Radtour hatten Anfang der Woche noch eine 120 Kilometer lange Probetour absolviert, um ihre körperlichen Fähigkeiten zu überprüfen.

Vor der Abreise haben sich Radfahrer von ihren Familien mit dem schon traditionell gewordenen Gruß "Ko ne skače je Čači" (Wer nicht hüpft, ist ein Čači - Schüler). Damit meinen die Studenten all diejenigen, die sich ihren Forderungen nach Rechtsstaatlichkeit widersetzen.

Tierschützer hinderten Straßenhunde an Begleitung der Radfahrer

Eine besondere Aufgabe ist am Donnerstagfrüh in Novi Sad auch den Tierschutzverbänden zugefallen. Es galt nämlich, einige Straßenhunde, die inzwischen ebenfalls zum Symbol der Studentenproteste geworden sind, daran zu hindern, die Radfahrer zu begleiten. An den Protestmärschen durch Serbien sind sie nämlich bisher immer dabei gewesen.

Auslöser der Proteste war der Einsturz des Bahnhofvordachs in Novi Sad am 1. November, bei dem 16 Menschen ums Leben gekommen waren. Bereits im November wurde gegen 13 Verantwortliche Anklage erhoben, doch hat die Justiz diese noch nicht bestätigt. Zwei Minister sind wegen des vermutlich durch Korruption verursachten Unglücks zurückgetreten. Ihren bisherigen Höhepunkt erreichte die Protestbewegung Mitte März durch eine Großkundgebung in Belgrad, die aber abrupt endete. Teilnehmer erhoben daraufhin Vorwürfe gegen die Behörden, eine verbotene Schallkanone eingesetzt zu haben.

Zusammenfassung
  • Eine Gruppe von 80 serbischen Studenten hat eine 1.300 Kilometer lange Radtour von Novi Sad nach Straßburg gestartet, um auf die politische Krise in Serbien aufmerksam zu machen.
  • Die Tour führt durch Österreich mit Stopps in Wien, Emmersdorf, Linz und Salzburg und soll in 13 Tagen abgeschlossen werden.
  • Auslöser der Proteste war der Einsturz eines Bahnhofvordachs in Novi Sad, bei dem 16 Menschen starben; zwei Minister traten zurück.