Austro-Weltraumschrott-Sucher kassierte 117 Treffer
"Adler-1" war ein nur zehn mal zehn mal 30 Zentimeter großer Minisatellit, der Anfang 2022 in der für Satelliten wichtigen Flughöhe gebracht wurde. Nach Weltraumschrott im Mikrometer-Bereich suchte man mit dem Radargerät "Austrian Particle Impact Detector-1" (APID-1) des ÖWF. Hier handelte es sich um eine Art "Weltraum-Mikrofon" sowie einen Sensor, der die Erdatmosphäre nach Hinweisen auf Partikelverschmutzung absuchte.
Die Mission, die ab Mitte 2023 vom Nachfolger "Adler-2" fortgesetzt wurde, diente dazu, Antworten auf die Frage zu bringen, ob die hauptsächlich in Simulationsmodellen berechnete Anzahl und Verteilung kleiner Weltraumschrott-Teilchen auch einigermaßen zutrifft. Da diese Partikel nur mit großem Aufwand feststellbar sind, wird ihr Auftreten nämlich großteils am Computer berechnet.
Laut ÖWF-Angaben vom Montag detektierte APID-1 in seinen rund eineinhalb Jahren im All alles in allem 117 Teilchen. Die Einschlagssignaturen wurden in Zusammenarbeit mit dem Weltraumtechnologie-Startup Tilebox "aus weit über 500.000 Datensätzen herausgefiltert und anschließend mit Simulationsmodellen der Europäischen Weltraumorganisation ESA verglichen", heißt es.
Plus bei Raketenstarts als Fragezeichen
Die Anzahl an detektierten Einschlägen pro Tag passe in etwa zu den Vorhersagen, die das ESA-Modell macht, allerdings zeigten sich Unterschiede bezüglich gemessener und vorhergesagter Treffer von Objekten unterschiedlicher Größen, schreiben die Studienautoren um ÖWF-Chef Gernot Grömer in der Publikation. Die Messungen zeigten auch: "Weltraumschrott ist ein zunehmend kritischer werdendes Problem in der erdnahen Umlaufbahn", so Grömer in einer Aussendung. "Zwar verglühen Kleinstteilchen im niedrigen Erdorbit nach mehreren Monaten, aber die Startfrequenz von Raketen ist derartig angestiegen, dass es vor allem in der Höhe von 500 Kilometern und darunter immer mehr gefährliche Kollisionen geben wird. Und das ist in etwa jene Höhe, in der viele Satelliten ausgesetzt werden und auch die Internationale Raumstation ISS die Erde umkreist."
Einen markanten Anstieg an Mikro-Einschlägen zeichnete man zwischen November 2022 und Jänner 2023 auf. Das sei am ehesten auf zwei Ereignisse zurückzuführen, heißt es in der Arbeit: Den Versorgungsflug zur ISS des Weltraumfrachters "Cygnus NG-18" am 7. November und die Explosion einer chinesischen Raketenoberstufe am 12. November 2022. Letzterer Flug brachte den Wettersatelliten "Yunhai-3 01" in eine Höhe von 850 Kilometern. Die Explosion sorgte neben den nun aufgezeichneten Kleinteilchen in rund 500 Kilometern Höhe auch für 790 mittlerweile identifizierte und kartierte größere Weltraumschrott-Fragmente. Die Daten aus der Adler-1-Mission wären ein wichtiger Vor-Ort-Nachweis, dass auch Raketenoberstufen zum Problem mit den Kleinstteilchen beitragen, deren Aufprall die Energie einer Pistolenkugel haben kann, so das ÖWF.
(S E R V I C E - https://doi.org/10.1016/j.jsse.2025.02.009)
Zusammenfassung
- Der Kleinsatellit 'Adler-1' registrierte in 512 Tagen insgesamt 117 Treffer von kleinen Objekten, was die zunehmende Bedrohung durch Weltraumschrott in der erdnahen Umlaufbahn unterstreicht.
- Zwischen November 2022 und Januar 2023 wurde ein markanter Anstieg an Mikro-Einschlägen verzeichnet, der auf den Versorgungsflug zur ISS und die Explosion einer chinesischen Raketenoberstufe zurückzuführen ist.
- Die Mission des Österreichischen Weltraum Forums zeigte, dass Raketenstarts die Trefferwahrscheinlichkeit in rund 500 Kilometern Höhe merklich erhöhen, was die Sicherheit von Satelliten und der ISS gefährdet.