Ex-RAF-Terroristin Klette vor Gericht
Bei den Überfällen soll Klette meistens das Fluchtauto gefahren haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr versuchten Mord unter anderem aus Habgier vor. Die Anklage spricht zudem von versuchtem und vollendetem schweren Raub als "Mitglied einer Bande" sowie von unerlaubtem Waffenbesitz.
Laut Anklage soll das Trio Geldtransporter und Kassenbüros in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein überfallen haben. Demnach wollten sie mit den Straftaten "ihren Lebensunterhalt" finanzieren. Um Widerstände zu überwinden, hatte das Trio den Ermittlungen zufolge Waffen dabei: Eine täuschend echt aussehende Panzerfaust, Elektroschocker und Pistolen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft soll das Trio in Kauf genommen haben, Menschen zu verletzen oder zu töten. Bei den Taten sollen sie 2,7 Millionen Euro erbeutet haben.
Schon seit vielen Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Verden gegen Klette und ihre mutmaßlichen Komplizen Staub und Garweg. Am 26. Februar 2024 nahmen Einsatzkräfte die ehemalige RAF-Terroristin in Berlin-Kreuzberg fest, wo sie unter falschem Namen lebte. Wo sich die gesuchten Männer aufhalten, ist unbekannt.
Hohe Sicherheitsvorkehrungen
Der Prozess startete unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Vor den Eingängen des Gerichtsgebäudes standen Justizbeamte und Polizisten mit Maschinenpistolen. Vor dem Oberlandesgericht Celle versammelten sich rund 50 Unterstützer der Angeklagten. Auf Transparenten stand unter anderem "Freiheit für alle politischen Gefangenen".
Hintergrund der Sicherheitsvorkehrungen ist die Vergangenheit der Angeklagten. Klette gehörte der sogenannten dritten Generation der linksextremistischen Roten Armee Fraktion (RAF) an. 1998 erklärte sich die RAF, die mehr als 30 Menschen tötete, für aufgelöst. Die nun zu verhandelnden Taten haben keinen terroristischen Hintergrund, wie die Ermittler betonen.
Gegen die 66-Jährige besteht auch Haftbefehl wegen des Verdachts der Beteiligung an Terroranschlägen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr versuchten Mord in zwei Fällen sowie Mittäterschaft bei Sprengstoffexplosionen bei drei Anschlägen der RAF in der Zeit von Februar 1990 bis März 1993 vor. Zu diesem Komplex wird eine weitere Anklage erwartet, die zu einem weiteren Gerichtsprozess führen kann. Die Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung RAF an sich ist inzwischen verjährt.
Zusammenfassung
- Der Prozess gegen die 66-jährige Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette hat in Deutschland begonnen. Sie wird beschuldigt, zwischen 1999 und 2016 an 13 Überfällen beteiligt gewesen zu sein, bei denen 2,7 Millionen Euro erbeutet wurden.
- Der Prozess findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Unterstützer der Angeklagten versammelten sich vor dem Oberlandesgericht Celle. Klette wurde im Februar 2024 in Berlin-Kreuzberg festgenommen, wo sie unter falschem Namen lebte.