Missbrauchsopfer-Vereinigung zeigt sechs Kardinäle an
Namentlich geht es um die Kardinäle Péter Erdö, Kevin Farrell, Víctor Fernández, Mario Grech, Robert Prevost und Luis Tagle. Sie alle werden in Medienberichten als mögliche künftige Papst-Kandidaten (Papabili) gehandelt. Snap steht für Survivors Network of those Abused by Priests (Netzwerk von Überlebenden, die von Priestern missbraucht wurden). Die Organisation wurde 1989 in den USA gegründet und ist weltweit vernetzt.
Die Anzeigen sind an Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und die Leiter weiterer Behörden im Vatikan gerichtet. Nach Auffassung von Snap handelt es sich um Meldungen gemäß dem Papsterlass "Vos estis lux mundi" (Ihr seid das Licht der Welt) vom 25. März 2023. Die Anzeigeschreiben sind auf den 25. März 2025, den zweiten Jahrestag der dauerhaften Inkraftsetzung des Papsterlasses, datiert.
Nach diesem Gesetz kann "jeder" im Vatikan Anzeige erstatten, der Kenntnisse über Straftaten im Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch durch Kleriker erhält. Strafbar im Sinne dieses Gesetzes sind auch Handlungen oder Unterlassungen, die bei Missbrauchsvorwürfen "darauf gerichtet sind, die zivilen oder kirchenrechtlichen Untersuchungen (...) strafrechtlicher Natur (...) zu beeinflussen oder zu umgehen". Damit wurde erstmals der Versuch der Vertuschung von Straftaten auch im Kirchenrecht unter Strafe gestellt.
In ihrer Anzeige berufen sich die Vorstandsmitglieder von Snap überwiegend auf Medienberichte. In ihnen wird dargelegt, dass die genannten Kardinäle in ihrer Zeit als Diözesanleiter sexuellen Missbrauchsvorwürfen gegen Priester und Kirchenmitarbeiter nicht zügig oder umfassend genug nachgegangen seien oder die mutmaßlichen Täter nicht hart genug bestraft hätten.
Zusammenfassung
- Die internationale Missbrauchsopfer-Vereinigung Snap hat sechs Kardinäle, darunter Péter Erdö und Kevin Farrell, im Vatikan wegen Vertuschung von sexuellem Missbrauch angezeigt.
- Die Anzeigen basieren auf dem Papsterlass 'Vos estis lux mundi', der seit dem 25. März 2023 Vertuschung unter Strafe stellt, und sind an Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gerichtet.
- Snap beruft sich auf Medienberichte, die den Kardinälen vorwerfen, Missbrauchsvorwürfen nicht effektiv nachgegangen zu sein; die Anzeigen sind auf den 25. März 2025 datiert.